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„Die Rückkehr zum Normalbetrieb“

Die beiden Rems-Murr-Kliniken fahren ihren Betrieb wieder schrittweise hoch. Planbare Operationen und Behandlungen werden aufgenommen und ab heute sind auch wieder Besuche möglich, allerdings pro Patient und Tag nur eine Person.

Erster Halt am Check-In-Schalter. Hier wird unter anderem bei jedem Besucher und Patient die Temperatur gemessen. Foto: A. Palmizi

© ALEXANDRA PALMIZI

Erster Halt am Check-In-Schalter. Hier wird unter anderem bei jedem Besucher und Patient die Temperatur gemessen. Foto: A. Palmizi

Von Florian Muhl

WINNENDEN. Die Eingangshalle im Rems-Murr-Klinikum Winnenden hat sich gewaltig verändert. Messebauer haben am vergangenen Wochenende ganze Arbeit geleistet. Mehrere Monitore und Absperrbänder erinnern jetzt an einen Flughafen. Und wie in der Abflughalle gibt es auch hier diverse Check-In-Schalter. Wenn man einen passiert hat, geht’s allerdings nicht nach München, Mallorca oder auf die Malediven, sondern zur Sprechstunde, in den Kreißsaal oder in den OP-Saal unters Messer.

„Wir nennen das Ganze hier Vorfluter“, sagt Julia-Maria Müller. Warum Vorfluter? „Wir versuchen wie ein Wellenbrecher, die Menschen- oder Patientenströme in die einzelnen Schlangen wie am Flughafen zu separieren, damit wir keine Menschenansammlungen mehr haben“, erklärt die erläutert die Leiterin der Unternehmensentwicklung der beiden Klinikstandorte Winnenden und Schorndorf. Müller ist somit auch für das Projekt „Die Rückkehr zum Normalbetrieb unserer Krankenhäuser“ verantwortlich. Das klinge zwar trivial, sei es aber nicht. Und genau genommen treffe Rückkehr auch nicht zu. Denn: „Es ist eine neue Normalität. Wir werden mit Corona leben müssen und deswegen mussten wir uns ganz neu aufstellen.“

Alle Prozesse, vom ersten Anruf des Patienten über die Behandlung bis zu dessen Entlassung nach Hause oder in die Reha, seien überdacht und überarbeitet worden. Ziel war es, das Infektionsrisiko so gut es geht zu minimieren und die Patienten- und Mitarbeitersicherheit in den Vordergrund zu stellen.

Auf Monitoren steht, wo man sich einordnen soll.

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich die Kliniken auf die Behandlung von Covid-19-Fällen konzentriert. Um dafür ausreichend Kapazitäten vorzuhalten, wurden über Wochen planbare und medizinisch nicht dringliche Operationen und Behandlungen (elektive Eingriffe) zurückgestellt. Mit dem umfangreichen Hygiene- und Schutzkonzept ist es nun möglich, den regulären Klinikbetrieb schrittweise wieder aufzunehmen. Gleichzeitig wird der Besuchsstopp durch eine Besuchsregelung ersetzt (siehe Info-Box). „Uns war es immer wichtig, dass sich die Bürger in unseren Kliniken sicher fühlen können“, so der Aufsichtsratsvorsitzende und Landrat Richard Sigel. „Deswegen haben wir den Besucherstopp bei uns etwas länger aufrechterhalten als vielleicht andere Kliniken.“ Wir funktioniert das nun in der Praxis? Wer durch den Haupteingang geht, der übrigens nicht für Mitarbeiter vorgesehen ist, wird gleich auf die wichtigsten Sicherheitsregeln hingewiesen, beispielsweise Abstand halten. Dann gibt es vier Möglichkeiten, sich anzustellen beziehungsweise weiterzugehen. Wo man richtig ist beziehungsweise sich einordnen soll, darüber informieren große Monitore. Darauf steht „geplante Behandlungen – ambulant/operativ/stationär“ oder „Notfall/Kreißsaal“ sowie „Sprechstunde“ oder „Besucher“.

Dann kommt der Check-In-Schalter. Besucher müssen hier den Kontaktbogen abgeben, den sie vorher ausgefüllt haben. Dieser wird, wie auch in der Gastronomie üblich, nach vier Wochen wieder vernichtet. Jeder Besucher erhält eine medizinische Mund-Nase-Maske. Gefragt wird nach dem Namen und welchen Patienten man besuchen möchte. Es folgen Fragen zum Wohlbefinden und möglichen Erkrankungen. Die Temperatur wird mittels Infrarot-Thermometer gemessen und auch die Sauerstoffsättigung wird gemessen. Ein Besucher, der beispielsweise eine Temperatur von über 37,5 Grad Celsius an der Stirn aufweist, wird wieder nach Hause geschickt. Bei Sprechstundenbesuchern mit dieser erhöhten Temperatur erfolgt eine Rückfrage beim Arzt. Der entscheidet, ob unbedingt ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist.

„Für die Rems-Murr-Kliniken steht eine sichere Patientenversorgung an erster Stelle“, betont Geschäftsführer Marc Nickel. „Deshalb haben wir uns jetzt auch ausreichend Zeit genommen, um die Vorgaben von Bund und Land passgenau für unsere Kliniken umzusetzen.“ Bei der Wiederaufnahme der planbaren Operationen sei ein wichtiger Baustein dabei die organisatorische und räumliche Trennung von drei Patientengruppen: Patienten mit negativem Corona-Testergebnis, Verdachtsfälle sowie bestätigte Covid-19-Patienten. „Diese Gruppen bleiben weiterhin entsprechend der Vorgaben eines strengen Hygiene- und Schutzkonzepts konsequent separiert. Auch die Mitarbeiter auf diesen Stationen arbeiten so weit wie möglich getrennt voneinander“, erläutert Nickel. Für eine geplante ambulante oder stationäre Behandlung ist ein negatives Covid-19-Testergebnis zwingend erforderlich. Ein getätigter Testabstrich darf maximal drei bis fünf Tage zurückliegen.

Ein Besucher pro Patient und Tag

Ab heute darf jeder Patient zwei Personen benennen, die ihn während des Krankenhausaufenthaltes besuchen können.

Während der Besuchszeit zwischen 14 und 19 Uhr darf jeder Patient täglich für maximal eine Stunde Besuch von einer der beiden benannten Personen erhalten.

Letzter Einlass erfolgt um 18.30 Uhr.

Bei Besuchsantritt sind die Angehörigen nach Meldung an der Information mit ihrem Personalausweis angewiesen, ihre persönlichen Daten zur Nachverfolgung einzutragen.

Jeder Besucher wird dabei nach möglichen Corona-Symptomen gefragt und es wird die Temperatur gemessen.

Ein Besuch von Corona-Patienten auf der Isolierstation ist nur im Sterbefall möglich, um die Verbreitung des Virus so weit wie möglich zu verhindern.

Bei zusätzlichen Testungen wenden sich Bürger an ihren Hausarzt

Die Landesregierung Baden-Württemberg hat ihre Corona-Teststrategie gestern angepasst und erweitert: Durch gezielte Testungen soll die Ausbreitung von Sars-CoV-2 weiter eingedämmt werden.

„Die zusätzlichen Testungen der erweiterten Teststrategie des Landes müssen vor Ort konkret durchgeführt werden – darauf haben wir uns bereits gemeinsam mit den Kliniken und den niedergelassenen Ärzten eingestellt“, sagte gestern Landrat Richard Sigel beim Kliniktermin in Winnenden. „Die Corona-Krise ist noch nicht ausgestanden. Die Infektionszahlen sind zwar gesunken, aber dennoch gibt es immer wieder einzelne Fälle, auch in Pflegeheimen und Schulen.

Die Ärzteschaft Backnang hat sich – anders als im Raum Waiblingen und Schorndorf – wie folgt organisiert: Bürger im Backnanger Raum melden sich bei ihrem Hausarzt, der die Testung koordiniert. Außerhalb der Praxiszeiten gilt die zentrale Rufnummer 116 117.

In den Rems-Murr-Kliniken gilt: Patienten mit geplanten Eingriffen werden zwischen drei und fünf Tagen vor ihrer Krankenhausaufnahme in den Kliniken getestet und erhalten die Empfehlung zur Selbstquarantäne. Notfallpatienten werden bei Bedarf beziehungsweise bei Verdacht auf eine Infektion ebenfalls in der Klinik getestet. Dazu wurden zusätzliche Testkapazitäten an den Standorten eingerichtet und unter anderem Schnelltestgeräte von Bosch Healthcare aus Waiblingen beschafft, die eine Aussage über eine Infektion innerhalb von circa zweieinhalb Stunden ermöglichen.

Wie sollten sich Reiserückkehrer verhalten? Wer aus einem anderen Staat nach Baden-Württemberg einreist, muss nicht mehr grundsätzlich in Quarantäne. Wer allerdings in einem Risikogebiet (siehe Liste des Robert-Koch-Instituts) war, muss sich bei der Rückkehr beim Rathaus der Wohngemeinde melden und 14 Tage in Quarantäne bleiben. Sollten Symptome vorliegen, sollte der Hausarzt telefonisch kontaktiert werden.

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Erstellt:
1. Juli 2020, 06:00 Uhr

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