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Kaum jemand will Geld aus dem Coronahilfsfonds

Zwei Wochen vor Ablauf der Frist sind erst vier Förderanträge bei der Backnanger Bürgerstiftung eingegangen.

Symbolfoto: Stock Adobe / Gina Sanders

© Gina Sanders - stock.adobe.com

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1 Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Vor einem Monat hatte der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper zusammen mit dem Vorstand der Bürgerstiftung die Idee eines Coronahilfsfonds vorgestellt. Mit Spendengeldern und städtischen Mitteln sollte Vereinen und Kleinunternehmen geholfen werden, die unter den Folgen der Pandemie besonders zu leiden haben. Nopper hatte dabei etwa die Vereine im Blick, die sonst immer einen Stand auf dem Straßenfest haben und dieses Jahr auf die Einnahmen verzichten müssen.

Zum Start ging Nopper gleich mit gutem Beispiel voran und spendete 1000 Euro aus eigener Tasche. Auch Erster Bürgermeister Siegfried Janocha, der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber und mehrere Stadträte unterstützten den Hilfsfonds. Unsere Zeitung stellte ihren BKZ-Solo-Laufcup in den Dienst der guten Sache, außerdem hat die Bürgerstiftung gestern mit dem Verkauf eines „Bürgerweins“ begonnen (siehe Infobox).

Laut Ulrich Schielke liegt das Spendenbarometer inzwischen bei rund 13000 Euro. Zwar hat der Vorsitzende der Bürgerstiftung Zweifel, ob die von Nopper ausgerufene Zielmarke von 40000 Euro erreicht werden kann, etwa 20000 Euro hält aber auch er für realistisch. Mit den Spenden sollen Vereine und gemeinnützige Organisationen in Not gefördert werden. Hinzu kommen noch einmal 30000 Euro aus dem städtischen Haushalt, die an Betriebe mit maximal fünf Mitarbeitern gehen sollen. Im Moment ist allerdings fraglich, ob dieses Geld überhaupt verteilt werden kann, denn die Nachfrage nach dem Hilfsfonds ist überschaubar. Bis gestern hatten gerade mal drei Vereine und Organisationen einen Förderantrag gestellt, bei den Unternehmen war es nur ein einziges.

Über die Gründe kann Ulrich Schielke nur spekulieren: Er vermutet, dass es sich noch nicht überall herumgesprochen hat, dass es Geld zu verteilen gibt. Außerdem seien nun auch noch die zweiwöchigen Pfingstferien in diese Zeit gefallen. Auch Frank Nopper, der die Idee mit dem Hilfsfonds hatte, ist verwundert: „Die vergleichsweise geringe Zahl von Anträgen überrascht mich.“ Er glaube aber nicht, dass das am fehlenden Bedarf liege. „Vielmehr habe ich den Eindruck, dass der Coronahilfsfonds noch nicht bekannt genug ist“, erklärt der OB.

Die Erfahrungen decken sich mit denen, die man auch in Welzheim gemacht hat. Dort hatten drei örtliche Unternehmen insgesamt 32000 Euro für einen Coronahilfsfonds zur Verfügung gestellt, doch es meldete sich zunächst niemand, der dieses Geld haben wollte. Die Stadt verlängerte daraufhin die Antragsfrist um zwei Wochen. Mittlerweile seien immerhin neun Förderanträge eingegangen, berichtet Bürgermeister Thomas Bernlöhr. Wichtig war aus seiner Sicht, dass man noch einmal darauf hingewiesen habe, dass die Namen der Hilfsempfänger nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Selbst Bernlöhr selbst und die Gemeinderäte, die über die Verteilung der Mittel entscheiden, bekommen die Anträge nur anonymisiert zu sehen.

Vertraulichkeit sichert Ulrich Schielke auch den Hilfsempfängern in Backnang zu. Abgesehen von dem Gremium aus Vorstand und Stiftungsrat der Bürgerstiftung, das über die Anträge entscheidet, werde niemand erfahren, wer Geld aus dem Fonds bekommen habe. Außerdem stellt Schielke noch einmal klar, was gemeint ist, wenn in den Förderrichtlinien steht, die Antragsteller müssten durch die Coronakrise in ihrer Existenz bedroht sein. „Das bedeutet nicht, dass der Betrieb oder Verein vor der Insolvenz stehen muss“, betont Schielke. Auch wenn akute Gefahr erst droht, wenn die Einnahmeausfälle noch länger anhalten, sei eine Förderung möglich. Im Übrigen würden Rücklagen, die etwa für Investitionen angelegt wurden, bei der Einkommensprüfung nicht berücksichtigt.

Noch bleibt den Backnanger Unternehmen und Vereinen bis zum 30. Juni Zeit, um Geld aus dem Hilfsfonds zu beantragen. Sollte die Resonanz weiterhin verhalten sein, kann sich Schielke vorstellen, dass die Frist auch noch mal verlängert wird. Sollte es am Ende immer noch zu wenige Interessenten geben, um alles Geld zu verteilen – die Förderung ist auf 3000 Euro pro Fall begrenzt –, muss sich die Bürgerstiftung Gedanken machen, wie sie das Geld anderweitig im Sinne der Spender einsetzen kann.

Noch hat Ulrich Schielke aber Hoffnung, dass sich genügend Betroffene aus der Deckung wagen: „Die Vereine sollen ruhig den Mut haben und einen Antrag stellen, denn wir wollen, dass sie weiterhin ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Backnang leisten können.“

Wer eine Förderung aus dem Hilfsfonds beantragen oder den Fonds mit einer Spende unterstützen will, findet das Antragsformular, die Bankverbindung
und weitere Informationen unter https://bit.ly/2zz91fn

Kaum jemand will Geld aus dem Coronahilfsfonds

„Ich habe den Eindruck, dass der Coronahilfsfonds noch nicht bekannt
genug ist.“

Frank Nopper

Oberbürgermeister

Bürgerwein

In Zusammenarbeit mit den Fellbacher Weingärtnern hat die Backnanger Bürgerstiftung einen „Bürgerwein“ aufgelegt. Vom Verkaufspreis von 6,40 Euro pro Flasche fließt jeweils ein Euro in den Coronahilfsfonds für die Backnanger Vereine.

Es handelt sich um einen frischen Sommerwein, nämlich um einen Trollinger mit Lemberger, weiß gekeltert (blanc de noir). Das Etikett wurde vom Backnanger Grafiker Hellmut G. Bomm gestaltet. Verkauft wird er im Weinhaus Haar, im BK-Shop in der Stadtinfo und in der Getränke-Galaxie Kugler in Weissach im Tal.

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Erstellt:
16. Juni 2020, 06:00 Uhr

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