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Das Backnanger DRK plagen finanzielle Sorgen

Das Interview: Die meisten Einnahmen brechen weg, die Fixkosten bleiben – Kleiderkammer macht wieder auf, Hausbesuche sind gestattet

Verwaiste Kleiderkammer des DRK in Backnang öffnet wieder. Foto: DRK Backnang

Verwaiste Kleiderkammer des DRK in Backnang öffnet wieder. Foto: DRK Backnang

Von Florian Muhl

BACKNANG. Schon Monate dauert die Coronapandemie an, seit acht Wochen gibt es Reglementierungen für alle Menschen, die erst jetzt langsam gelockert werden. Wie geht es da dem Deutschen Roten Kreuz? Wir haben beim Vorsitzenden des Ortsvereins Backnang, Klaus-Dieter Fackler, nachgefragt.

Herr Fackler, wie geht es den Backnanger Rot-Kreuz-Helfern?

Nach wie vor leidet unser Ortsverein sehr unter den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise. Deshalb sind wir auf die Unterstützung unserer Backnanger Bürger angewiesen.

Welche Einrichtungen beziehungsweise Abteilungen müssen noch ruhen und dürfen noch keine Aktivitäten zeigen?

Unsere sozialen Kursangebote können immer noch nicht stattfinden. Ebenso nicht die Ausbildungskurse in Erster Hilfe. Die Bereitschaft steht fast still, da zurzeit keine Veranstaltungen durchgeführt werden. Unsere Sanitäter pflegen und warten in Zweierteams unsere Ausstattung und die Fahrzeuge. Dienstabende dürfen keine stattfinden. Bei diesen Treffen tauschen sich die Helfer üblicherweise aus, üben Sanitätsdienste an verschiedenen Szenarien und bilden sich fort. Unsere Sanitäter halten sich dafür bereit, bei Personalmangel im Gesundheitswesen auf Anforderung der zuständigen Stellen beim Transport, der Patientenaufnahme, der Patientenversorgung und so weiter mitzuhelfen.

Haben Sie Hoffnung, dass es bald wieder losgeht?

Ja, es gibt ein wenig Licht am Horizont. Die Lockerungen der Bestimmungen ermöglichten es uns, in dieser Woche unseren Kleiderladen unter Einhaltung von strengen Auflagen wieder zu öffnen. Hierzu gehören Maßnahmen zum Schutze der ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie Maßnahmen zum Schutze der Kunden. Eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern erreichen wir bei Weitem nicht.

Was gehört zu den Schutzmaßnahmen?

Unser Personal klären wir intensiv über die Gesundheitsrisiken auf und führen für die einzelnen Mitarbeiter eine Gefährdungsbeurteilung durch, welche das Lebensalter, etwaige Vorerkrankungen sowie die häusliche Lebenssituation berücksichtigt. Mitarbeiter, die sich krank fühlen, insbesondere bei grippeähnlichen Symptomen oder Geschmacksverlust, werden nicht eingesetzt. Auf persönliche Hygienemaßnahmen wird geachtet. Hierzu gehört unter anderem das Tragen von Masken zum Abdecken von Mund und Nase.

Und was müssen die Kunden beachten?

Zum Schutz der Mitarbeiter und der Kundschaft haben wir im Kassenbereich eine Trennvorrichtung aus Plexiglas angebracht. Bodenmarkierungen weisen den Kunden den richtigen Abstand an der Kasse und der Umkleidekabine. Die Anzahl an Kunden in der Kleiderhalle begrenzen wir auf vier Personen. Händedesinfektionsmittel steht im Eingangsbereich bereit. Die Touchflächen wie Türklinken desinfizieren wir mehrmals täglich. Gekaufte Ware müssen wir leider vom Umtausch ausschließen. Von Spendern abgegebene Kleidung bewahren wir mindestens eine Woche lang auf, bevor die Ware für den Verkauf bearbeitet wird. Selbstverständlich sollten unsere Kunden gekaufte Kleidungsstücke vor dem ersten Trage waschen.

Gibt es außer der wieder geöffneten Kleiderkammer noch weitere Lichtblicke?

Ja, ab dieser Woche sind auch die aktivierenden Hausbesuche wieder gestattet. Dabei ist wie überall ein Mindestabstand von 1,5, besser zwei Metern einzuhalten. Eine gute Händehygiene ist dabei selbstverständlich. Auf Körperkontakt wird verzichtet. Zudem ist das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes durch beide Parteien unbedingt erforderlich.

Gibt es weitere Regeln bei den aktivierenden Hausbesuchen?

Ja, sie werden auf freiwilliger Basis durchgeführt. Grundvoraussetzung ist, dass sich die ehrenamtlich Tätigen sowie die Kunden bei den Hausbesuchen nicht unwohl fühlen, weil sie sich um eine Ansteckung mit dem Coronavirus sorgen.

Wie sieht die finanzielle Situation des Ortsvereins aus?

Durch die Absage aller Kurse und Dienste und das Schließen der Kleiderhalle und dem Ausfall des Tulpenfrühlings fallen tragende Säulen unserer Einnahmen weg. Als gemeinnütziger Verein basiert unsere Kostenkalkulation auf der Deckung der Unkosten. Somit erzielen wir in der Jahresbilanz keine Gewinne. Unser Ziel, am Jahresende eine schwarze Null zu erreichen, rückt nun in weite Ferne. Staatliche Hilfen für unsere Einnahmeausfälle sind nicht in Sicht. Deshalb werden wir nun alle nicht zwingend notwendigen Ausgaben vermeiden. Unsere laufenden Fixkosten müssen wir jedoch decken. Um finanziell über die Runden zu kommen, hoffen wir auf die Unterstützung und Spendenbereitschaft der Backnanger Bürgerinnen und Bürger.

Klaus-Dieter Fackler. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Klaus-Dieter Fackler. Foto: A. Becher

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Erstellt:
15. Mai 2020, 06:00 Uhr

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