Impfzentrum schließt: Wie geht es weiter?

Der 30. September ist der letzte Impftag im Waiblinger Kreisimpfzentrum. Damit fallen auch die kreiseigenen mobilen Impfteams weg, die in Backnang zum Beispiel das Impfen ohne Termin übernommen haben. Die Stadt will aber trotzdem weitere Impfaktionen organisieren.

Impfen im Technikforum: Solche besonderen Impfaktionen ohne Termin soll es in Backnang auch nach Schließung des Waiblinger Impfzentrums geben. Statt mobiler Impfteams des Kreises organisiert die Stadt selbst die impfenden Ärzte. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Impfen im Technikforum: Solche besonderen Impfaktionen ohne Termin soll es in Backnang auch nach Schließung des Waiblinger Impfzentrums geben. Statt mobiler Impfteams des Kreises organisiert die Stadt selbst die impfenden Ärzte. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

Rems-Murr. Nach achteinhalb Monaten Betrieb wird das Kreisimpfzentrum in Waiblingen am 30. September schließen. Bis 18 Uhr kann man sich an dem Donnerstag noch impfen lassen. Ab dem 1. Oktober beginnt dann der Rückbau, am 15. Oktober wird die Rundsporthalle wieder ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung übergeben. Das heißt: Zweitimpfungen, die in den Oktober fallen, können dort nicht mehr stattfinden. Die Impfungen werden dann noch stärker als bisher durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie die Betriebsärzteschaft durchgeführt, teilt das Sozialministerium mit. Die Coronaimpfungen sollen „wie bei allen anderen Impfungen üblich, wieder vorrangig in die Regelversorgung übergehen“, so der Minister Manne Lucha. Doch der Rems-Murr-Kreis liegt mit seiner Impfquote noch immer im unteren Drittel. Knapp über 57 Prozent der Bürger sind vollständig geimpft, dazu stehen bald die Drittimpfungen in verschiedenen Einrichtungen an – auf die niedergelassenen Ärzte kommt also einiges an Arbeit zu.

Wie gut sind die Hausärzte vorbereitet?

Auf diese Aufgabe sei die Ärzteschaft aber durchaus vorbereitet, meint Jens Steinat, der Pandemiebeauftragte des Kreises. „Wir haben die letzten Monate massiv dazu beigetragen, unsere Patienten und unsere Mitbürger zu impfen.“ Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Rems-Murr-Kreis haben bisher fast 100000 Menschen geimpft. „Also haben wir schon bewiesen, dass wir vorbereitet sind“, ist sich Steinat sicher. Aber das Gelingen der Impfkampagne hänge auch vom Verlauf der vierten Welle ab. Er betont, dass auch die Ärzte eine Belastungsgrenze haben. „Umso höhere Infektionszahlen und damit verbundene höhere Arbeitsbelastung, umso weniger Möglichkeiten zum Impfangebot in den Praxen“, sagt Steinat. Zudem müsse man berücksichtigen, dass die Wintermonate schon immer die höchste Arbeitsbelastung im medizinischen Bereich mit sich bringen. Damit die Impfkampagne weiter vorangeht, müsse nun die Politik für Entlastungen auf Bürokratie- und Verwaltungsebene in den Praxen sorgen. Das monatelange Arbeiten über der Leistungsgrenze hinterlasse Spuren: „Von den ursprünglich über 6800 Praxen impfen aktuell nur noch weniger als die Hälfte. Dies lässt mich leider daran zweifeln, dass im Winter ohne politisches Gegensteuern alles so optimal läuft, wie wir uns das wüschen.“

Noch dazu stehen nun die Drittimpfungen in Einrichtungen an. Unterstützt werden sollen die Ärzte bis Ende Dezember durch 30 mobile Impfteams des Landes, die landkreisübergreifend im Einsatz sein werden. Der Rems-Murr-Kreis soll aus Stuttgart heraus gemeinsam mit den Landkreisen Esslingen und Ludwigsburg bedient werden. Doch das Landratsamt hat seine Zweifel, ob das ausreicht, gerade mit Blick auf die zahlreichen Pflege- und Betreuungseinrichtungen im Landkreis. Deshalb hat Landrat Sigel schon im Sommer gefordert, dass weiterhin kreiseigene mobile Impfteams eingesetzt werden dürfen, auch nach Schließung des KIZ. Diese könnten dann auch in den Schulen eingesetzt werden, um jungen Menschen schnell und einfach ein Impfangebot machen zu können. „Zu den kreiseigenen mobilen Impfteams befindet man sich gerade noch in Gesprächen“, teilt eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage mit. „Wir würden uns eine Zusage natürlich wünschen, weil es einfach besser funktioniert, direkt zu den Leuten zu gehen.“ Sie geht aber davon aus, dass die Frage bis zur endgültigen Schließung des KIZ geklärt ist.

Freies Impfen in Backnang auch ohne KIZ

Die mobilen Impfteams, die an das Kreisimpfzentrum angegliedert waren, fallen mit der Schließung auch weg. Dabei waren gerade diese ein wichtiges Instrument in der Impfkampagne. So waren die mobilen Impfteams des Kreises nicht nur in Senioren- und Pflegeheimen, sondern haben auch viele verschiedene Impfaktionen im Landkreis betreut. Zum Beispiel mehrere Aktionen in Backnang, die von der Bevölkerung sehr gut angenommen wurden. Zu jeder Impfaktionen ohne Termin kamen über 100 Menschen, teilt die Stadt mit. Aufgrund der großen Resonanz will die Stadt Backnang solche Impfaktionen auch nach der Schließung des Kreisimpfzentrums anbieten. „Wir halten es für wichtig, ein einfaches und niederschwelliges Angebot zu machen“, sagt Rechts- und Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer. „Deshalb geht das freie Impfen ohne Termin auch weiter.“ Da das KIZ zum Ende des Monats schließt, hat sich die Stadt bereits mit Ärztinnen und Ärzten zusammengetan. Statt über das Impfzentrum bestellen diese Ärzte den Impfstoff über ihre eigene Praxis. Erste Termine sind auch bereits festgelegt: Am 8. und am 13. Oktober wird im Biegel jeweils von 15 bis 20 Uhr geimpft. Wenn diese Termine gut angenommen werden, will die Stadt noch weitere organisieren. Schade sei aber, dass die Impfwilligen diesmal doch einige Formulare ausfüllen müssen, da nicht mehr auf die EDV des Impfzentrums zugegriffen werden kann. „Zwar ist das dann nicht mehr ganz so unkompliziert wie mit den mobilen Impfteams, aber es geht immer noch sehr schnell“, meint Blumer. Außerdem sei so ein niederschwelliges Angebot besonders für die Menschen wichtig, die keinen Hausarzt haben, meint die Leiterin des Rechts- und Ordnungsamts. Denn es wird befürchtet, dass durch die Schließungen einige Zweitimpfungen ausbleiben, auch wenn Steinat betont: „Wir niedergelassenen Ärzte werden nach unserer Möglichkeit alles unternehmen, auch Menschen ohne eigenen Hausarzt zu versorgen und zu impfen.“

Zweitimpfung bei niedergelassenen Ärzten

Letzter Aufruf „Wer sich spontan und unkompliziert noch vor dem Winter impfen lassen möchte, kann noch bis 30. September in unser Kreisimpfzentrum (KIZ) kommen – ohne Termin“, betont Landrat Sigel.

Zweitimpfung Menschen, die die erste Impfung im KIZ oder bei einer Aktion durch die mobilen Impfteams erhalten haben und deren Zweitimpfung in den Oktober fällt, müssen selbst einen Termin bei ihrem Hausarzt vereinbaren.

Ungültige Termine Eventuell bestehende Impftermine nach dem Ende der Laufzeit des KIZ sind ungültig, auch falls E-Mail-Erinnerungen durch die Terminsoftware versandt werden.

Richtiger Abstand Wer seinen zweiten Termin beim Hausarzt vereinbart, sollte auf den Mindestabstand zwischen Erst- und Zweitimpfung für die verschiedenen Impfstoffe achten. Bei Biontech beträgt der Abstand drei Wochen, bei Moderna vier und bei Astrazeneca neun Wochen. Der Termin sollte zwei Wochen vor der fälligen Impfung mit der Arztpraxis vereinbart werden. So kann die Praxis die entsprechenden Impfstoffmengen bestellen und die Impftermine so planen, dass kein Impfstoff verfällt.

Kein Hausarzt Wer keine Hausarztpraxis hat, kann auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung über die Coronakarte eine Schwerpunktpraxis in der Nähe finden und dort einen Termin vereinbaren.

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Erstellt:
23. September 2021, 09:22 Uhr

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