Ansturm auf Testcenter lässt nach

Wer sich auf Corona testen lassen will, dem stehen inzwischen jede Menge Teststationen zur Verfügung. Doch seit die Testpflicht in vielen Bereichen weggefallen ist, geht die Nachfrage zurück. Trotzdem denken die Anbieter noch nicht ans Aufhören.

Ob mit oder ohne Termin: Im Corona-Testcenter in der Backnanger Grabenstraße kommen die Testwilligen inzwischen meist ohne längere Wartezeiten an die Reihe. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Ob mit oder ohne Termin: Im Corona-Testcenter in der Backnanger Grabenstraße kommen die Testwilligen inzwischen meist ohne längere Wartezeiten an die Reihe. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Ob in der Apotheke oder beim Arzt, in der Fußgängerzone oder auf dem Kundenparkplatz des Discounters – Coronaschnelltests kann man inzwischen fast an jeder Straßenecke machen. Das zentrale Schnelltestportal des Landkreises listet insgesamt 147 Testmöglichkeiten im Rems-Murr-Kreis auf, darunter alleine zwölf in Backnang. Aber auch in kleinen Gemeinden wie Burgstetten oder Spiegelberg gibt es wenigstens eine Testmöglichkeit.

Dass die Testzentren zuletzt wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, hängt auch damit zusammen, dass das Testen ein einträgliches Geschäft ist: Für jeden kostenlosen Bürgertest bekamen die Betreiber bislang 18 Euro vom Staat (siehe Infobox). Das lohnte sich auch für diejenigen, die nicht zu den schwarzen Schafen gehören, die mehr Tests abrechnen, als sie tatsächlich durchführen.

Allerdings könnte der große Boom der Testzentren schon wieder vorbei sein. Denn seit dem 10. Juni wurde die Testpflicht im Rems-Murr-Kreis wegen der niedrigen Inzidenzwerte gelockert. In den Biergarten darf man seitdem ebenso ohne Testnachweis wie ins Freibad. Hinzu kommt, dass die an den Schulen durchgeführten Schnelltests nun 60 Stunden gelten: Somit brauchen Schülerinnen und Schüler unter der Woche in der Regel keine weiteren Tests mehr.

In der Folge hat auch der Ansturm auf die Testzentren nachgelassen. Deren Spitzentag war bisher am 2. Juni, dem Tag vor Fronleichnam. Insgesamt 14589 Testtermine wurden an diesem Mittwoch über das Internetportal des Landkreises gebucht. Auch an den beiden folgenden Wochenenden lag die Zahl der Tests noch im fünfstelligen Bereich. Seitdem ist die Nachfrage allerdings deutlich zurückgegangen: Diese Woche meldete das Landratsamt nur noch zwischen 4000 und 6500 Tests pro Tag.

In der Urlaubszeit könntedie Nachfrage wieder steigen.

Das deckt sich mit den Erfahrungen, die Stefanie Gebhardt von der Firma Minessa Medical gemacht hat. Das Unternehmen mit Sitz in Winnenden betreibt insgesamt zwölf Corona-Testzentren, darunter auch das in der Backnanger Grabenstraße. Zu den Spitzenzeiten habe ihr Team dort bis zu 700 Tests am Tag durchgeführt, jetzt seien es noch zwischen 200 und 300, berichtet die Stationsleiterin. So kommen inzwischen auch Testwillige ohne Termin meist ohne lange Wartezeit an die Reihe.

„Ich will heute Abend mit einer Freundin ausgehen. Vielleicht brauche ich da einen Test“, sagt Angelika Kerner, die vor dem grauen Container auf Einlass wartet. Rafaela Weigt arbeitet als Verkäuferin direkt nebenan und hat gesehen, dass beim Testcenter gerade wenig los ist. Deshalb hat sie die Chance genutzt, um sich vor der Arbeit noch kurz testen zu lassen. Im Moment sei der Zulauf noch groß genug, damit sich das Testcenter für den Betreiber lohne, sagt Stefanie Gebhardt. Sollte die Zahl der Tests noch weiter zurückgehen, werde man aber möglicherweise über eine Reduzierung der Öffnungszeiten nachdenken. Derzeit hat das Testzentrum in der Grabenstraße täglich von 7 bis 18 Uhr und sogar sonntags von 9.30 bis 14.30 Uhr geöffnet.

Die Backnanger Brückenapotheke hat diesen Schritt bereits vollzogen: Im eigenen Testzentrum biete man ab kommender Woche nur noch vormittags Testtermine an, berichtet Apothekerin Julia Bartneck. Die Zahl der Tests war zuletzt von über 80 auf knapp 20 pro Tag gesunken. „Das ist aber auch von Woche zu Woche unterschiedlich, die Regeln ändern sich ja auch ständig“, sagt Bartneck. Eine Schließung des Testcenters sei aktuell aber noch kein Thema: „Wir haben die Räume noch bis August gemietet und gehen davon aus, dass die Nachfrage im Juli auch noch mal zunehmen wird, wenn alle in den Urlaub wollen.“

Auch der Container in der Grabenstraße wird wohl noch eine ganze Weile stehen bleiben: „Wir rechnen damit, dass wir unser Testcenter noch bis August oder September betreiben werden“, sagt Stefanie Gebhardt. Schließlich werde es noch dauern, bis auch unter den Jüngeren so viele geimpft sind, dass die meisten keine Tests mehr benötigen.

Stadt Backnang will dieInfrastruktur aufrechterhalten.

Auch der Backnanger Wirtschaftsbeauftragte Reiner Gauger hofft, dass die Testcenter noch nicht so bald schließen. „Natürlich glauben wir alle, dass das Schlimmste überstanden ist, aber wir wollen die Infrastruktur noch aufrechterhalten.“ Schließlich könnte schon ein einziger größerer Coronaausbruch die Inzidenz im Rems-Murr-Kreis über 35 steigen lassen, was wieder eine Verschärfung der Testpflicht zur Folge hätte. „Außerdem wissen wir nicht, wie sich die neue Mutante verbreitet“, sagt Gauger. Wenn man die Kapazitäten zu früh herunterfahre, müsse man sie später womöglich wieder mühsam neu aufbauen.

Im Landratsamt sieht man die Sache entspannt. Da die Schnelltestzentren von privaten Unternehmen betrieben werden, vertraut man auf den Markt: „Das Angebot wird sich von selber am Bedarf orientieren und die Partner werden reagieren, wenn dieser Bedarf nachlässt. Wir müssen also nichts veranlassen, um das Testangebot im Landkreis anzupassen“, teilt die Pressestelle mit.

Weniger Geld, mehr Kontrolle

Das Bundesgesundheitsministerium will die Vergütung für Coronaschnelltests reduzieren. Statt 18 Euro pro Test sollen die Testzentren künftig nur noch 11 Euro abrechnen können. Gesundheitsminister Jens Spahn begründet das unter anderem damit, dass die Einkaufspreise für Antigenschnelltests gesunken sind.

Außerdem reagiert das Ministerium auf Berichte über Betrügereien in Corona-Testcentern und kündigt stärkere Kontrollen an. So sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen künftig die Sachkosten mit den abgerechneten Tests vergleichen. So können die Anbieter dann nicht mehr Tests abrechnen, als sie vorher eingekauft haben.

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Erstellt:
18. Juni 2021, 06:00 Uhr

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