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Der langsame Weg zum Normalbetrieb

Nach wochenlanger Zwangspause durften Speisegaststätten gestern mit strengen Regeln wieder öffnen. Eine Erleichterung für Gäste und Gastwirte. Doch die Anzahl der Besucher hält sich noch sehr in Grenzen.

Das Restaurant Merlin konnte gestern wieder für Gäste öffnen. Inhaber Christos (Taki) Kiroglou hat schon Pläne für die Zukunft. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Das Restaurant Merlin konnte gestern wieder für Gäste öffnen. Inhaber Christos (Taki) Kiroglou hat schon Pläne für die Zukunft. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. „Wir freuen uns einfach, dass man endlich wieder in einem Café draußen sitzen kann. Das ist einfach etwas anderes, wenn man so nett bedient wird“, sagt Rolf Jakob und lächelt Wolfgang Ziegler an, der ihm gerade sein Getränk bringt. Regelmäßig kommt Jakob im Sommer in das Café Tante Emma, das seit gestern wieder Gäste empfangen darf. Auch Restaurants dürfen nach der wochenlangen Schließung wieder eröffnen. Bars und Kneipen bleiben allerdings vorerst geschlossen. Denn: In Speisewirtschaften sitzen die Menschen die meiste Zeit auf ihren Plätzen. Dadurch kommt es zu eher wenigen Kontakten mit fremden Menschen. Doch die Gastronomen müssen sich trotzdem an einige Regeln halten: Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen, Mundschutz beim Personal und regelmäßiges Lüften im Innenbereich sind nur einige der Vorschriften .

Das Lüften kann sich das Café Tante Emma zunächst sparen, denn dort beschränkt man sich ausschließlich auf das Terrassengeschäft. „Gäste dürfen nur nach drinnen, um auf die Toilette zu gehen – und dann immer nur Einer zur selben Zeit“, sagt Inhaber Wolfgang Ziegler. „Im Emmas ist es für die Abstandsregeln einfach viel zu eng.“ Solange das Wetter gut ist, sei das kein Problem. Schon am Montag sei das Geschäft relativ gut. Seit vergangener Woche habe das Café sich am Abholservice versucht, das sei aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen. Weil auf der Terrasse nur eine begrenzte Zahl an Gästen Platz findet, werden die Gäste darauf hingewiesen, vor einem Besuch zu reservieren. Vor allem mit Blick auf das Wochenende will der Inhaber so ein Schlangestehen vor dem abgetrennten Terrassenbereich vermeiden. Besonders deshalb, weil die Gäste noch nicht daran gewöhnt sind, auf eine Platzzuweisung zu warten.

„Das war bisher das einzige Problem: Dass die Gäste einfach in den Bereich laufen und sich setzen wollen. Wir müssen sie dann auffordern zu warten.“ Nun will Ziegler abwarten, wie die ersten Wochen mit Terrassenbetrieb laufen, und dann entscheiden, wie es im Emmas weitergehen soll. Wegen des Abstands zwischen den Tischen kann er im Moment nur 36 Personen unterbringen. Eine Erweiterung des Terrassenbereichs wäre aber möglich. „Es kann sich ja immer etwas ändern. Wir versuchen jetzt einfach, langsam zum Normalbetrieb zu kommen.“ Insgesamt sehe er die Lage am ersten Tag aber vorsichtig positiv.

„Viele Gäste sind unsicher, was erlaubt ist und was nicht.“

Für Christos Kiroglou, viel mehr bekannt als Taki, vom Restaurant Merlin bewährt sich jetzt die Größe seines Lokals. Obwohl zwischen allen Tischen der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird, kann er immer noch etwa 90 Gäste unterbringen. Doch zumindest am ersten Tag der Wiedereröffnung des Restaurants wurden diese Plätze noch lange nicht gebraucht. „Vor Corona haben wir etwa 80 Mittagessen verkauft, heute aber vielleicht fünf Prozent davon“, sagt der Inhaber. Und noch dazu hat er wegen der neuen Regelungen einen Mehraufwand. Ein Mitarbeiter müsse immer am Eingang stehen und den Leuten ihren Tisch zuweisen, denn die Gäste dürfen sich ihren Platz nicht mehr selbst aussuchen. Auch muss darauf geachtet werden, dass alle Gäste ihre Kontaktdaten angeben. Der Name, die Zeit des Restaurantbesuchs und die Telefonnummer des Gasts muss das Restaurant vier Wochen aufbewahren, um sie der Gesundheitsbehörde im Fall einer Infizierung weiterzugeben. Bisher sei das für die Gäste im Merlin kein Problem gewesen.

„Heute waren vor allem Stammgäste da, aber ihr Verhalten hat sich geändert“, sagt Taki. „Viele Gäste sind unsicher, was erlaubt ist und was nicht. Zum Beispiel müssen Gäste keinen Mundschutz tragen. Das wissen viele nicht und sind allein von dem Gedanken abgeschreckt.“

Ein Problem sei für das Merlin, dass alle geplanten Veranstaltungen und Partys nicht stattfinden können. Um das auszugleichen, hat sich das Lokal aber schon Gedanken gemacht. „Wir wollen bestimmte Mottoveranstaltungen machen, zum Beispiel ein Weißwurstfrühstück oder einen spanischen Abend. Nur dass die Leute eben auf ihrem Platz bleiben müssen“, meint der Inhaber. Dass Gäste nun an dem ihnen zugewiesenen Platz bleiben müssen, ist eine der vielen Auflagen, die in den Restaurants und Cafes nun gelten.

Was den Stammkunden auffallen dürfte: Im Merlin gibt es auf den Tischen keine Speisekarten mehr. Stattdessen sind jetzt alle Gerichte online abrufbar, die Gäste können sich die Speisekarte auf ihr Smartphone holen und vermeiden so, dass die Speisekarten von vielen verschiedenen Leuten angefasst wird.

Das plant auch das Eiscafe Portofino demnächst. Hier sollen die Kunden bald per QR-Code auf die Karte zugreifen können. „Jeden Tag kann sich etwas ändern“, sagt Navarone Fotoglidis. „Dafür müssen wir eben Lösungen suchen.“

Eine Lösung für den Außenbereich in der Backnanger Innenstadt hat das Eiscafé schon gefunden. Der Sitzbereich vor der Tür wurde in Absprache mit Stadtmarketing Backnang und Ordnungsamt erweitert, um trotz des Abstands zwischen den Tischen Platz für viele Gäste zu bieten. Am ersten Tag zahlt sich das bereits aus, die Tische sind gut besetzt. „Heute ist auf jeden Fall mehr los als die vergangenen Tage. Die Leute wollen einfach raus“, sagt er. Nicht alle seien allerdings mit der Aufnahme ihrer Daten einverstanden gewesen. Wenige Einzelpersonen wollten keine Angaben machen und sind stattdessen wieder gegangen. Die meisten Gäste halten sich dagegen vorbildlich an die neuen Regeln, so Fotoglidis. Er blickt nach dem ersten Tag positiv auf die Wiedereröffnung.

Neueröffnung des Löwen erfolgt unter besonderen Umständen.

Eine andere Einschätzung hat da Ioannis Pathekas vom Restaurant Thalassa. „Heute Mittag waren kaum Gäste da, ich glaube kaum, dass sich das bald bessern wird“, sagt Pathekas. „Ich denke, es dauert noch, bis sich die Leute wieder richtig trauen. Es wird lange nicht so sein wie gehabt.“ Das griechische Restaurant habe in den vergangenen Wochen einen viel gefragten Abhol- und Lieferservice eingerichtet. Der Inhaber befürchtet nun, dass diese Art der Bestellungen nachlassen, aber nicht unbedingt mehr Gäste in das Restaurant kommen werden. „Ein Problem bei uns ist auch einfach, dass wir keinen Biergarten haben und nicht draußen sitzen können.“

Eine besondere Wiedereröffnung steht dem Gasthaus Löwe bevor. Hier hatte im Dezember der Pächter gewechselt, die geplante Feier zur Neueröffnung fiel aber mitten in die Zeit des Corona-Lockdowns. „Die offizielle Neueröffnung wollen wir zunächst verschieben. Wir mussten viele Tische im Keller zwischenlagern. Und das Lokal sieht einfach nicht so aus, wie wir es für die Neueröffnung eigentlich zeigen wollten“, sagt Inhaberin Simone Hilt. Ab Mittwoch eröffnet sie gemeinsam mit ihrem Ehemann das Gasthaus Löwen, bereits jetzt haben sie einige Reservierungen für die ersten Tage. Sie seien gespannt auf die Resonanz, aber schon jetzt melde sich viel Stammpublikum, um ihre Freude auszudrücken.

Außenbewirtschaftung

Die Stadtverwaltung Backnang erlässt Backnanger Gastronomen für das Jahr 2020 die Gebühren für die Außenbewirtschaftungsfläche.

Bereits bezahlte Gebühren werden zurückerstattet. Es muss hierfür kein Antrag gestellt werden.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, zusätzliche Flächen vor der jeweiligen Gastronomie kostenlos zu beantragen, wenn die räumlichen Voraussetzungen vorliegen.

Ein Antrag dafür kann direkt an rechts-ordnungsamt@backnang.de gerichtet werden.

Die Gastronomen werden gebeten, hierzu einen Lageplan einzureichen.

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Erstellt:
19. Mai 2020, 06:00 Uhr

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