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„Erleichterung für Eltern und Kinder“

Die Spielplätze im Backnanger Stadtgebiet werden schrittweise wieder geöffnet – Freude und Vorsicht bei den Eltern

Keine Kindergärten, keine Sportvereine und keine Treffen mit Freunden. Viele Kinder mussten in den vergangenen Wochen Zuhause bleiben. Doch seit gestern sind zumindest die ersten Spielplätze wieder geöffnet worden. Eltern und Kinder freuen sich über die Lockerungen, achten aber auch hier weiterhin auf die Vorschriften zum Infektionsschutz.

Nachdem die Spielplätze wochenlang geschlossen waren, sind sie seit gestern wieder für die Kinder zum Spielen freigegeben. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Nachdem die Spielplätze wochenlang geschlossen waren, sind sie seit gestern wieder für die Kinder zum Spielen freigegeben. Foto: J. Fiedler

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Lachende Kinder, die bei strahlendem Sonnenschein über das Gras rennen, und Eltern, die von den umstehenden Bänken ein wachsames Auge haben: Ein Bild, dass auf den städtischen Spielplätzen in den vergangenen Wochen nicht mehr zu sehen war. Doch seit gestern sind die Einschränkungen des öffentlichen Lebens weiter gelockert worden, die Spielplätze in Backnang wurden zumindest teilweise wieder eröffnet. „Ich glaube, er ist mittlerweile schon weit öfter als 20 Mal gerutscht“, sagt Katrin Pailer. Ihr Sohn Mike nutzt die Zeit auf dem Annonay-Spielplatz in Backnang und springt zwischen Kletterturm, Schaukel und Rutsche nur so hin und her. „Wir haben uns strikt an die Beschränkungen gehalten, das Wort Spaziergang kann er schon gar nicht mehr hören.“ Zwar habe die Familie Zuhause einen Garten, den sie in den vergangenen Wochen bei dem guten Wetter auch viel genutzt haben, doch die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten auf dem Spielplatz seien noch einmal etwas anderes. „Wir waren auch viel mit dem Rad unterwegs oder haben Mike mit zum Einkaufen genommen“, sagt Pailer.

Doch obwohl die Freude über den ersten Besuch auf dem Spielplatz seit Wochen groß war, schwingt auch etwas Verunsicherung mit. „Bis heute wusste man ja gar nicht genau, was eigentlich erlaubt ist. Wir wollen trotzdem sehr vorsichtig sein“, sagt die Mutter, auch mit Blick auf ihr Baby. „Mike hat mit seinen vier Jahren wahrscheinlich schon ein besseres Immunsystem als der Kleine. Aber wir wissen ja nicht, ob er das Virus nicht mit nach Hause bringt.“ Auch deshalb sehe sie der Wiedereröffnung der Kindergärten mit gemischten Gefühlen entgegen. Mike würde den Kindergarten zwar vermissen und regelmäßig danach fragen und es wäre auch eine Erleichterung, aber die Unsicherheit bleibe dennoch bestehen.

Um das Infektionsrisiko auf den Spielplätzen so gering wie möglich zu halten, hat die Stadt Backnang um die Einhaltung einiger Regeln gebeten. So muss sowohl zwischen den Kindern wie auch den Erwachsenen das Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern eingehalten werden. Auch sollen Kinder auf den Spielplätzen nicht gemeinsam essen und nur in Begleitung von Erwachsenen kommen. Diese sollen aufpassen, dass sich auch die Kinder an die Regeln halten.

Öffentliche Bolz- und Freizeitplätze bleiben weiterhin geschlossen

Sadiye Odabasi ist mit ihren beiden Enkelinnen zum Annonay-Spielplatz gekommen. Sie ist sich sicher, dass die Kinder die Situation und die Regeln verstehen. Trotzdem erinnert sie die beiden immer wieder daran: „Aber schön auf den Abstand achten, Ella!“, ruft sie ihrer Enkelin hinterher, die sich auf den Weg zur Schaukel macht. Sie wusste zunächst gar nicht, dass die Spielplätze wieder geöffnet haben, hat es nach dem Einkaufen gesehen und ihren Enkelinnen versprochen, zumindest kurz auf den Spielplatz zu kommen. „Das hat mich vorhin wirklich gefreut, das ist eine große Erleichterung für Kinder und Eltern. Für uns fühlt sich das fast an, wie Ostern und Weihnachten.“ Aus Sicherheitsgründen wolle sie aber nur eine halbe Stunde bleiben, damit auch andere Kinder spielen können und nicht gleichzeitig zu viele Leute auf dem Spielplatz unterwegs sind. In den vergangenen Wochen haben sie die Kindern vor allem mit Ausflügen, Spaziergängen und vielen Fahrradtouren beschäftigt, auch durch Spielgeräte auf dem großen Balkon wollten sie die Zeit Zuhause angenehmer machen. „Wir sind gut zurecht gekommen, aber ich freue mich jetzt vor allem für die Kinder, die in kleinen Wohnungen leben und keinen Garten oder Balkon haben“, sagt Odabasi. „Ich hoffe, es bleibt jetzt auch bei diesen Lockerungen und die Spielplätze bleiben weiterhin geöffnet.“

Neben dem Annonay-Spielplatz wurden am Mittwoch in einem ersten Schritt insgesamt 23 Spielplätze in der Kernstadt und den Stadtteilen für spielende Kinder freigegeben. Eine Liste der geöffneten Spielplätze ist auf der Homepage der Stadt Backnang einsehbar. Alle anderen Spielplätze sollen im Laufe der nächsten Woche auch wieder geöffnet werden, im Moment müssen dort noch Mäh- und Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Öffentliche Bolz- und Freizeitplätze müssen nach aktuell geltender Coronaverordnung weiterhin geschlossen bleiben und dürfen nicht benutzt werden.

Und nicht nur die Eltern und Kinder freuen sich über die Wiedereröffnung des Spielplatzes. Auch ältere Ehepaare sitzen auf den Bänken rund um den Spielplatz, eine Schülerin hört Musik und schreibt in ihr Schulheft, und Männer im Anzug kommen für ihre Mittagspause zur Bleichwiese. Auch das Ehepaar Grokenberger, das einen Imbissstand neben dem Spielplatz betreibt, ist erleichtert über die Lockerungen. „Heute ist auf jeden Fall schon mehr los, als in den letzten Wochen“, sagt Gisela Grokenberger. Zwar seien noch nicht so viele Familien auf dem Spielplatz, wie vor der Coronakrise, aber es sei durchaus eine Steigerung zu den vergangenen Tagen und Wochen. Als klar wurde, dass der Spielplatz wieder freigegeben wird, haben sie sich auf mehr Geschäft vorbereitet und wurden mit mehr Kundschaft belohnt. „Die Nähe zum Spielplatz war für uns schon immer positiv. Jetzt wo wieder Leute herkommen, merken wir den Vorteil umso mehr“, sagt Grokenberger.

Hier hat sich auch Johannes Feist für sich und seine Enkelkinder das Mittagessen geholt. Doch die beiden Jungs haben kaum Augen für die Currywurst und spielen lieber im Sandkasten. Er passt seit Beginn der Coronakrise mindestens einmal die Woche auf seine Enkel auf, damit seine Schwiegertochter zumindest tageweise arbeiten kann. Auch er ist sich sicher, dass die Abstandsregeln für die Kinder keine Problem sein werden. „Ich habe ihnen die Regeln nicht groß erklärt. Mit drei und vier Jahren haben sie das ohnehin sofort wieder vergessen“, sagt Feist. „Aber sie bleiben sowieso sehr unter sich und spielen nicht mit fremden Kindern.“ Trotzdem achte er darauf, dass sie sich an die Vorschriften halten. Zwar hätten die Kinder Zuhause einen Garten, doch trotzdem freue ihn die Eröffnung der Spielplätze. „Das macht das Babysitten vor allem für mich leichter.“

„Wir müssen das eben aushalten, bis es vorbei ist“

Auch Claudia Hoti spürt nun eine große Erleichterung. „Den ganzen Tag mit den Kinder Zuhause zu sein, ist nicht einfach“, sagt die Backnangerin. „Für die Kinder ist es sehr gut, dass die Spielplätze wieder aufgemacht wurden.“ Sie sei vor allem auch froh, dass auf den Spielplätzen keine Maskenpflicht herrscht. „Mir wird da so unglaublich warm unter der Maske. Es ist gut, dass wir zumindest hier an der frischen Luft ohne Maske sitzen können.“ Ihr Sohn verstehe die momentane Lage, auch wenn er in den vergangenen Wochen immer wieder sauer war, dass er seine Freunde nicht sehen konnte. „Aber wir müssen das jetzt eben aushalten, bis es vorbei ist.“

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Erstellt:
7. Mai 2020, 06:00 Uhr

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