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Geteilte Meinungen zur Corona-App

Seit gestern gibt es die lange erwartete Corona-Warn-App des Bundes. In sie wurden große Hoffnungen gesetzt. Doch viele Menschen haben Bedenken zur Sicherheit ihrer Daten und der Sinnhaftigkeit. Auch die Meinung der Backnanger ist gespalten.

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist seit Dienstag verfügbar. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist seit Dienstag verfügbar. Fotos: A. Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Die Corona-Warn-App des Bundes wurde nach mehreren Monaten Entwicklung gestern freigeschaltet. Sie soll die Rückkehr zur Normalität unterstützen und die Verfolgung von Infektionsketten erleichtern. Lange gab es Bedenken von Verbraucherschützern zum Thema Datenschutz und Datenspeicherung, die nun nicht mehr bestehen. Kritik an der App gibt es nach der Veröffentlichung nun vielmehr an der technischen Umsetzung. Die App erfasst über Bluetooth, welche Smartphones einander nahe gekommen sind, und kann Nutzer warnen, wenn sie sich einem Infektionsrisiko ausgesetzt haben. Doch für die Messung von Entfernungen war die Bluetooth-Funktion eigentlich nicht gedacht. Es könnten also auch Fehlalarme entstehen, wenn Smartphones nicht erkennen, dass sich zwischen zwei Nutzern zum Beispiel eine Glasscheibe befindet. Auch die Backnanger haben unterschiedliche Meinungen zur Corona-App.

Bruno Manzo

© Alexander Becher

Bruno Manzo

Bruno Manzo (66), Backnang: „Ich habe mir schon überlegt, ob ich mir die App hole. Und aktuell habe ich das auch vor. Denn ich glaube, das kann schon helfen, wenn sie von den Virologen kommt und auch empfohlen wird. Viel spricht eigentlich nicht dagegen. Ich mache mir zwar schon etwas Sorgen um meine Daten, aber da muss man einfach abwägen, was wichtiger ist. Und wenn die App hilfreich ist, werden es, glaube ich, auch sehr viele machen.“

Annegret Daynes

© Alexander Becher

Annegret Daynes

Annegret Daynes (70), Backnang: „Mein Mann und ich haben uns die App gleich heute früh heruntergeladen, weil wir so einfach uns selbst und andere schützen wollen. Es heißt ja immer, dass es nur klappt, wenn möglichst viele mitmachen. Deshalb sind wir dabei und wir hoffen, dass auch viele andere sich die App holen. Aber ich bin mir da nicht so sicher, ob das auch viele machen. Dabei war es sehr einfach, die App zu finden und herunterzuladen. Dass das angeblich so problematisch sein soll, können wir überhaupt nicht bestätigen. Jeder, der sich sonst irgendwelche Apps auf sein Handy herunterlädt, bekommt das mit der Corona-App auch hin. Man muss ja nur nach Corona-Warn-App und RKI suchen, dann findet man sie sofort. Zumindest wenn es das Handy mitmacht, ist das Installieren also kein Problem.“

Deborah Weingärtner

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Deborah Weingärtner

Deborah Weingärtner (17), Großaspach: „Ich glaube nicht, dass ich mir die App herunterladen will. Ich will eigentlich gar nicht wissen, wenn ich in der Nähe von jemand war, der sich infiziert hat. Um meine eigenen Daten geht es mir dabei weniger. Da wäre es mir eigentlich egal, wer die Informationen hat, solange mich niemand daheim abholt oder so was. Aber ich glaube, einige Leute werden sich die Warn-App holen, einfach weil sie wissen wollen, ob jemand Ansteckendes in ihrer Nähe war.“

Andreas Bitz

© Alexander Becher

Andreas Bitz

Andreas Bitz (41), Waiblingen: „Ich habe heute früh im Radio schon mitbekommen, dass es die App seit heute gibt, aber ich habe nicht wirklich vor, sie mir aufs Handy zu laden. Ich glaube nicht, dass sie wirklich hilfreich ist. Ich glaube, das ist technisch sehr fraglich, ob das so funktioniert. Ich vertraue dem einfach nicht. Ich denke, dass vielleicht die Hälfte der Deutschen sie sich runterladen wird. Bei so was ist es doch immer 50/50, dass die Leute Vertrauen haben.“

Geteilte Meinungen zur Corona-App

© Alexander Becher

Adrian Berger (25), Backnang: „Ich habe nicht vor, mir die App zu installieren. Ich halte nicht viel von der ganzen Coronasache. Ich finde, da wird ein riesen Drama drum gemacht und die App gehört dazu. Aber ich denke, dass sich viele Leute die App downloaden, viele haben auch einfach sehr große Angst vor Corona. Sie wollen sich damit sicher fühlen. Da könnte die App dann schon etwas bringen, aber ich habe keine Angst und brauche sie nicht.“

Peleda Secdejaem

© Alexander Becher

Peleda Secdejaem

Peleda Secdejaem (40), Backnang: „Ich will mir die App wahrscheinlich holen, weil ich denke, es ist gut, wenn man auf dem aktuellen Stand ist und rechtzeitig Bescheid weiß. Insgesamt werden sich wahrscheinlich sehr viele für die App entscheiden, denke ich.“

Umfrage

Haben Sie die Corona-Warn-App des Bundes auf Ihrem Smartphone installiert?

45%
45%
Ja, ich nutze die App bereits.
15%
15%
Ich überlege noch, ob ich die App installieren werde.
40%
40%
Nein, ich werde die App nicht nutzen.
329 abgegebene Stimmen

So funktioniert die Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App soll ermitteln, ob und wie lange Benutzer sich in nächster Nähe zueinander aufgehalten haben. Wenn sie die App auf ihrem Handy installiert und aktiviert haben, können über Bluetooth-Signale Identitätsnummern und Entfernungsdaten zwischen den Smartphones gesendet werden. Das geschieht anonymisiert.

Infiziert sich ein Nutzer mit dem Coronavirus, kann die infizierte Person diese Information an die App weitergeben. Infizierte werden ausdrücklich gefragt, ob sie ihr Testergebnis zur Kontaktnachverfolgung teilen wollen.

Alternativ zu der digitalen Übertragung steht ein Callcenter zur Verfügung, dem Infizierungen gemeldet werden können.

Durch den Abgleich der verschiedenen Identitätsnummern können Personen benachrichtigt werden, die sich zuvor in der Nähe des Infizierten aufgehalten haben.

Dies soll aus Gründen des Datenschutzes über ein dezentrales Speichermodell passieren. Das bedeutet, dass Nutzer nur die Informationen über eine Infizierung von einem Server herunterladen. Die Prüfung der Identitäten und Bewegungsdaten findet also auf dem eigenen Smartphone statt und nicht auf dem Server.

Der Austausch der anonymisierten Kontaktdaten via Bluetooth findet nur dann statt, wenn die Corona-Warn-App freiwillig installiert wurde und der Nutzer dem Datenaustausch aktiv zugestimmt hat.

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Erstellt:
17. Juni 2020, 06:00 Uhr

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