Film ab nach dem Lockdown

Heute öffnet ein Großteil der Kinos wieder, darunter das Universum in Backnang. Der Traumpalast zieht eine Woche später nach. Die Betreiber beider Backnanger Spielorte versprechen ein Programm für alle Zielgruppen und hoffen auf zahlreiche Gäste.

Noch sind fast alle Sitzplätze im Kino Universum frei. Annegret Eppler sitzt allein vor der großen Leinwand. Das soll sich bald ändern. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Noch sind fast alle Sitzplätze im Kino Universum frei. Annegret Eppler sitzt allein vor der großen Leinwand. Das soll sich bald ändern. Fotos: A. Becher

Von Melanie Maier

BACKNANG. Pünktlich zum Neustart der Kinos ist das Wetter umgeschwenkt. Statt Temperaturen um die 30 Grad sind momentan Schauer und Wolken angesagt. Beste Voraussetzungen für die heutige Wiedereröffnung der Kinos also. Nach der geltenden Coronaverordnung hätten die Spielstätten am 7. Juni eigentlich schon wieder aufmachen dürfen. Doch das hätte für die Betreiber keinen Sinn ergeben, sagt Annegret Eppler vom Kino Universum in der Sulzbacher Straße in Backnang. Die Kinos, erklärt sie, können nur die Filme zeigen, die sie von den Verleihern bekommen – und die wollten selbstverständlich einen gemeinsamen Neustart, am liebsten global, abwarten. Die zwei größten Branchenverbände in Deutschland, der HDF Kino und die AG Kino – Gilde, hätten aber solchen Druck auf die Verleiher aufgebaut, dass es nun doch losgehen kann, berichtet Eppler.

Wobei nicht alle Kinos mitziehen. Der Traumpalast in der Eduard-Breuninger-Straße wird seine Säle erst am 8. Juli wieder öffnen. „Wie nach dem letzten Lockdown wollen wir auch dieses Mal erst einmal abwarten und schauen, was passiert“, erklärt Marius Lochmann, der Geschäftsführer der Lochmann Filmtheaterbetriebe, zu denen der Traumpalast in Backnang gehört. „Alle, die kommen, sollen sich wohl und sicher fühlen – das gehört bei Corona einfach dazu“, sagt Lochmann. Was die Sicherheit der Kinobesucher angeht, hat er allerdings keine Bedenken. Weltweit sei bisher in keinem Kino eine Coronaübertragung bestätigt worden, berichtet er. „Sicherer kann man sich wahrscheinlich nur alleine zu Hause fühlen.“ Im Traumpalast sei die neueste Belüftungstechnologie verbaut worden, die die Luft in den Sälen regelmäßig umwälze, jede zweite Sitzreihe bleibe frei.

„Catweazle“, „Peter Hase 2“ und „Godzilla vs. Kong“ gehören zu den ersten Filmen, die gezeigt werden.

Eine Weile den Alltag und vielleicht auch die Pandemie vergessen, das sollen die Kinobesucher im Traumpalast und im Universum. Welche Filme vom 8. Juli an im Traumpalast laufen werden, steht aktuell noch nicht fest. „Ich habe noch ein paar Verhandlungen diese Woche“, sagt Lochmann. Zirka zehn Filme sollen aber an den Start kommen, darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit die Komödie „Catweazle“ mit Otto Waalkes und der Fantasyfilm „Monster Hunter“ mit Milla Jovovich. Für jede Zielgruppe soll etwas dabei sein. „Den genauen Spielplan veröffentlichen wir am kommenden Montag auf unserer Website“, kündigt Lochmann an. Woche für Woche sollen mehr Filme dazukommen. Am 15. Juli zum Beispiel der Actionfilm „Fast&Furios 9“, für den der Kinobetreiber vorerst die größte Nachfrage erwartet. Der wichtigste Film, der in diesem Jahr herauskommt, wird seiner Meinung nach am 30. September der neue James-Bond-Teil sein.

Auch das Universum-Kino geht mit „Catweazle“ an den Start. Zur Wiedereröffnung am heutigen Donnerstag laufen zudem der Actionfilm „Godzilla vs. Kong“ (2-D und 3-D), die Familienkomödie „Peter Hase 2 – Ein Hase macht sich vom Acker“, der Horrorthriller „A Quiet Place 2“ und die dramatische Komödie „Rosas Hochzeit“ aus Spanien. Gerne würde Annegret Eppler auch den Oscar-Gewinner „Nomadland“ mit Frances McDormand zeigen. „Wir haben hier eine treue Arthouse-Gemeinschaft“, sagt sie. Ob sie den Film bekommen werde, hänge aber davon ab, wie viele Kopien von den Verleihen freigegeben werden.

Was die Coronaregeln im Kino betrifft (siehe Infokasten), hat Eppler im Vorfeld der Öffnung viel mit dem Ordnungsamt kommuniziert. Es wurde ein Hygienekonzept erstellt. Bei einer Saalauslastung von bis zu 20 Prozent wäre der Nachweis über eine Impfung, Genesung oder ein Schnelltest theoretisch nicht nötig, aber so eine geringe Auslastung würde sich für die Betreiber nicht rentieren, erklärt Eppler. Aus diesem Grund hält sie an der 3-G-Regel fest. Dass die Maske vom Eingang bis zum Platz getragen werden soll, heißt sie gut. „Allein für das Sicherheitsgefühl finde ich es vertretbar, dass wir auf den Laufwegen die Maskenpflicht beibehalten“, sagt sie. Sie bittet die Kinobesucher darum, sich vor dem Film auf der Homepage des Universums nochmals über die aktuellen Regeln zu informieren. „Das Schlimmste für uns wäre, wenn wir einen Kunden abweisen müssten“, sagt die Kinochefin und betont: „Wir freuen uns auf jeden einzelnen Besucher.“

Eppler würde sich wünschen, dass die Testpflicht für Kinobesucher komplett entfällt. „Für die Leute ist es mittlerweile extrem unübersichtlich, wo genau welche Regeln gelten“, sagt sie. „Wenn man sich ein Ticket eine Woche vor dem Kinoabend kauft, können sich die Regeln bis dahin schon wieder geändert haben.“

Marius Lochmann vom Traumpalast hofft, dass der Mindestabstand bald von 1,5 auf einen Meter heruntergesetzt wird. So könnte er jede Kinoreihe besetzen. Und er hofft, dass die 7-Tage-Inzidenz weiterhin niedrig bleibt. Es gebe einen „Haufen Filme, die jetzt in der Pipeline stehen“. Schließlich wurden in den vergangenen eineinhalb Jahren kaum neue Filme in den Kinos gezeigt. Die drängen nun alle auf den Markt. Die meisten von ihnen sollen, wie in den Jahren zuvor, im Herbst erscheinen. Ein dritter Lockdown nach dem Sommer käme der Kinobranche daher mehr als nur sehr ungelegen.

Marius Lochmann (rechts), Geschäftsführer der Lochmann Filmtheaterbetriebe, und Matthias Schönhaar, Leiter des Traumpalasts in Backnang, freuen sich auf die Rückkehr der Kinobesucher.

© Alexander Becher

Marius Lochmann (rechts), Geschäftsführer der Lochmann Filmtheaterbetriebe, und Matthias Schönhaar, Leiter des Traumpalasts in Backnang, freuen sich auf die Rückkehr der Kinobesucher.

Diese Regeln gelten im Kino

Kinobesucher können in den Gruppen ins Kino gehen, in denen sie sich auch privat treffen dürfen. Im Rems-Murr-Kreis gelten aktuell die Regeln der Inzidenzstufe zwei (Inzidenz zehn bis 35). Erlaubt sind demnach Treffen von maximal 15 Personen aus bis zu vier Haushalten. Sollte die Inzidenz
stabil unter zehn sinken, könnten sogar bis zu 25 Personen miteinander ins Kino. Einen Überblick zu den Inzidenzstufen findet man unter https://tinyurl.com/994e4a7e.

Um ins Kino zu gehen, ist im Landkreis bei einer Saalauslastung von bis zu 60 Prozent der Nachweis über eine Genesung, eine zweifache Impfung oder ein Schnelltest
nötig (3-G-Regel). Vom Eingang bis zum Platz muss eine Maske getragen werden. Im Saal gilt ein Abstand von 1,5 Metern zwischen den Besuchergruppen.

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Erstellt:
1. Juli 2021, 06:00 Uhr

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