Besuch nur mit Maske und Anmeldung

Derzeit können Bewohner von Seniorenheimen unter besonderen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen Besuch bekommen. Angesichts steigender Coronazahlen beschäftigen sich die Träger der Einrichtungen vorsorglich mit dem Vorgehen im Ernstfall.

Wie alle Besucher müssen auch die Angehörigen der beiden Staigacker-Bewohnerinnen Inge Baum und Christiane Hezel (von links) am Eingang klingeln, damit das Personal sie bis ins Zimmer der Bewohnerin bringt. Diese Regelung ist zwar mit Mehraufwand für die Mitarbeiter verbunden, ermöglicht der Einrichtungsleitung aber eine gute Übersicht, wer zu Besuch kommt. Foto: Staigacker

Wie alle Besucher müssen auch die Angehörigen der beiden Staigacker-Bewohnerinnen Inge Baum und Christiane Hezel (von links) am Eingang klingeln, damit das Personal sie bis ins Zimmer der Bewohnerin bringt. Diese Regelung ist zwar mit Mehraufwand für die Mitarbeiter verbunden, ermöglicht der Einrichtungsleitung aber eine gute Übersicht, wer zu Besuch kommt. Foto: Staigacker

Von Nicola Scharpf

BACKNANG. Es war eine schwere Zeit für Bewohner von Seniorenzentren oder Pflegeheimen und ihre Angehörigen, als mit dem Ausbruch der Coronapandemie im Frühjahr ein allgemeines Besuchsverbot verhängt wurde. Diese Maßnahme wurde zwischenzeitlich gelockert und die Träger der Altenheime ermöglichen den Bewohnern Besuche von nahestehenden Personen – unter Einhaltung bestimmter Schutzregeln. Die Umsetzung der Vorsichtsmaßnahmen in den Häusern ähnelt sich in weiten Teilen stark, gilt es doch die seit Juli gültige Landesverordnung einzuhalten. Auch die Sorge, dass die Besuchsregelungen angesichts steigender Coronafallzahlen verschärft werden müssen, treibt einrichtungsübergreifend Bewohner und Verantwortliche um. Dennoch haben die Träger auch Vorkehrungen getroffen, die von Einrichtung zu Einrichtung verschieden sind.

Sei es Haus Elim mit Standorten unter anderem in Burgstetten und Auenwald, sei es das Alexander-Stift, das unter anderem in Aspach, Allmersbach im Tal, Weissach im Tal und Kirchberg an der Murr vertreten ist, sei es das Murrhardter Schumm-Stift oder das Backnanger Staigacker mit seinen fünf Häusern, sie alle machen ihren Bewohnern und deren Angehörigen Besuche möglich. Die Einschränkungen und Regelungen, die sich an den Vorgaben der Landesregierung, der Gesundheitsämter und den Empfehlungen des Robert-KochInstituts orientieren, kommunizieren die Häuser auf ihren Homepages und/oder via Aushang: Jeder Bewohner darf pro Tag Besuch von maximal zwei Personen bekommen, die keine Symptome eines Atemweginfekts, erhöhte Temperatur oder Kontakt zu einem Infizierten hatten. Für die Besucher gilt eine Mund-Nase-Schutzpflicht ab dem Betreten des Hauses bis zum Ende des Besuchs, Händedesinfektion beim Betreten und Verlassen des Hauses, die Abstandsregelung von anderthalb Metern, eine Registrierung zur Kontaktnachverfolgung. Besuche sind in den Bewohnerzimmern, im Garten und in ausgewiesenen Bereichen möglich.

Häuser vorsorglich für Besucher zu schließen, ist keine Option.

In den zurückliegenden Wochen ist hinsichtlich der Besucherregelung im Haus Elim Routine entstanden, sagt Yvette Umbach vom Vorstandsteam. Die Umsetzung klappe gut und die Bewohner würden die Regelung als gut empfinden. Allerdings hätten die Bewohner die Sorge, dass es wieder so weit kommen könnte, dass Besuche nicht mehr erlaubt seien. „Sie denken selbstverantwortlich darüber nach, was sie tun können, um das zu verhindern.“ In Haus Elim hat man einen Coronaatab gebildet, der regelmäßig tagt, die Regelungen der Situation anpasst und auch eine Teststrategie entwickelt. „Wenn es in einem Haus einen positiven Fall gibt, kann es schon sein, dass wieder geschlossen werden muss“, befürchtet Umbach. Die Häuser angesichts des wieder aufflammenden Infektionsgeschehens vorsorglich für Besucher zu schließen, ist aber keine Option. „Das wollen wir nicht wegen der zu großen Einschränkung der Lebensqualität.“

Auch beim Alexander-Stift sind die Verantwortlichen froh, dass Besuche derzeit möglich sind. „Sollte es wieder zu einzelnen Verdachtsfällen oder positiv bestätigten Fällen kommen, müssen wir dann im jeweiligen Haus natürlich reagieren und vorsichtshalber dort auch wieder die Besuchsregelungen anpassen“, informiert Steffen Wilhelm, Pressesprecher der Diakonie Stetten, die das Alexander-Stift betreibt.

Auch befasst man sich vorsorglich damit, wie bei einem zunehmenden Infektionsgeschehen vorgegangen werden soll, und nutzt dafür die Erfahrungen aus der Hochphase der Pandemie. „Es gibt zum Beispiel Szenarien, wie wir bei quarantänebedingten Personalengpässen in einzelnen Häusern vorgehen würden.“ Gespannt ist man, wie die auf Bundes- und Landesebene angekündigte neue Teststrategie in den Pflegeeinrichtungen konkret umgesetzt werden soll. Schnelltests für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher könnten eine Hilfe sein, aber es gebe noch einige offene Fragen – zum Beispiel im Hinblick auf die zur Verfügung stehenden Kapazitäten und den Schulungsbedarf der Mitarbeiter.

Vor geschlossenen Türen steht, wer einen Angehörigen in einer der Staigacker-Einrichtungen besuchen möchte. Die Häuser der Stiftung Altenheime Backnang und Wildberg öffnen ihre Türen nur für Besucher, die sich vorher telefonisch angemeldet haben und am Eingang klingeln. Dort nimmt ein Mitarbeiter sie in Empfang und bringt sie bis ins Zimmer des jeweiligen Besuchers. „Das ist schon den ganzen Sommer über so geregelt“, sagt Sabine Laible von der Geschäftsführung. „Es ist ein deutlicher Mehraufwand für unsere Mitarbeiter. Aus Sicht der Einrichtungsleitung ist es aber eine gute Regelung, weil wir die Übersicht haben.“

Regelung wird vorerst so beibehalten.

Auch seitens der Besucher seien ihr keine Beschwerden zu Ohren gekommen, weshalb die Regelung vorerst so beibehalten werde. Auch der Fall, dass ein Bewohner das Coronavirus bekommt, sei klar geregelt: Für ihn gelte dann Zimmerquarantäne und der gesamte Wohnbereich, dem der Coronapositive angehört, werde unter Quarantäne gestellt. Dass für komplette Häuser auf Anordnung des Gesundheitsamts ein Besuchsverbot verhängt wird, sei nicht auszuschließen, so Laible. Gefühlte 100 Diskussionen hat Alexandra Zieffle schon zum Thema Besucherregelung geführt. Auf der einen Seite stünden die Ängste der Mitarbeiter, weil Besucher in die Häuser reingelassen würden, so die Heimleiterin des Murrhardter Schumm-Stifts. Auf der anderen Seite wolle man Besuche zulassen, weil man um die negativen Auswirkungen einer kompletten Schließung auf die Bewohner wisse. „Man will es jedem recht machen und sitzt zwischen den Stühlen.“

Seit Besuche wieder möglich sind, müssen im Schumm-Stift in der Walterichstadt Besucher FFP2-Masken tragen, die entweder selbst mitgebracht werden können oder auch vor Ort gestellt werden. „Die Mitarbeiter fühlen sich sicherer im Kontakt mit den Besuchern, wenn diese FFP2-Masken tragen. Außerdem müssen die Bewohner geschützt werden.“ Die meisten Besucher und Bewohner hätten Verständnis für die Regelung. Schließlich wolle keiner der Schuldige sein, der das Virus in die Einrichtung bringe. Dass die Fallzahlen im Herbst wieder ansteigen würden, sei jedem bewusst gewesen.

Von daher: „Der Pandemie- und Notfallplan steht. Er ist situationsbedingt neu zu betrachten“, so Alexandra Zieffle. „Jetzt hoffen wir, dass wir glimpflich davonkommen.“

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Erstellt:
12. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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