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Bandprobe der „Cool Chickpeas“ findet online statt

Die integrative Band hat ihre Probe wegen der momentanen Kontaktverbote ins Internet verlegt – 20 Bandmitglieder haben an der Videokonferenz teilgenommen

Die Mitglieder der Band „The Cool Chickpeas“ haben sich zu ihrer Bandprobe getroffen. Aber nicht wie sonst im Treffpunkt 44, sondern im Internet. Das Musizieren über den Bildschirm bringt zwar einige technische Probleme mit sich, die Bandmitglieder sind aber trotzdem mit Begeisterung dabei.

Birgit Kneiser, die pädagogische Begleitung der Band und Thomas Wildermuth, der sich um die Technik kümmert. Foto: privat

Birgit Kneiser, die pädagogische Begleitung der Band und Thomas Wildermuth, der sich um die Technik kümmert. Foto: privat

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Videokonferenzen sind in Zeiten der Coronapandemie ein tägliches Werkzeug geworden. Ob die Konferenz mit den Kollegen oder das abendliche Pläuschchen mit den Freunden und Verwandten. Die integrative Band „The Cool Chickpeas“ geht aber noch einen Schritt weiter: Sie hält jetzt auch ihre Bandproben mit den rund 20 Mitgliedern online ab. Wegen des Kontaktverbots zur Eindämmung des Coronavirus, können sich die Mitglieder nicht mehr persönlich treffen. Doch die Bandproben einfach ausfallen zu lassen, kam für Birgit Kneiser nicht in Frage: „Alle vermissen es, zusammen Musik zu machen.“ Die Band besteht zum Teil aus Menschen mit Behinderung, einige müssen also aufgrund von Vorerkrankungen für längere Zeit in Quarantäne bleiben. Nun ergibt sich hier eine neue Möglichkeit für die Musiker mit Handicap am sozialen Leben teilzunehmen.

Der Treff 44, das Backnanger Jugendhaus, in dem normalerweise die Probe stattfindet, bleibt aber wegen Corona bis auf Weiteres geschlossen. Thomas Wildermuth, Koordinator der Band, hat deshalb kurzerhand eine Webkonferenz einberufen. Sein eigenes Büro hat er spontan in ein Studio verwandelt. Im Hintergrund hat er extra das Poster der Band angebracht „zur gemeinsamen Identifikation“. Um kurz vor 19 Uhr haben sich dann fast alle Mitglieder der Band eingewählt, 20 Leute nehmen an der digitalen Bandprobe teil.

Zunächst gab es noch viele technische Probleme

Die Online-Probe läuft dann aber doch etwas anders ab als gewöhnlich. Bei einer normalen Bandprobe würden die Mitglieder zunächst gemeinsam alle Instrumente aufbauen und anschließend etwa eineinhalb Stunden einfach nur zusammen musizieren. Statt Instrumente aufzubauen, setzten sich die Bandmitglieder nun vor ihren Computer und loggen sich auf der Internetplattform ein.

Bereits zum zweiten Mal findet die Probe nun online statt, das Programm sieht nun etwas anders aus. „Beim letzten Mal haben wir versucht, die Teile eines Musikstücks wie Vers, Chorus und Bridge zu erklären“, sagt Kneiser. „Für viele war das online aber zu unverständlich und zu schwer. Deshalb haben wir uns für die zweite Probe einen anderen Ablauf überlegt.“ So startet die Probe zur Abwechslung nicht mit Musikmachen, sondern mit einem Rätsel, das als Power-Point-Präsentation für alle sichtbar auf den Bildschirmen erscheint. In dem Quiz dreht sich natürlich alles um die Musik und Instrumente, aber auch um die „Cool Chickpeas“.

Nach dem Quiz geht es dann ans Musizieren. Doch diesmal können nicht alle zusammen spielen. „Bei der letzten Probe haben wir gemerkt, dass es nicht so einfach ist, mit allen gleichzeitig zu spielen“, sagt Wildermuth, der sich um die Technik kümmert. Er hilft den Mitgliedern auch dabei, sich einzuloggen, die Kamera richtig einzustellen und das Mikrofon einzuschalten. „Für viele unserer Bandmitglieder ist das ein ganz neues Medium, sie hatten noch nicht so viel Kontakt damit“, weiß Kneiser. Es sei immer wieder zu Verzögerungen und Aussetzern gekommen, die Tonqualität sei bei vielen schlecht gewesen. „Aber wir haben aus der ersten Probe bereits gelernt“, sagt Wildermuth. Fast alle Teilnehmer haben sich ein Headset besorgt „dadurch hallt es weniger“.

Als nächstes begibt sich die Band auf eine musikalische Reise. Dafür hat Birgit Kneiser eine Geschichte vorbereitet, in der die Band gemeinsam nach Hamburg reist. An bestimmten Stellen haben die Bandmitglieder nacheinander ihren Einsatz, um die Geschichte lebendig werden zu lassen. Der Regen, der auf das imaginäre Flugzeug prasselt, wurde zum Beispiel mit einer Rassel simuliert, das Abheben des Flugzeugs mit einer aufsteigenden Tonleiter. Zum Abschluss der Geschichte singen alle zusammen ein Lied.

Auch die nächste Bandprobe wird wohl online stattfinden

Mit dabei sind auch zwei ehemalige Sängerinnen der Band, die sich zugeschaltet haben, um ein Lied zu singen und von ihrem Alltag zu erzählen. „Die Bandmitglieder sind auch sehr gut miteinander befreundet. Auf diese Weise sehen sie sich jetzt zumindest hin und wieder“, sagt Kneiser. „Auch wenn sie sich jetzt zur Begrüßung oder zum Abschied nicht mehr umarmen können.“

Kneiser hofft, dass sich die Band bald wieder persönlich treffen kann, doch zumindest die nächste Bandprobe ist wieder online geplant. „Wir lernen jedes Mal etwas dazu. Vielleicht können wir beim nächsten Mal alle Teilnehmer sehen und hören.“ Denn noch immer gab es kleinere Schwierigkeiten: fehlender Ton, zeitverzögerte Übertragung und nicht funktionierende Kameras. Doch trotz der technischen Probleme und der räumlichen Distanz haben nach einer Stunde Bandprobe alle ein Lächeln im Gesicht. Und verabschiedet wird sich zumindest vorerst mit einem Winken in die Kamera.

20 Teilnehmer haben sich zur digitalen Bandprobe eingefunden. Screenshot: K. Doberer

20 Teilnehmer haben sich zur digitalen Bandprobe eingefunden. Screenshot: K. Doberer

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Erstellt:
2. April 2020, 06:00 Uhr

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