Impfungen in Heimen haben begonnen

In Alten- und Pflegeheimen sind seit Sonntag mobile Impfteams im Einsatz, um besonders vulnerable Gruppen sowie die Mitarbeiter zu impfen. Auch im Alexander-Stift und im Staigacker geht es los, die Bereitschaft der Bewohner ist groß.

Gryta Alscher vom mobilen Impfteam verabreicht einer Mitarbeiterin im Staigacker den Coronaimpfstoff. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Gryta Alscher vom mobilen Impfteam verabreicht einer Mitarbeiterin im Staigacker den Coronaimpfstoff. Foto: J. Fiedler

Von Kristin Doberer

BACKNANG/ASPACH. Die große Hoffnung im Kampf gegen die Coronapandemie kam gestern in ganz kleinen Glasfläschchen im Alten- und Pflegeheim Staigacker an. Gerade mal so groß wie zwei Finger ist der Behälter für den so lange erwarteten Impfstoff – damit können fünf bis sechs Personen geimpft werden. Der Impfstoff kommt in Kühlboxen und wird von mobilen Impfteams des Landes Baden-Württemberg in die jeweiligen Heime gebracht. Gestern wurden die ersten 20 Bewohner und 16 Mitarbeiter im Staigacker geimpft, heute sollen noch einmal 35 folgen. Die Bewohner bekamen die Impfung direkt in ihren Zimmern. Das mobile Impfteam bestand aus zwei Ärzten und zwei Assistenten der Malteser, die sich um das organisatorische und die nötigen Dokumente kümmerten. Vor der Impfung führte der Arzt mit den jeweiligen Personen ein Patientengespräch, dann gab es die Impfung und anschließend sollten die Geimpften sich etwa 15 Minuten unter Aufsicht ausruhen. Für die Mitarbeiter gab es dazu einen separaten Ruheraum. „Wir sind froh, dass es bei uns so zügig losgeht“, sagt Sabine Laible, die stellvertretende Geschäftsführerin. „Wir freuen uns, dass unsere Bewohner und Mitarbeiter die Chance zur Impfung haben.“

Die Impfung selbst ist kostenlos und freiwillig, alle Bewohner beziehungsweise deren Bevollmächtigte müssen ihr Einverständnis erteilen. Wie es nun im Staigacker weitergeht, ist deshalb noch nicht ganz klar, da bisher noch nicht von allen Bewohnern das Einverständnis zum Impfen vorliegt. „Wir hoffen, dass das bis nach Silvester passiert, damit wir weitere Termine planen können“, sagt Laible.

Das Alexander-Stift in Aspach war das erste Heim im Kreis, in dem am Sonntag geimpft wurde.

Die ersten Impfungen im Kreis fanden allerdings schon am Sonntag statt. Auftakt war der Einsatz eines mobilen Impfteams im Aspacher Alexander-Stift. Geimpft wurden 16 Bewohner zwischen 73 und 98 Jahren sowie zwölf Mitarbeiter. Glück hatten außerdem noch drei Bewohner in separaten Wohngruppen. Denn drei Impfdosen blieben am Sonntag übrig und wurden spontan drei Bewohnern geimpft, die sich einverstanden erklärt haben. „Es waren einige Bewohner, die sich impfen lassen wollten“, sagt Hannah Kaltarar von der Diakonie Stetten. „Bei den Mitarbeitern war etwa die Hälfte bereit, einige wollen zunächst noch etwas abwarten.“ Auch im Alexander-Stift wurden die Bewohner auf ihren jeweiligen Zimmern geimpft, für die Mitarbeiter wurde ein separater Raum vorbereitet. Die Impfung der 31 Personen dauerte den gesamten Nachmittag, das Impfteam war von 13 bis 20 Uhr im Einsatz. Das dauerte deshalb so lange, weil vor jeder Impfung ein persönliches Beratungsgespräch stattfand. Etwa 30 Minuten hat das Gespräch gedauert, in den offene Fragen geklärt wurden, alle möglichen Nebenwirkungen besprochen wurden und die allgemeine Aufklärung zur Impfung stattfand. Auch die verschiedenen Krankheitsbilder und Medikamente der Bewohner wurden besprochen. Für die Folgeimpfung, die nötig ist, um ausreichend Schutz zu bieten, wurde auch schon ein Termin ausgemacht. Am 17. Januar wird erneut ein mobiles Impfteam in das Heim kommen und die zweite Dosis verabreichen.

Die mobilen Impfteams sind organisatorisch an die jeweiligen Impfzentren angebunden; da im Moment nur die zentralen Impfzentren in Betrieb sind, werden die mobilen Impfteams im Rems-Murr-Kreis von Stuttgart aus organisiert. Dort wird entscheiden, wann welche Einrichtung drankommt. Die Impfzentren kontaktieren dann die Heime. Nach vorheriger Terminabsprache suchen die Impfteams dann die Alten- und Pflegeeinrichtungen auf, um die dort lebenden Personen vor Ort zu impfen.

Auch das Personal kann dabei mitgeimpft werden. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffs zu Beginn der Impfungen muss priorisiert werden. Für ältere Menschen, die noch zu Hause leben und dort gepflegt werden, die aber nicht selbst in ein Impfzentrum gehen können, gibt es derzeit noch keine Möglichkeiten, ein Impfteam zu organisieren. Das liegt an der aktuell sehr begrenzten Zahl der Impfdosen. In der eigenen Häuslichkeit ist das Ansteckungsrisiko aber auch deutlich geringer als in Alten- und Pflegeheimen.

Und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis auch die breite Masse an die Impfung kommt, selbst Personen über 80 Jahre müssen sich gedulden. Denn noch ist der Impfstoff in nur kleinen Mengen verfügbar. Die wenigen Impftermine in den zentralen Impfzentren sind schon für Wochen vergriffen und selbst wenn das Kreisimpfzentrum in Waiblingen-Mitte im Januar öffnet, werden nur wenige Termine vergeben werden können. Denn in den ersten Wochen stehen dem Zentrum in der Waiblinger Rundsporthalle nur 975 Dosen pro Woche zu. Da immer zwei Impfungen nötig sind, muss dieseZahl quasi noch halbiert werden. „Es können zunächst nur 487 Menschen pro Woche geimpft werden“, sagt Martina Keck, Sprecherin des Landratsamts Rems-Murr-Kreis. Und mit diesen Dosen sollen dann auch die mobilen Teams in die Heime gehen. „Ursprünglich geplant waren 750 pro Tag.“ Deshalb sind im Moment gar keine Terminvergaben mehr möglich. „Vielleicht wird es besser, wenn noch ein Impfstoff von einer zweiten Firma, zum Beispiel Moderna, dazukommt“, hofft Keck.

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Erstellt:
30. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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