Der negative Test als Eintrittskarte

Seit dieser Woche sind Corona-Schnelltests für Schüler und Lehrer vor dem Präsenzunterricht verpflichtend. Die Schulleiter begrüßen das Vorgehen. Vor dem Bildungszentrum Weissacher Tal haben Eltern am Montagmorgen dagegen demonstriert.

Eine Grundschülerin macht einen Corona-Schnelltest an der Murrtalschule in Oppenweiler. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Eine Grundschülerin macht einen Corona-Schnelltest an der Murrtalschule in Oppenweiler. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

MURRHARDT/WEISSACH IM TAL. Mit einem Corona-Schnelltest hat der gestrige Montagmorgen für die meisten Schüler und Lehrer im Rems-Murr-Kreis begonnen. Seit dieser Woche müssen sie sich zweimal wöchentlich auf das Virus testen lassen – unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz. Wer sich weigert, darf nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.

Am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium in Murrhardt hat das am Montagmorgen „wunderbar funktioniert“, berichtet der Schulleiter Henning Zimmermann. In der vergangenen Woche wurde an dem Gymnasium bereits auf freiwilliger Basis getestet. „Ab dieser Woche ist der Test tatsächlich die Eintrittskarte in die Schule“, sagt er.

Die Testungen werden in einem eigens eingerichteten Testraum im Lauf des Vormittags umgesetzt. Die Nasaltests, die den Schulen vom Land Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt werden, seien rechtzeitig in Murrhardt angekommen, sagt Zimmermann. Obwohl er weiß, dass sie keine hundertprozentige Sicherheit bieten können, steht er hinter den Schnelltests. „Wenn sie uns helfen, dass wir die Schule für den Präsenzunterricht öffnen können, halte ich das für eine gute Sache“, so der Schulleiter. Vor allem im Zusammenspiel mit weiteren Hygienemaßnahmen – mit ausreichend Abstand, der Maskenpflicht und regelmäßigem Lüften – sei der Präsenzunterricht so gut zu verantworten.

Nur wenige Eltern haben ihre Kinder am Montag wegen der neu eingeführten Testpflicht nicht in die Schule geschickt, sagt Zimmermann. „Das sind aber nur Einzelfälle“, betont er. „Ob das an der Sorge vor den hohen Infektionszahlen liegt oder am Unmut über die Tests, wissen wir natürlich nicht.“ Außerdem gehören auch unter den Schülern einige zu Risikogruppen, die die Schule aus Vorsicht momentan nicht besuchen.

„Die übergroße Mehrzahl der Tests wird negativ zurückkommen.“

Es seien manchmal Ängste da, dass jetzt plötzlich viele Kinder positiv oder falsch positiv getestet würden, sagt der Schulleiter. Er geht davon aus, dass das Infektionsgeschehen an den Schulen das in der Gesamtgesellschaft widerspiegeln wird: „Die übergroße Mehrzahl der Tests wird negativ zurückkommen.“ Auch deshalb sieht er das Vorgehen pragmatisch: „Die Klassentestungen schaffen ein Stück weit Sicherheit und es bleibt genug Zeit für den Unterricht.“

An den Backnanger Schulen habe es am Montag zirka 15 positive Tests gegeben, weiß Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des Staatlichen Schulamts Backnang. „Dass Kinder rausgefiltert sind, ist erst einmal etwas Gutes“, sagt sie, „damit haben wir gerechnet.“ Die Verpflichtung zu testen, gebe sowohl Schülern, als auch Eltern und Lehrern mehr Sicherheit. Die allergrößte Mehrheit sei auch damit einverstanden, sagt sie. Bei den Eltern, die es nicht sind, gebe es zwei Gruppen: Die, die ihre Kind nur noch am Fernunterricht teilnehmen lassen, und die, die Stimmung gegen die Maßnahmen machen. Letztere bereiten Hagenmüller-Gehring Sorge: „Mir tun die anderen Kinder, Eltern und Lehrer leid“, sagt sie. „An den Schulen herrscht sowieso schon eine große Unsicherheit und die Schulleiter müssen sich gerade viel anhören, was nicht angemessen ist.“

Und auch die Neuregelung passt nicht allen Eltern. Auf dem Parkplatz vor dem Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize) haben sich am Montagmorgen einige versammelt, um gegen die neu eingeführte Testpflicht, aber auch gegen Masken und Impfungen zu demonstrieren: mit weißer Kleidung und weißen Regenschirmen, unter Polizeipräsenz. Von „absolutem Chaos“ spricht Anita Menzel, deren Tochter die 6. Klasse der Realschule des Bize besucht. „Die Demonstranten haben den kompletten Parkplatz gesperrt“, berichtet die 48-Jährige aus Auenwald. Sie hat kein Problem mit den Tests – obwohl sie es besser fände, wenn diese freiwillig wären –, hätte sich aber gewünscht, über die Demonstration vorab von der Schulleitung per E-Mail informiert zu werden, „auch, um die Schüler vorzuwarnen.“

Die Schule sei mit einem Hinweis auf der Homepage ihrer Informationspflicht nachgekommen, hält Simone Klitzing dagegen, die das Gymnasium des Bize leitet. Sie betont aber, die Schulleitung stehe nicht hinter der Demonstration: „Wir möchten uns ausdrücklich davon distanzieren.“

Abgesehen davon sei die Testpflicht am Montag gut angelaufen, sagt die Schulleiterin. Der Großteil der Schüler sei in die Schule gekommen. Kein Test sei positiv gewesen, der Unterricht habe wie geplant stattfinden können. Bei einem positiven Test hätte die Schule die Eltern informiert und eine Bescheinigung für einen PCR-Test ausgestellt.

Für den Fall der Fälle versuchen sowohl Klitzing in Weissach im Tal als auch Henning Zimmermann in Murrhardt die Kinder sanft vorzubereiten und Stigmatisierungen zu vermeiden. Denn verheimlichen lässt sich ein positiver Test in den Klassen kaum. „Wir sagen den Schülern: ein positiver Schnelltest kann auch falsch positiv sein, er muss erst mal nichts bedeuten“, sagt Klitzing. Die Testleitungen seien so eingeteilt, dass die Schüler sie kennen, zudem sind die Fachlehrer dabei. Schulsozialarbeiter können bei Bedarf hinzu kommen.

Im Bize wird mit vom Schulträger bereitgestellten Nasaltests getestet. Die Tests, die das Land vergangene Woche liefern sollte, sind noch nicht angekommen. Auch in anderen Kommunen stehen die Lieferungen noch aus, zum Beispiel in Oppenweiler. Dort hat die Gemeinde für die Zwischenzeit sogenannte Lolli-Schnelltests beschafft und an Schulen und Kindertagesstätten verteilt. In den Kitas und Kindergärten sind Tests noch nicht verpflichtend, Eltern können aber auf freiwilliger Basis ihre Kinder daheim testen, bevor sie sie in die Kita bringen, sagt Hauptamtsleiter Pascal Schwinger. „Die Lolli-Tests reichen noch für zwei bis drei Wochen und werden von den Kindern gerne angenommen“, sagt er.

In Backnang können Eltern ihre Kitakinder ebenfalls freiwillig testen, sagt Regine Wüllenweber, die das Amt für Familie, Jugend und Bildung leitet. Die Tests des Landes, die in Backnang bereits angekommen sind, werden von der Stadt bereitgestellt, sagt Wüllenweber. Am Bize rechnet Schulleiterin Simone Klitzing mit einer Lieferung im Lauf der Woche.

Indirekte Testpflicht

Entsprechend eines Gesetzesentwurfes auf Bundesebene gilt seit dem gestrigen 19. April eine inzidenzunabhängige Testpflicht.

Am Präsenzunterricht oder der Notbetreuung dürfen demnach nur Kinder teilnehmen, die zweimal pro Woche einen negativen Corona-Schnelltest vorweisen können. Kinder an weiterführenden Schulen müssen sich in der Schule testen, Grundschulkinder haben die Möglichkeit, sich Testkits abzuholen und zu Hause zu testen.

Ausnahmen von der Testpflicht gibt es für Genesene und Geimpfte. Personen, die
eine seit mindestens 14 Tagen abgeschlossene Impfung nachweisen können, sind von der Testpflicht ausgenommen.

Personen, die bereits positiv getestet
wurden und über einen Nachweis mittels PCR-Test verfügen, sind ebenfalls von der Testpflicht ausgenommen. Das PCR-Testergebnis darf dabei höchstens sechs Monate zurückliegen.

Zudem müssen Ausnahmen für die Teilnahme an Prüfungen sowie das Ablegen schriftlicher und praktischer Leistungsfeststellungen eingeräumt werden, wenn sie zur Notenbildung erforderlich sind.

Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz drei Tage hintereinander über 200, ist kein Präsenzunterricht an den Schulen mehr möglich. Kitas und Kindergärten müssten dann
wieder in die Notbetreuung wechseln. Da die Inzidenz am Montagnachmittag bei 185 lag, wäre dies jedoch frühestens am Freitag der Fall. (dob)

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Erstellt:
20. April 2021, 06:00 Uhr

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