Auch der Weihnachtsmarkt fällt aus

Dass der Backnanger Weihnachtsmarkt dieses Jahr in seiner gewohnten Form nicht stattfinden kann, war absehbar. Bis zuletzt hatte der Stadtmarketingverein aber noch auf eine abgespeckte Version gehofft. Nun ist klar: Auch daraus wird nichts.

Dichtes Gedränge in der Marktstraße beim Weihnachtsmarkt 2019. Wann so etwas wieder möglich sein wird, weiß zurzeit keiner.Archivfoto: A. Becher

© Tobias Sellmaier

Dichtes Gedränge in der Marktstraße beim Weihnachtsmarkt 2019. Wann so etwas wieder möglich sein wird, weiß zurzeit keiner.Archivfoto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Nachricht, dass nach Tulpenfrühling, Straßenfest und Gänsemarkt auch die vierte Backnanger Großveranstaltung in diesem Jahr ausfällt, war heute keine große Überraschung mehr. Schließlich hatten in den vergangenen Wochen fast alle Städte und Gemeinden in der Region ihre Weihnachtsmärkte abgesagt. „Wir haben lange überlegt, ob es eine Möglichkeit gibt, einen Weihnachtsmarkt stattfinden zu lassen“, erklärt Erster Bürgermeister Siegfried Janocha. Spätestens als der Rems-Murr-Kreis am Wochenende zum Corona-Risikogebiet wurde und das Land die Pandemiestufe 3 ausrief, sei aber klar gewesen, dass selbst eine abgespeckte Variante des Marktes nicht möglich sein wird.

Dabei lag das Konzept dafür bereits fertig auf dem Tisch: Der Plan des Stadtmarketingvereins sah vor, auf dem Stiftshof einen kleinen Markt mit etwa 15 Ständen zu veranstalten. Der Platz sollte eingezäunt und maximal 400 Personen gleichzeitig auf das Gelände gelassen werden. Alle eineinhalb Stunden hätte es einen Schichtwechsel gegeben.

Nach den jüngsten Entwicklungen schien aber auch dieses Konzept nicht mehr umsetzbar: „Nach der neuen Coronaverordnung, hätten wir nur noch 100 Personen gleichzeitig auf das Gelände lassen dürfen“, sagt Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer. Weihnachtsstimmung wäre unter diesen Umständen wohl kaum aufgekommen, und für die Vereine, die die Stände betreiben, hätte sich der Aufwand auch finanziell nicht mehr gelohnt. „Für die Vereine ist das natürlich bitter“, weiß Siegfried Janocha. Nach dem Straßenfest entgeht ihnen nun eine weitere wichtige Einnahmequelle. Allerdings hätten alle Verständnis gezeigt, berichtet Simon Köder vom Stadtmarketingverein. Einige hätten selbst schon signalisiert, dass sie in diesem Jahr lieber keinen Stand betreiben wollen, weil den Ehrenamtlichen, unter denen viele Ältere sind, das Risiko zu groß gewesen wäre.

Stadtmarketingverein plant coronakonforme Aktionen.

Stadtverwaltung und Stadtmarketingverein stehen nun vor der Frage, wie es gelingen kann, trotzdem noch ein wenig Weihnachtsstimmung in die Innenstadt zu bringen. Denn einerseits haben Händler und Gastronomen natürlich großes Interesse daran, möglichst viele Kunden in die Innenstadt zu locken, andererseits gilt es, Ansammlungen von Menschen zu vermeiden. Ein Glühweinstand mit Stehtischen drumherum ist deshalb aus Sicht von Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer im Moment kaum vorstellbar. Vonseiten der Gastronomen gebe es aber noch andere Ideen, etwa beheizte Lauben mit festen Sitzplätzen aufzustellen. Die Stadt stehe solchen Konzepten offen gegenüber, sagt Blumer: „Wir werden prüfen, was möglich ist und die Rechtslage zulässt.“ Falls die Gastronomen dafür öffentliche Flächen benötigten, werde man ihnen diese kostenlos überlassen.

Der Stadtmarketingverein plant noch weitere coronakonforme Weihnachtsaktionen: So soll es die Weihnachtslosaktion wieder geben, außerdem plane man eine weihnachtliche Neuauflage der Entdeckertour, berichtet Köder. Dieses Format, bei dem Kinder mit einer Laufkarte auf eigene Faust durch die Stadt ziehen und verschiedene Aufgaben lösen müssen, lief im Sommer bereits sehr erfolgreich – als Ersatz für das ebenfalls abgesagte Kinderfest. Was darüber hinaus noch möglich und umsetzbar ist, hängt von der In fektionslage im Dezember und den dann geltenden Vorschriften ab. Denkbar wären zum Beispiel Einkaufsabende mit verlängerten Öffnungszeiten. Ein Probelauf dafür ist im Rahmen der Aktionswoche „Backnang ganz herbstlich“ geplant. Am Freitag, 6. November, wollen viele Geschäfte bis 21 Uhr öffnen. Sollte die Resonanz positiv sein, sei eine Wiederholung in der Adventszeit denkbar.

„Die Einzelhändler machen sich gerade viele Gedanken“, sagt Simon Köder und versucht, aus der Not eine Tugend zu machen: Statt mit weihnachtlichem Trubel will er die Kunden nun mit einer entspannten Einkaufsatmosphäre in die Backnanger Innenstadt locken.

Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 41,0

Nach dem raschen Anstieg in der vergangenen Woche sind die Infektionszahlen im Rems-Murr-Kreis zuletzt wieder leicht gesunken. Gestern meldete das Gesundheitsamt 18 neue Fälle, insgesamt befinden sich aktuell 241 Infizierte in Quarantäne.

Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage ist von 199 auf 175 gesunken. Umgerechnet auf 100000 Einwohner ergibt sich damit ein Wert von 41,0. Der Rems-Murr-Kreis befindet sich damit wieder im sogenannten gelben Bereich.

Die Stadt Backnang hat neben dem Weihnachtsmarkt noch weitere Veranstaltungen abgesagt: So finden auch das Backnanger Sandmännchen, die öffentlichen Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag sowie der Neujahrsempfang der Stadt Backnang nicht statt. Als Alternative zum Laternenlaufen in der Innenstadt mit anschließender Gute-Nacht-Geschichte des Sandmännchens bereitet die Freiwillige Feuerwehr gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine kleine digitale Überraschung für die Backnanger Kinder vor.

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Erstellt:
21. Oktober 2020, 19:28 Uhr

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