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Familien entdecken wieder die Natur

Seit knapp drei Wochen sind Schulen und Kitas geschlossen – Wie halten Eltern ihre Kinder bei Laune?

Diese Wochen sind für Familien und Alleinerziehende eine Herausforderung. Schulen und Tagesstätten sind geschlossen und selbst Spielplätze gelten als Sperrgebiet. Da muss man flexibel sein, denn viele Aktivitäten, mit denen man sonst die freie Zeit füllt, fallen aus.

Carina Schmidt und Tochter Mia genießen die Sonne auf dem Balkon – und nebenbei wird noch etwas gelesen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Carina Schmidt und Tochter Mia genießen die Sonne auf dem Balkon – und nebenbei wird noch etwas gelesen. Foto: A. Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Eine Umfrage unter Familien mit Kindern im Alter von 8 Monaten bis etwa 14 Jahren zeigt, dass die Mehrheit der Mütter mit der spontanen Situation relativ gelassen umgehen kann. Ein strukturierter Tagesplan trägt viel dazu bei. So etwa bei Familie Scharfe mit der achtjährigen Tochter Su-Lina aus Kirchberg an der Murr. „Wir haben einen Stundenplan erstellt, um unserer Tochter eine Routine zu bieten. So können wir uns an dem Ablauf orientieren, und das gibt auch eine gewisse Sicherheit“, erläutert Mutter Ebru das Konzept. Nach dem Frühstück werden zunächst die Deutschaufgaben erledigt, dann gibt es eine Pause, dann ist Mathe angesagt.

Falls der Lernwille groß ist, kommen nach dem Mittagessen noch die freiwilligen Arbeitsblätter dran. Nachmittags sind Freizeitaktivitäten angesagt, Kartenspiele, eventuell eine Kindersendung anschauen, bei schönem Wetter kann man auf der ruhigen Wohnstraße Fahrrad fahren und Inlineskaten. Scharfe, die zurzeit Homeoffice macht, ist froh über das Trampolin auf der Terrasse: „Das sorgt für Bewegung, dafür bin ich dankbar.“ Und kürzlich war die Achtjährige sogar mit Eifer beim Unkrautjäten dabei. „Weil sie die Handschuhe von der Putzete so gern anzieht“, lacht Ebru Scharfe.

Eva Riss darf noch ins Geschäft gehen. Ihre beiden Töchter sind bereits im Teenageralter und schon recht selbstständig. Bis ihre Mutter heimgekehrt ist, haben sie gefrühstückt und ihre Hausaufgaben gemacht. Die Aufgaben werden kontrolliert und im Anschluss wird der Plan für den nächsten Tag besprochen. Nachmittags ist dann Freizeit angesagt: chillen am Handy, raus in den Garten – ein unschätzbares Glück, wer ein Trampolin sein Eigen nennen kann –, Tischtennis spielen, auch mal gemeinsam backen oder kochen.

Im Haushalt mithelfen ist Pflicht: „Die Mädchen sind mir mit dem Spülmaschine ausräumen und dem Wäschewaschen eine große Hilfe“, lobt Riss. „Nur so können wir die nächsten Wochen überleben.“ Sie achtet strikt darauf, soziale Kontakte gering zu halten. Freundinnenbesuche sind erst einmal nicht mehr drin.

Im Garten gibt es jetzt viel zu tun

Bei anderen Eltern geht es ähnlich zu. Morgens werden von den schulpflichtigen Kindern zunächst die Hausaufgaben erledigt. Das klappt bisher mehr oder weniger gut, dem einen oder anderen Schüler fehlt es noch an Motivation. In einigen Familien wird danach die Zubereitung des Mittagessens gemeinsam zelebriert. Die Kinder helfen mit und übernehmen, je nach Schwierigkeitsgrad, sogar eigenständig das Kochen. Das gefällt beispielsweise der Tochter der Verfasserin sehr gut. Bereits um halb zehn, nachdem die Pflichtaufgaben erledigt sind, heißt es: „Wann können wir Mittagessen machen?“ Und schon werden die Zutaten herausgesucht.

Raus an die frische Luft und viel Bewegung. Auch darauf wird großer Wert gelegt. Die eine Familie dehnt die Spaziergänge mit dem Hund aus, es wird Fahrrad oder Inlineskates gefahren, und wer das Glück hat, einen Garten nutzen zu können, lässt die Kinder an der Gartenarbeit teilhaben. Was den Nachwuchs übrigens sehr begeistert. Im Garten gibt es jetzt viel zu tun – Pflanzen zurückschneiden, neue einsäen oder pflanzen, Unkraut jäten. Manch einer hat sogar Sportübungen ins Tagesprogramm aufgenommen. So hat beispielsweise die Abteilung Förderturnen der SVG Kirchberg ein Trainingsprogramm entworfen, um ihre Turnerinnen für die Zeit der Trainingsabstinenz fit zu halten. Ein Sportlehrer hat eine Dauerhausaufgabe geschickt mit Ausdauertraining, Kraft- und Beweglichkeitsübungen. Die Eltern müssen abzeichnen, dass die Sportaufgabe auch erledigt wurde. Und wie kontrolliert man das am besten? Indem man selbst beim Dauerlauf nebenher schnauft. Oder auch hinterher, je nach Konstitution. Neben Aktivitäten an der frischen Luft stehen Gesellschaftsspiele aller Art hoch im Kurs. Spielen, Malen und Lesen fallen beispielsweise Carina Schmidt aus Kirchberg sofort auf die Frage ein, womit sie denn ihren Nachwuchs bei Laune hält. Ganz nebenbei wird so auch etwas Lesen und Rechnen geübt, beispielsweise wenn es um das Wechselgeld bei Monopoly geht. Tochter Mia ist schon in der 1. Klasse und liest ihrer Mutter eifrig vor. Und mit dem Tiptoi-Stift kann man sich wunderbar allein beschäftigen und lernt sogar etwas dabei.

Wissenssendungen in den Mediatheken

Überraschenderweise werden bei der Umfrage Fernsehen, PC- oder Tabletspiele kaum aufgeführt oder nur als letzte Möglichkeit, die Kinder bei schlechtem Wetter zu unterhalten. Denn nicht zu vergessen – viele Eltern arbeiten von zu Hause aus und können sich nicht die ganze Zeit mit ihren Kindern beschäftigen. Zudem wird darauf geachtet, die persönlichen sozialen Kontakte möglichst gering zu halten. Da kommt es gerade recht, dass die öffentlich-rechtlichen Programme vermehrt Wissenssendungen in ihren Mediatheken anbieten.

Diese Zeit wird sicher für alle eine herausfordernde Erfahrung sein. Ein Glück, dass das Wetter vorerst mitspielt. Die große Tochter der Verfasserin ist sonst nachmittags immer recht müde. Dieser Tage macht sie allerdings einen viel munteren Eindruck und bestätigt: „Das liegt an der frischen Luft!“ Und gut schlafen kann sie auch noch.

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Erstellt:
1. April 2020, 06:00 Uhr

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