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Frank Nopper ist zurück im Rathaus

Backnangs Oberbürgermeister hat seine Coronainfektion gut überstanden – Insgesamt fünf Wochen in Quarantäne verbracht

Als Hansdampf in allen Gassen ist der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper bekannt. Doch ein positiver Coronatest hat den 58-Jährigen in der Woche vor Ostern jäh ausgebremst. Die Krankheit selbst verlief zum Glück milde, doch die Zeit in häuslicher Quarantäne ist Nopper nicht leicht gefallen. Jetzt ist er wieder zurück im Rathaus.

Mit Mundschutz kehrt Frank Nopper nach überstandener Coronainfektion an seinen Arbeitsplatz im Backnanger Rathaus zurück.Foto: A. Becher

Mit Mundschutz kehrt Frank Nopper nach überstandener Coronainfektion an seinen Arbeitsplatz im Backnanger Rathaus zurück.Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Gestern war Frank Noppers erster offizieller Arbeitstag im Rathaus nach seiner Krankheit, aber so lange hat es der OB nicht mehr ausgehalten. „Ich habe am Wochenende schon mal kurz reingespickelt“, verrät er. Drei Wochen lang musste Nopper nach seinem positiven Coronatest zu Hause bleiben. Wann er zum letzten Mal so lange daheim war? Da muss der OB weit zurückdenken: „Ich glaube, als Kind oder Jugendlicher hatte ich mal zwei Wochen Scharlach. Ansonsten kann ich mich nicht erinnern.“

Jetzt hat Nopper sogar insgesamt fünf Wochen zu Hause verbracht. Zunächst zwei Wochen freiwillig – auf Anraten seiner Ärztin, weil er leichten Husten hatte. Ein Coronatest wurde zunächst allerdings nicht gemacht, weil Nopper weder wissentlich Kontakt zu einem Infizierten hatte, noch in einem Risikogebiet war.

Als der Husten eigentlich schon am Abklingen und Nopper bereits wieder im Rathaus war, schickte ihn die Ärztin dann doch noch zum Test – nur zur Sicherheit. Das Ergebnis fiel zu Noppers eigener Überraschung positiv aus. Wo er sich das Virus eingefangen hat, weiß er bis heute nicht: „Ich kann keinerlei Theorie präsentieren“, so der OB. Allerdings treffe er in seinem Beruf so viele Menschen, dass sich auch nicht mehr alle Kontakte nachvollziehen ließen.

„Es war schon ein Gefühl des Eingesperrtseins“

Also ging es für den OB erneut in Quarantäne – diesmal auf Anordnung des Gesundheitsamtes. Auch seine Frau und die beiden Söhne mussten in die Isolation: „Wir durften unser Grundstück nicht verlassen“, so Nopper. Die Einkäufe erledigte ein hilfsbereiter Nachbar.

Statt eines durchgetakteten Terminkalenders nun 24 Stunden am Tag zu Hause sein – das bedeutete für den umtriebigen OB eine große Umstellung. „Es war schon ein Gefühl des Eingesperrtseins“, erzählt er. Zumal er sich während der gesamten Zeit nie krank gefühlt habe. „Ich hatte nicht einmal erhöhte Temperatur.“ Hätte es den Test nicht gegeben, Nopper wäre jeden Tag und ohne schlechtes Gewissen ins Rathaus gegangen.

Stattdessen hat er seine Amtsgeschäfte nun, so gut es ging, von zu Hause aus geführt. „Ich habe sehr, sehr viel telefoniert und viele Telefon- und Videokonferenzen durchgeführt“, berichtet Nopper. Sein Fazit zu dieser Form der Kommunikation fällt gemischt aus: Manches lasse sich per Telefon oder Video schneller erledigen als in Sitzungen, zu denen man extra hinfahren muss. Allerdings habe der Austausch auf Distanz auch Nachteile: „Man sieht die Mimik nicht, erkennt nicht, ob jemand irritiert oder verärgert ist oder ob eine Äußerung humorvoll gemeint war.“ Bei komplexen oder heiklen Themen will Nopper deshalb auch künftig das persönliche Gespräch bevorzugen. Noch mehr fehlt ihm allerdings der direkte Draht zu den Bürgern: „Dieser Kontakt ist im Moment abgebrochen“, bedauert der Oberbürgermeister.

Über Videobotschaften und die sozialen Netzwerke hat er zwar auch während seiner Quarantäne versucht, Kontakt zur Außenwelt zu halten. Über die vielen Genesungswünsche, die ihn auf allen Kanälen erreichten, habe er sich sehr gefreut, sagt er. „Aber der direkte Kontakt bei einer Veranstaltung oder einem Fest ist natürlich durch nichts zu ersetzen. Der fehlt mir auch und ich hoffe, dass er bald wieder möglich ist.“

Stuttgarter Wahlkampf auf „digitaler Sparflamme“

Wobei Frank Nopper dabei nicht nur die Backnanger, sondern auch die Stuttgarter im Blick hat, denn bekanntlich will er ja am 8. November zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gewählt werden. Normalerweise würde Nopper in diesen Wochen viele Veranstaltungen in Stuttgart besuchen, um sich als externer Kandidat in der Stadt bekanntzumachen. Stattdessen läuft der Wahlkampf laut Nopper nun erst mal „auf digitaler Sparflamme“.

Als Nachteil für seine Wahlchancen sieht er das aber nicht: „Sollte nach der Sommerpause wieder eine gewisse Normalität einkehren, wäre das immer noch eine angemessene Wahlkampfzeit.“ In jedem Fall dürften die digitalen Kanäle in diesem Wahlkampf eine wesentlich größere Rolle spielen als bei früheren Wahlen, prophezeit der CDU-Kandidat.

Seit einem negativen Coronatest am vergangenen Mittwoch darf Frank Nopper nun wieder unter die Leute, aber er hat festgestellt, dass ihm mancher aus Angst vor Ansteckung noch ausweicht. Gespräche mit Schutzmaske und Sicherheitsabstand sind ohnehin nicht Noppers Ding: „Man ist irgendwie gehemmt. Das ist alles ein bisschen mit angezogener Handbremse“, findet er. Langfristig könnte es für ihn deshalb sogar von Vorteil sein, dass er die Krankheit schon hinter sich hat und damit zunächst einmal als immun gegen das Coronavirus gilt. „So kann ich vielleicht etwas sorgenfreier sein, aber eine Garantie, dass ich immun bin, gibt es natürlich nicht.“

Info

Nach acht Wochen Sitzungspause kommt der Backnanger Gemeinderat am kommenden Donnerstag um 18 Uhr erstmals wieder zusammen. In den vergangenen Wochen hatte die Verwaltung in Telefon- und Videokonferenzen Kontakt zu den Fraktionsvorsitzenden gehalten.

Um die Abstandsregeln einhalten zu können, findet die Sitzung nicht wie üblich im Kreisverwaltungsgebäude, sondern im Backnanger Bürgerhaus statt.

Bis auf Weiteres finden in Backnang nur Gemeinderats- und keine Ausschusssitzungen statt. Die Sitzungsdauer ist auf jeweils zwei Stunden begrenzt. Sowohl die Stadträte als auch Zuschauer und Pressevertreter sollen einen Mundschutz tragen.

Behandelt werden sollen laut OB Nopper vorerst nur Themen, die keinen Aufschub zulassen, weil etwa Aufträge vergeben oder Fristen eingehalten werden müssen.

Welche finanziellen Auswirkungen die Coronakrise auf die Finanzen der Stadt haben wird, kann Nopper noch nicht beziffern. „Wir müssen aber mit Einbußen von mehreren Millionen rechnen“, so der OB. Genaueres werde die Steuerschätzung zeigen, die bis Anfang Juni vorliegen soll. Es sei deshalb möglich, dass geplante Investitionen verschoben werden müssen. Am Zeitplan für den Neubau der Karl-Euerle-Halle will Nopper allerdings festhalten, da die Planungen schon weit fortgeschritten seien und der Landeszuschuss von rund 600000 Euro sonst verfallen würde.

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Erstellt:
5. Mai 2020, 06:00 Uhr

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