„Bei uns spitzt sich die Lage weiter zu“

Im Rems-Murr-Kreis sind gestern sechs Todesfälle in Zusammenhang mit Corona erfasst worden. Der Landrat bezieht Stellung.

„Bei uns spitzt sich die Lage weiter zu“

Von Lorena Greppo

WAIBLINGEN. Zwar wurde die Kreisverwaltung von der vergleichsweise spontan verkündeten neuen Coronaverordnung des Landes überrascht, Landrat Richard Sigel zeigte sich gestern jedoch erfreut angesichts der einheitlichen Regelung. Eine Allgemeinverfügung werde damit hinfällig, auch wenn Sigel hervorhob, dass manche von der Kreisverwaltung angedachten Punkte vom Land nicht aufgenommen wurden. Er nannte dabei unter anderem die Schließung der Friseur- und Kosmetikgeschäfte oder die schärferen Besuchsregeln für Kliniken und Pflegeeinrichtungen. „Bei uns spitzt sich die Lage weiter zu“, machte er klar. Die Inzidenz war den dritten Tag in Folge über der Schwelle von 200. Zwar gebe es keine besonderen Hotspots im Rems-Murr-Kreis, doch „wir haben über den ganzen Landkreis verteilt ein sehr hohes Infektionsgeschehen“. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen: Am Freitag allein wurden sechs neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Coronainfektion verzeichnet. Somit ist die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie auf 144 gestiegen. In den Rems-Murr-Kliniken werden aktuell 91 Coronapatienten behandelt, 15 von ihnen werden beatmet. Am Freitag wurden außerdem 141 Neuinfektionen registriert (Gesamt: 8177), die Zahl der infizierten Menschen in Quarantäne ist auf 1117 gestiegen, das sind 19 mehr als noch am Vortag.

Angesichts dieser Entwicklung sagte Sigel: „Wir sind inzwischen froh, dass wir uns schon im Sommer auf den Weg gemacht haben, eine sogenannte Infektionsstation auf den Weg zu bringen.“ Die Module würden zur Zeit aufgestellt. „Dort werden 72 neue Krankenhausbetten entstehen.“ Der Landkreis sei auch im Bereich der Kontaktpersonennachverfolgung bei einer Coronainfektion aktiv und gut vorbereitet. „Dort, wo es in den Kommunen eng wird, kommt Personal vom Landratsamt raus.“ Derzeit sei das in fünf Kommunen der Fall.

Der Landrat verwies auch auf die regelmäßigen Treffen des Krisenstabs, bei dem neben Vertretern des Landratsamts auch Polizei, Schulamt, Amtsgerichte, Kommunen und die Kreisärzteschaft vertreten sind. Dort werde miteinander abgewägt, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind und wie deren Umsetzbarkeit sichergestellt werden kann. Beispielsweise habe es in der vergangenen Woche gemeinsam mit den Kommunen Quarantänekontrollen gegeben. Auch habe die Polizei am Mittwoch und Donnerstag sogenannte Schwerpunktkontrollen vorgenommen, sagte Polizeivizepräsident Wolfgang Reubold. Besonders Maskenpflicht und Regeln für Zusammenkünfte standen dort im Fokus.

Mit Heimen und Pflegeeinrichtungen sei die Kreisverwaltung im ständigen Austausch, um auch Engpässe und Bedarfe zu erheben, so Sigel. Gestern habe man losgelöst von einer Allgemeinverfügung alle Einrichtungen aufgefordert, die schärferen Maßnahmen umzusetzen und dafür zu sorgen, „dass die vulnerablen Gruppen gut geschützt sind“, sagte der Landrat. Es gebe aber nur wenige Heime, die nicht gut allein zurechtkämen, fügte der Landrat mit Stolz an. Wie auch bisher gelte bei den neuen Coronabeschränkungen aber: „Alles hilft nichts, wenn die Bevölkerung nicht mithilft.“

Schnellere Rückkehr an Schulen

Seit dem 1. Dezember können sich Schüler nach fünf Tagen aus der Quarantäne freitesten lassen, wenn sie als enge Kontaktpersonen eines Mitschülers in Isolation sind. Erhalten sie ein negatives Ergebnis, können sie ihre Quarantäne abkürzen.

Das Schnelltestzentrum des Rems-Murr-Kreises hat in der Folge weiterhin eine sehr hohe Nachfrage zu verzeichnen. Da die Regel nur für Klassen galt, die ab dem 1. Dezember in Quarantäne gehen mussten, konnten sich die ersten Klassen erst am Samstag, 5. Dezember, freitesten lassen. Seither wurden bereits 24 Klassen für eine frühere Entlassung aus der Quarantäne getestet und konnten nach einer verkürzten Quarantäne wieder zurück an die Schule. Landrat Richard Sigel erklärt: „Nur weil wir damals umsichtig gehandelt und das Testzentrum eingerichtet haben, besitzen wir jetzt hier vor Ort die Basis, um das Ziel der Landespolitik umzusetzen und getestete Schüler möglichst schnell zurück an die Schulen zu schicken.“ Eine analoge Regelung für Kita-Gruppen gibt es nicht.

Zudem wird seit Dienstag die Anmeldung für die Schnelltests über das Cosan-Portal organisiert – unabhängig davon, ob die Quarantäne früher beendet werden soll oder ob eine vorsorgliche Reihentestung stattfindet. Betroffene können ihren Termin zur Schnelltestung selbst online buchen und verwalten. Am Mittwoch kamen erstmals nur Personen ins Testzentrum, die ihren Termin über Cosan vereinbart hatten. Mittlerweile haben 43 Einrichtungen im Rems-Murr-Kreis einen Zugang zum Portal, rund 290 Personen haben sich darüber bereits zum Test angemeldet. Die Testergebnisse können praktisch in Echtzeit auf dem Cosan-Portal abgerufen werden.

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Erstellt:
12. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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