Kein Sonntagseinkauf in diesem Jahr

Die beiden Backnanger Traditionsveranstaltungen Tulpenfrühling und Gänsemarkt wurden bereits coronabedingt gestrichen. Und damit auch die beiden verkaufsoffenen Sonntage. Einen Ersatz wird es nicht geben, allerdings eine ganze Reihe Alternativen.

Einen verkaufsoffenen Sonntag wie beispielsweise in den letzten Jahren im Rahmen des Gänsemarkts wird es in diesem Jahr in Backnang nicht geben. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Einen verkaufsoffenen Sonntag wie beispielsweise in den letzten Jahren im Rahmen des Gänsemarkts wird es in diesem Jahr in Backnang nicht geben. Archivfoto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

BACKNANG. Coronabedingt hat in diesem Jahr auch der Einzelhandel – mit Ausnahmen – zum Teil starke Einbußen hinnehmen müssen. Auch deshalb, weil umsatzstarke verkaufsoffene Sonntage abgesagt worden sind. Aus Politik und Wirtschaftskreisen gibt es vereinzelt Rufe, den hart von der Coronakrise getroffenen Einzelhandel durch zusätzliche verkaufsoffene Sonntage zu stärken. Für sicherere Termine zur Sonntagsöffnung seiner Geschäfte will der Handel bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. „Wir sind entschlossen, Verfassungsbeschwerde einzureichen, um Rechtsklarheit zu bekommen“, wird Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland, von Medien zitiert.

Die Oberbürgermeister aus Tübingen, Schwäbisch Gmünd und Schorndorf, Boris Palmer, Richard Arnold und Matthias Klopfer, fordern die baden-württembergische Landesregierung auf, in der Advents- und Weihnachtszeit den Sonntagsverkauf zu ermöglichen. „Wir müssen alles tun, um den Einzelhandel in der Coronazeit zu unterstützen und damit unsere Innenstädte am Leben zu halten“, sagen die drei OBs. Sie seien in großer Sorge um die Innenstädte. Klassische Weihnachtsmärkte seien aufgrund der aktuellen Lage nicht möglich. Hinzu kämen wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, aber auch die weiter zunehmende Konkurrenz durch den Online-Handel.

Wie sieht es in Backnang aus, wo bereits die Traditionsveranstaltung Tulpenfrühling ausgefallen ist und auch der Gänsemarkt abgesagt wurde, der am 25. Oktober hätte stattfinden sollen (wir berichteten)? Damit entfallen in diesem Jahr nämlich auch die beiden einzigen, vom Gemeinderat genehmigten verkaufsoffenen Sonntage. „Die Stadt Backnang als auch der Stadtmarketingverein haben in diesem Jahr aktuell keine verkaufsoffenen Sonntage geplant“, sagt Simon Köder. „Dafür werden andere Aktionen wie das weihnachtliche Backnang verstärkt“, so der Leiter der Geschäftsstelle des Stadtmarketingvereins weiter.

Die Pandemie und die damit verbundenen Verpflichtungen hinsichtlich Infektionsschutz stellen die gesamte Veranstaltungsbranche vor große Herausforderungen, sagt Köder. Auch der Handel sei in der aktuellen Zeit in seiner einladenden Art sehr eingeschränkt. „Aus diesem Grund bieten wir vom Stadtmarketingverein stets alternative Angebote zu den momentan nicht möglichen Großveranstaltungen wie den verkaufsoffenen Sonntagen“, so der Stadtmarketingsprecher. Als Beispiel nennt Köder die Backnanger Entdecker-Tour, die die Stadt als eine coronakonforme Alternative zum Backnanger Kinderfest durchgeführt hat, das in diesem Jahr ebenso abgesagt werden musste. Zudem denkt der Stadtmarketingverein über eine Handelsaktion mit einem verlängerten Einkaufsabend nach.

Keine Frage, die zwei jährlich stattfindenden verkaufsoffenen Sonntage in Backnang, der Tulpenfrühling und der Gänsemarkt, ziehen als Veranstaltungsformat Tausende Menschen aus dem Umkreis nach Backnang. Diese Strahlkraft ins Umland und die hohe Kundenfrequenz an diesen Tagen in der Stadt machen es für die Händler und für externe Aussteller interessant. Aber Köder stellt auch für den Stadtmarketingverein fest: „Ob eine reine Sonntagsöffnung ohne eine begleitende Veranstaltung als Besuchermagnet den gewünschten wirtschaftlichen Effekt bringen würde, ist sicherlich auch immer in einer Einzelbewertung abzufragen.“

Der Vorstand des Stadtmarketings Backnang ist sich einig: „Eine gewisse Flexibilität der Ladenöffnungszeiten in Zeiten von Corona wäre sicherlich sinnvoll. So könnte man gemeinsam mit den Händlern und in Abstimmung mit den Kirchen eine verlängerte Verkaufsöffnung anbieten.“ Aber Vereinsvorsitzende Sigrid Göttlich und Vorstand Martin Windmüller, der im Verein für den Einzelhandel und die Gastronomie spricht, weisen auch auf folgenden Aspekt hin: „Die Weihnachtszeit ist für die Händler und Angestellten im Einzelhandel eine sehr arbeitsintensive Zeit. Daher sehen wir als Stadtmarketingverein, auch mit Rücksicht auf die Angestellten, diese Zeit nicht als geeignet an für zusätzliche Sonntagsöffnungen.“ Viel mehr seien Vermarktungsformate wie das weihnachtliche Backnang wichtig, um die Frequenz und das Kaufinteresse zu dieser Zeit zu unterstützen. „Es gibt Überlegungen, dass wir in der Adventszeit zusätzliche Shopping-Abende durchführen werden.“

„Wir möchten immer zum Wohlwollen unserer Gäste und Besucher agieren, in dieser außergewöhnlichen Zeit insbesondere zum Schutz von uns allen“, sagt Göttlich. Und Windmüller fügt unmissverständlich hinzu: ,,Wir sollten nicht mit einer kurzfristigen Umsatzmaximierung durch Sonderveranstaltung liebäugeln. Wichtig ist es, dass wir einen weiteren Lockdown mit einer damit verbundenen Ladenschließung vermeiden.“

Kein Sonntagseinkauf in diesem Jahr

© Alexander Becher

„Wichtig ist, dass wir einen weiteren Lockdown mit einer damit verbundenen Ladenschließung vermeiden.“

Martin Windmüller, Vorstand im Stadtmarketing

Drei Sonntage sind möglich

Grundsätzlich müssen verkaufsoffene Sonntage an einen Anlass, etwa Stadtfeste, Messen oder Märkte, geknüpft sein. Doch auch die Belebung von Stadtzentren oder Innenstädten sowie die Stärkung des stationären Einzelhandelsangebots können als Gründe gelten.

Laut Bundesgesetz darf jedes Bundesland maximal vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr veranstalten. Baden-Württemberg erlaubt allerdings nur drei Termine.

Die Dauer von verkaufsoffenen Sonntagen ist in der Regel auf fünf Stunden begrenzt. Viele Bundesländer halten diese Regelung aber für nicht zeitgemäß. Es gibt deshalb bereits viele Ausnahmen.

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Erstellt:
14. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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