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Gewissheit in knapp 35 Minuten

Für ein vom Land gefördertes Coronaschnelltestverfahren aus Freiburg hat die Firma Harro Höfliger zwei Maschinen produziert

Es wird spannend bis August: Bis dahin soll ein Produkt serienreif sein, das nicht nur in der Coronakrise eine große Rolle spielen könnte. Auch in Allmersbach im Tal wird mitgefiebert. Denn die Harro Höfliger GmbH hat die Produktionsanlagen geliefert, auf denen das Hahn-Schickard-Institut und die Spindiag GmbH in Freiburg ihren Coronaschnelltest herstellen.

Hier zu sehen: Zwei Anlagen von Harro Höfliger in den Reinräumen des Hahn-Schickard-Instituts. Auf diesen Maschinen werden die Testträger mit Reagenzien befüllt und versiegelt. Foto: Höfliger

Hier zu sehen: Zwei Anlagen von Harro Höfliger in den Reinräumen des Hahn-Schickard-Instituts. Auf diesen Maschinen werden die Testträger mit Reagenzien befüllt und versiegelt. Foto: Höfliger

Von Bernhard Romanowski

FREIBURG/ALLMERSBACH IM TAL. Das Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme in Freiburg erhält gemeinsam mit der Freiburger Spindiag GmbH eine Förderung in Höhe von sechs Millionen Euro aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau für ein solches Testsystem. Einfache Bedienung, schnelle und zuverlässige Ergebnisse, und zwar direkt dort, wo sie benötigt werden, verspricht der neue Test.. Sogenannte Vor-Ort-Testsysteme werden gerade jetzt dringend gebraucht: im Einsatz in der Arztpraxis, im Krankenhaus, in Alten- und Pflegeheimen, in Abstrichzentren oder überall dort, wo ein Testergebnis binnen kürzester Zeit gefragt ist.

„Ob eine Person mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert ist, lässt sich damit innerhalb von 30 bis 40 Minuten bestimmen. Das System zeichnet sich vor allem durch die einfache und sichere Testdurchführung aus. Der Tupfer, mit dem der Nasen- oder Rachenabstrich vorgenommen wird, wird direkt in die Kartusche eingeführt“, heißt es vonseiten des Freiburger Instituts Hahn-Schickard. Es sei somit keine weitere Arbeit mit der Patientenprobe notwendig, sodass das Kontaminations- und Infektionsrisiko für das Personal minimiert werde. Auf dem Gebiet der Schnelltestverfahren tummeln sich aber auch noch andere Player, wie die Akteure auf dem wirtschaftlichen Markt auch genannt werden. Unter ihnen findet sich namhafte Konkurrenz schwäbischer Provenienz: Der Bosch-Konzern hat ebenfalls einen Schnelltest angekündigt, der laut Fachpresse in diesem Monat fertig werden soll. Allerdings brauche das Bosch-System rund zweieinhalb Stunden für die Analyse, wie aus Fachkreisen zu hören ist.

Schnelligkeit, Präzision und Preis sprechen laut Ministerium für das Freiburger Modell

„Die von Professor Dr. Roland Zengerle und dem von ihm geleiteten Hahn-Schickard-Institut für Mikroanalysesysteme in Freiburg über einige Jahre entwickelte Mikrofluidikstruktur erlaubt es nicht nur, schneller und mit höherer Präzision als mit anderen Produkten zu messen. Diese Technologie erschließt auch eine zukünftige Multiplexfähigkeit des Systems in Bezug auf weitere Erreger“, lautet eines der Argumente des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums, die Freiburger Lösung mit sechs Millionen Euro zu unterstützen.

So könnten etwa auch mutierte Coronaviren parallel getestet werden. Als weiterer Vorteil des Verfahrens gilt, dass die Produktion der nur aus zwei Teilen bestehenden Analyseträger deutlich kostengünstiger sei als bei anderen Systemen, die auf Testkartuschen aus mehr Einzelteilen basieren.

Hergestellt wird der Schnelltest auf Produktionsanlagen, die aus dem Hause Harro Höfliger nach Freiburg geliefert wurden. „Dieser Schnelltest auf Discbasis hat Ähnlichkeit mit einer CD-ROM“, erklärt Dieter Haberzettl, der Leiter der Abteilung Diagnostic Technology bei Harro Höfliger. Die Flüssigkeiten können darin kontrolliert fließen. Das Diagnosegerät, in das die Testeinheit geschoben wird, sehe wiederum aus wie ein überdimensionaler CD-Player. In die Testeinheiten können zwei Halbschalen eingelegt werden. Dadurch würden Doppeltests mit einem Ergebnis nach rund 35 Minuten ermöglicht, so Haberzettl weiter. Die Produktionseinheiten zur Herstellung der Testdiscs wurden bereits vor knapp drei Jahren bei Harro Höfliger entwickelt und produziert. Sie wurden auf höchstmögliche Flexibilität hin konzipiert, was den Anwendungsbereich angeht. Die Stückzahl an Schnelltests, die sich darauf herstellen lassen, ist noch nicht auf Masse ausgelegt, sondern reicht vorerst für die Markteinführung.

Später werden die Dosierstationen für die Aufbringung der notwendigen Reagenzien noch verdoppelt. Durch einen zweiten Dosierkopf sollen sich dann später auch andere Erreger als das Coronavirus oder dessen Mutationen mit dem Test nachweisen lassen. Jeder Arzt und jedes Krankenhaus wolle diese Tests haben, denn die Tests im eigenen Labor oder das Einschicken der Proben entfalle, so Haberzettl weiter. In wenig mehr als einer halben Stunde werde ersichtlich, ob eine Person unter Quarantäne gesetzt werden soll. So werde verhindert, dass der Betrieb ganzer Stationen lahmgelegt werden muss.

Wie ein CD-Player liest das Diagnosegerät (hinten) die Testeinheit in Discform aus. Foto: Spindiag

Wie ein CD-Player liest das Diagnosegerät (hinten) die Testeinheit in Discform aus. Foto: Spindiag

Info

Bis 2015 konnte Hahn-Schickard die Testträger nur in kleinen Chargen bis 100 Stück produzieren. Mehr Kapazität schafft jetzt eine Pilotlinie für Kleinserien, für die Harro Höfliger zwei Maschinen lieferte. In diesen dosiert eine Pipettierstation bis zu 16 trockenbare Reagenzien sowie Magnetpartikel auf die vorstrukturierten Discs. Nach dem Trocknungsschritt und Einlegen von Cryo-Pellets werden im Pro-Seal-Modul die Testträger mit kleberbeschichteten oder thermischen Siegelfolien dicht verschlossen. (Quelle: Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH)

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Erstellt:
24. April 2020, 06:00 Uhr

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