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Außenbewirtschaftung in Coronazeiten

Von der Krise ist besonders die Gastronomie schwer betroffen. Die Stadt Backnang, auch Genehmigungsbehörde für Gemeinden im Umland, kommt Gastronomen bei Anträgen auf Erweiterung der Außenflächen entgegen. Heizpilze sind nicht verboten.

Wenn das Rathaus in Backnang abends schließt, darf Löwen-Wirtin Simone Hilt (Mitte) weitere Tische aufstellen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Wenn das Rathaus in Backnang abends schließt, darf Löwen-Wirtin Simone Hilt (Mitte) weitere Tische aufstellen. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

BACKNANG. „Die Krise im Gastgewerbe ist noch längst nicht vorbei“, so die klare Aussage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga-Bundesverband) Mitte dieser Woche. Weit mehr als die Hälfte der gastgewerblichen Unternehmer bangt um ihre Existenz, zwei Drittel geben an, dass die gegenwärtigen Hilfen der Regierung nicht ausreichen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die der Dehoga vorgestellt hat.

Die Stadt Backnang hat rasch gehandelt. „Nach dem coronabedingten Lockdown wurden den Gastronomen die Gebühren für die Außenbewirtung zurückerstattet beziehungsweise nicht eingezogen“, sagt Christine Wolff. „Gleichzeitig konnten Gastronomen ebenfalls kostenfrei eine Erweiterung der Außenbewirtungsfläche beantragen“, so die Pressereferentin der Stadtverwaltung Backnang weiter. Von diesem Angebot haben demnach acht Gastronomen Gebrauch gemacht. Dadurch ist die Außenbewirtungsfläche insgesamt um rund 200 Quadratmeter gestiegen.

„Mit diesen Maßnahmen möchte die Stadt einen Beitrag dazu leisten, die finanziellen Einbußen der Gastronomen durch Corona zu mindern, und gleichzeitig den Gastronomen die Möglichkeit geben, die Abstandsregelungen einzuhalten“, erläutert Wolff das Entgegenkommen der Stadtverwaltung. Es seien keine Anträge abgewiesen worden, „lediglich die Gestaltung der Außenbewirtungsfläche wurde teilweise angepasst“, so die Pressereferentin. Wie Wolff weiter mitteilt, ist die Stadtverwaltung regelmäßig mit den Gastronomen im Gespräch, um bei Änderungen der Vorschriften beziehungsweise bei Fragen zu unterstützen. Dies bestätigten ausnahmslos alle Gastronomen, bei denen unsere Zeitung nachgefragt hat. Bei diesen Gesprächen gab es viel Lob für die gute Kommunikation und die Bereitschaft, gute oder wenigstens akzeptable Lösungen zu finden.

„Vorm Rathaus sind wir noch nie gehockt, das ist ja ganz toll.“

Einer der acht Gastronomen, die eine Erweiterung der Außenbewirtungsfläche beantragt haben, ist Markus Hilt. Zusammen mit seiner Frau Simone bewirtschaftet er den Löwen in der Innenstadt. Um gleich vorweg zu sagen: Nein, von der Stadtverwaltung gibt’s neuerdings keine Speisen und Getränke. Bei den Tischen zwischen Rathaus und den Claqueuren handelt es sich um die genehmigte Erweiterung der Außenbewirtschaftung des Löwen. „Wir dürfen dort drei Tische aufstellen, allerdings nur zu den Zeiten, wenn das Rathaus geschlossen hat“, sagt Markus Hilt. Die Genehmigung gilt bis 30. September. Und seine Frau meint: „Es gibt Leute, die wollen dort nicht unbedingt hinsitzen, aber es gibt auch Leute , die sagen: Vorm Rathaus sind wir noch nie gehockt, das ist ja ganz toll.“ Die Wirtsleute sind mit der Resonanz sehr zufrieden. „Unser Angebot wird gut angenommen“, sagen sie. Allerdings haben sie keinen Vergleich zu „normalen“ Zeiten, denn die Eröffnung des Löwen fiel mitten in die Coronazeit.

Etwas kurios mutet die Erweiterungsfläche der Außenbewirtschaftung für die Trattoria Pane e Vino an. Denn wenn der Wirt Angelo seine Kundschaft bedienen will, muss er zunächst einen Spurt von 100 Metern zurücklegen. Das kam so: Auf seiner Miniterrasse an der Stuttgarter Straße stehen vier Tische; mehr geht nicht. Einen Tisch musste er wegen der Abstandsregel entfernen. Eine Bewirtschaftung vor dem ehemaligen Café Rilke konnte sich Angelo nicht vorstellen. So nahm er das Angebot der Stadt an, fünf Tische auf der 15 Meter langen Boulebahn an der Stuttgarter Straße unterhalb des Torbogenhauses aufzustellen. In den lauen Abendstunden ist’s ein romantisches Plätzchen. Nur Gäste fehlen noch. „Lieber das als gar nichts“, sagt Angelo.

Gute Erfahrungen hat Petra Wolf vom Kunberger nicht nur mit der Stadt gemacht, sondern besonders auch mit ihrer Nachbarin vom Bekleidungsgeschäft „Zauberhaft“. Denn problemlos durfte sie ihre Tische und Stühle in der Marktstraße weiter nach unten schieben, sodass die Abstandsregeln eingehalten werden konnten. So hat sie die Plätze im Außenbereich nicht reduzieren müssen.

Dimitrios Pinakas vom Storchen könnte erweitern, und zwar um zwei Tische, „aber das wäre hässlich“, sagt er. Die würden zu weit in die Fußgängerzone hineinragen. Im Außenbereich hat er weiterhin 60 Sitzplätze, innen hat er von 72 auf 36 Plätze reduziert.

Nur noch bis Samstag hat der Biergarten vom Hofgut Hagenbach geöffnet. Matthias Wurche sagt, dass sich nach den Ferien das Öffnen nicht mehr lohnt. Mit der Saison ist er sehr zufrieden, nicht zuletzt wegen des Speisenangebots seines neuen Kochs, dem ehemaligen Tafelhaus-Chef Lars Schürer. Die Anzahl seiner Plätze hatte er nicht geändert.

Vom Angebot der Stadt hat dagegen das Eiscafé Portofino in der Grabenstraße Gebrauch gemacht. Zusätzlich zu den Tischen vor dem Bekleidungshaus H&M kamen weitere fünf Tische vor „Gerry Weber“ dazu. Für die kältere Jahreszeit plant Karin Kübler-Fotoglidis, einen etwa 100 Quadratmeter großen Pavillon mit Heizmöglichkeit aufzustellen.

Wolfgang Ziegler vom Tante Emma im Biegel hat seine 115 Plätze im Außenbereich auf 60 nach Abstandsregel reduziert. Erweitern will und kann er nicht, weil ihm wegen der Kurzarbeit das Personal fehlt. Sorgen macht er sich wegen der bevorstehenden kalten Jahreszeit, weil im Emma innen kaum Platz ist.

Lisboa-Wirt Luis Moreira hat eine Ausnahmegenehmigung für vier zusätzliche Tische bis Ende September erhalten, die er auf die Straße stellen durfte. Das hat aber nichts mit Corona zu tun, sondern mit der Baustelle und dem einseitigen Durchfahrtsverbot in der Stuttgarter Straße. Auch er, wie alle anderen, hat die Erfahrung gemacht, dass die Kunden coronabedingt lieber draußen sitzen. Er sagt: „Der Winter wird schwierig.“

Die Sorge vor der bevorstehenden kalten Jahreszeit ist allgegenwärtig. Da könnte die Nachricht der Stadt Backnang eventuell so manchen Gastronomen etwas beruhigter in die Zukunft blicken lassen: „Es gibt kein Verbot von Heizpilzen vonseiten der Stadt Backnang aus.“

In Umlandgemeinden gab es nur wenige Anträge auf Erweiterung der Außenbewirtschaftungsflächen

Die Außenbewirtschaftung ist in Coronazeiten nicht nur bei Gastronomen in der Backnanger Innenstadt ein Thema, sondern auch im Umland. Nachfolgend die aktuelle Situation in einigen ausgewählten Gemeinden (die Genehmigungsbehörde ist aber die Stadt Backnang):

In der Gemeinde Aspach wurden in Einzelfällen Sondergenehmigungen ausgestellt, allerdings mit explizitem Verweis auf die Coronapandemie. So durfte eine Gaststätte in Großaspach ihre Außenfläche deutlich erweitern und ihren angrenzenden Parkplatz als Gastrofläche benutzen. Auch in Kleinaspach wurde eine Erweiterung eines Biergartens genehmigt. Einige Besenwirtschaften hatten aufgrund der Pandemie zeitweise nicht im Regelbetrieb geöffnet, da in den engen Räumen der Mindestabstand nicht gewährleistet beziehungsweise nur dann gewährleistet werden konnte, wenn die Anzahl der Sitzplätze auf ein Minimum reduziert wurde – was zur Folge hatte, dass die Wirtschaftlichkeit der Betriebe nicht mehr gegeben war und sie deswegen gar nicht erst geöffnet wurden. Darum wurde beispielsweise einer Besenwirtschaft ausnahmsweise eine Veranstaltung im Außenbereich genehmigt. In Zusammenarbeit mit der Stadt Backnang wird in diesen Punkten sehr großzügig und im Sinne der Gastronomen entschieden. Die Zahl der Gastronomen im Allgemeinen hat sich nicht verändert, es gab keine coronabedingten Schließungen, viele Restaurants hatten während der Hochphase der Pandemie Lieferdienste eingerichtet. „Das Thema Heizpilze wird verwaltungsintern noch geprüft“, teilt Silke Latzel von der Gemeindeverwaltung Aspach, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, mit.

In Althütte hatten und haben folgende sieben Gastronomen eine Lizenz für Außenbewirtschaftung: Eddi’s Biker-Residenz und Pizzeria Portofino in Althütte, Gasthof Schöne Aussicht, Lutzenberg, Gasthaus Lamm, Waldenweiler, Gaststätte Birkenhof, Schlichenhöfle, und Strohbeck’s, Voggenhof, sowie das Naturfreundehaus Sechselberg. Wie Bürgermeister Reinhold Sczuka mitteilt, hat sich die Flächengröße in diesem Jahr nicht verändert. „Die Gastronomiebetriebe sind sehr gewissenhaft in der Umsetzung der Hygiene- und Abstandsregeln“, sagt Sczuka. „Bei Stichproben wurden keine Beanstandungen festgestellt.“ Bezüglich der Heizpilze gibt es laut Bürgermeister „von der Gemeinde aus keine Einschränkungen“.

In Burgstetten gibt es fünf Gastronomen, die insgesamt rund 500 Quadratmeter Außenfläche bewirtschaften. „Die Flächen haben sich wegen der Coronapandemie nicht geändert, nur die Abstände und somit die Zahl der Plätze“, sagt Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz. Anträge auf Erweiterungen der Flächen würden nicht vorliegen. Soweit der Gemeindeverwaltung bekannt ist, werden die coronabedingten Regeln und Vorschriften von den Gastronomen eingehalten. Heizpilze und Heizstrahler sind laut Wiedersatz in Burgstetten erlaubt.

In Oppenweiler hat sich in Bezug auf die Außenbewirtschaftung durch Corona nichts geändert, sagt Bernhard Bühler. Laut Bürgermeister servieren folgende sechs Gastronomen Speisen und Getränke im Außenbereich: Il Castello, Bäckerei Übele, Restaurant Einhorn und Ali’s Grillhaus sowie das Vereinsheim der SG Oppenweiler im Rohrbachtal und die Krone in Aichelbach. Es sei keine Erweiterung des Außenbereichs beantragt worden. Bei den gelegentlich durchgeführten Kontrollen habe man bislang keine Verstöße gegen die geltenden Regeln feststellen können.

„Aktuell hat die Gemeinde Weissach im Tal sieben Gastronomen angemeldet. Ende 2019 waren es auch sieben Gastronomen“, sagt Haupt- und Ordnungsamtsleiter Maximilian Sczuka. Von diesen genannten Gastronomen hatten schon vor der Coronapandemie drei Gastronomen eine Außenbewirtschaftung. „Neu hinzugekommen ist eine Außenbewirtschaftung aufgrund von Corona befristet bis zum 31. Oktober 2020,“ so Sczuka. Und weiter: „Verstöße gegen die Coronaverordnung konnten bisher keine vermerkt werden. Auch liegen keine Privatanzeigen hierzu vor.“

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Erstellt:
10. September 2020, 06:00 Uhr

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