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„Die Sicherheit unserer Einsatzkräfte hat oberste Priorität“

Wie sich Polizei, Feuerwehr und DRK in Coronazeiten selbst schützen

Hilfe ist wichtig, besonders in Notfällen. Aber gibt es in Zeiten, in denen sich das Coronavirus unkontrolliert ausbreitet, genug Helfer? Was tun die Polizei, die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz, um ihre Einsatzkräfte einsatzfähig zu halten? Wir haben uns umgehört.

„Die Sicherheit unserer Einsatzkräfte hat oberste Priorität“

© 7aktuell.de/Simon Adomat

Von Florian Muhl

BACKNANG. „Sollte es zu einer Ausbreitung des Virus kommen, müssen wir vollständig einsatzbereit und handlungsfähig sein“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler. Und deswegen gelte: „Die Sicherheit unserer ehrenamtlichen Einsatzkräfte hat oberste Priorität.“ Üblicherweise werden die Helfer vor Ort bei Einsatzstichworten Herz-Kreislauf-Stillstand, Bewusstlosigkeit, Amputation und so weiter alarmiert. Um sicherzustellen, dass fast immer ein Helfer vor Ort (HvO) eintrifft, wurden bislang alle Ehrenamtlichen alarmiert, die für ihren jeweiligen HvO-Bereich hinterlegt sind.

Aber in Coronazeiten ist vieles anders. Denn was in „normalen“ Zeiten ein Vorteil ist, ist nun plötzlich ein Nachteil: Weil stets alle Helfer vor Ort alarmiert werden, würden meistens mehr als ein Helfer an den Einsatzort kommen. Der DRK-Kreisverband Rems-Murr hat auch deshalb entschieden, dass die rund 200 Helfer vor Ort im Kreis nicht mehr von der Leitstelle parallel mit dem professionellen Rettungsdienst alarmiert werden. Seit Dienstag, 10. März, finden keine Helfer-vor-Ort-Einsätze mehr statt. „Um unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte nicht der Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus auszusetzen sowie eine Ausbreitung des Virus nicht zu fördern, hat sich unser Kreisverband dazu entschieden, die Helfer-vor-Ort-Dienste vorerst nicht mehr zu alarmieren“, so Knödler. Sobald das Infektionsrisiko nicht mehr bestehe, werde der Kreisverband den ehrenamtlichen Dienst umgehend wieder aufnehmen.

„Dieser Teil der Rettungskette im Kreis fällt aufgrund des Ansteckungsrisikos vorübergehend aus“, sagt der DRK-Kreisgeschäftsführer. Gleichzeitig weist Knödler darauf hin, dass ein Rettungswagen im Durchschnitt in weniger als acht Minuten am Unfallort ist, ein Notarzt in weniger als neun Minuten. „Insofern ist eine zeitnahe und professionelle Patientenversorgung immer gewährleistet.“

Neben den alltäglichen Einsätzen der Bereitschaften, aus denen sich die Helfer vor Ort in der Regel rekrutieren, ist der DRK-Kreisverband als größte Hilfsorganisation im Kreis derzeit zusätzlich mit der dynamischen Coronalage konfrontiert. „In diesen Bereitschaften unserer Ortsvereine sind hoch qualifizierte Helfer aktiv, vom Sanitäter bis zum Notfallsanitäter und Verbandführer“, sagt Knödler.

Helfer-vor-Ort-Dienste im gesamten Kreis sind zeitweise ausgesetzt

Genau diese Helfer kämen im Rahmen des Zivil- und Bevölkerungsschutzes zum Einsatz und bildeten daher einen wesentlichen Teil des Hilfeleistungswesens in Deutschland, so auch im Rems-Murr-Kreis. Gebe es hier einen infizierten Ehrenamtlichen, drohten im Ernstfall ganze Bereitschaften und Einsatzgruppen auszufallen – entweder aufgrund von Infizierungen oder aus Gründen der vorausschauenden Quarantäne. Diese Gesamtbetrachtung habe dazu geführt, die Helfer-vor-Ort-Dienste im gesamten Rems-Murr-Kreis zeitweise auszusetzen. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen“, gesteht Knödler. „Wir hoffen, dass unsere Helfer vor Ort bald wieder ausrücken können.“

Auch die freiwillige Feuerwehr hat auf das Coronavirus reagiert. Innerhalb der Backnanger Wehr wurden verschiedene Maßnahmen getroffen, um die Einsatzfähigkeit und damit den Schutz der Bürger zu gewährleisten. „Unter anderem wurde der laufende Ausbildungsbetrieb vollständig eingestellt. Und Besprechungen finden telefonisch oder beispielsweise per Videochat statt“, sagt Christine Wolff.

„Die Feuerwehr Backnang ist strategisch so aufgestellt, dass die verschiedenen Abteilungen autark arbeiten“, so die Pressereferentin der Stadt Backnang weiter. Die Feuerwehrleute der einzelnen Abteilungen sollen auch nicht mehr zusammentreffen. Bei Bedarf könnten so die Aufgaben anderer Einsatzabteilungen übernommen werden. „Durch diese Maßnahmen wird gewährleistet, dass bei einem Verdachts- oder Krankheitsfall nicht automatisch die gesamte Feuerwehr ausfällt“, sagt Wolff.

Natürlich beobachte die Feuerwehr Backnang die Situation sehr genau und die Führungskräfte würden sich laufend mit anderen Feuerwehren und Behörden auf Kreis- und Landesebene abstimmen. Zudem stellt die Pressesprecherin fest: „Da die Einsatzkräfte der Feuerwehr Backnang grundsätzlich auf einem hohen Ausbildungsstand sind und über umfangreiche Praxiserfahrung verfügen, stellt eine Einschränkung des Übungsdienstes kein Problem dar.“

Das Thema Hygiene sei bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus großgeschrieben worden. Das sei bei den Einsätzen schon immer unverzichtbar gewesen. Wichtig für die Einsatzfähigkeit sei es auch, dass die Arbeitgeber trotz der aktuellen Unsicherheit die Organisationen im Bevölkerungsschutz – dazu zähle auch die Feuerwehr – unterstützen und den Einsatzkräften weiterhin den Einsatzdienst ermöglichen würden. Abschließend versichert Wolff: „Die Feuerwehr ist auch weiterhin im Notfall für die Bürgerinnen und Bürger da.“

Die Polizei hat die Projektgruppe Corona ins Leben gerufen, die beim Führungs- und Einsatzstab im Präsidium Aalen angesiedelt ist. In der Gruppe, der rund 15 Personen angehören, werden verschiedene Szenarien durchgespielt und es wird überlegt, wie die Polizei in dem einen oder anderen angenommenen Fall handelt, erläutert der Leiter der Presseabteilung Holger Bienert. Was ist beispielsweise, wenn eine größere Anzahl Kollegen auf einen Schlag erkranken würde?

Damit dies nicht geschieht, werden Besprechungen nur dann abgehalten, wenn sie unbedingt sein müssen, sagt Bienert, und dann nur mit den Kollegen, die unbedingt daran teilnehmen müssen. Mehr und mehr würde auch auf Telefonkonferenzen ausgewichen. Eine weitere Maßnahme sei, dass man alle Ausbildungs- und Fortbildungslehrgänge ausgesetzt habe.

Nachschub an Desinfektionsmitteln ist gewährleistet

Das Thema Eigenschutz sei kein Problem bei den Kollegen der Polizei. „Die Schutzausstattung haben die Streifenwagen auch unterjährig mit an Bord“, sagt Bienert. Denn die Beamten würden es immer wieder mit Personen zu tun haben, bei denen ungewiss sei, ob und welche Krankheiten sie eventuell weitergeben könnten. „Hin und wieder haben wir es beispielsweise mit Hepatitis B zu tun“, merkt der Polizeisprecher an. Deswegen sei auch der Umgang mit den Schutzgegenständen geübt. Und der Nachschub beispielsweise an Desinfektionsmitteln sei auch gewährleistet. Innerhalb des Polizeipräsidiums Aalen gebe es bislang „einige wenige Fälle an Erkrankungen“, sagt Bienert. „Die Zahl liegt im niederstelligen Bereich.“

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Erstellt:
18. März 2020, 06:00 Uhr

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