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Kliniken richten Testlabor für Mitarbeiter ein

Nicht alle Beschäftigten werden getestet, sondern nur Verdachtsfälle – Ein Drittel des Coronatherapieteams infiziert

 Hauptgrund für die Einrichtung eines internen Labors ist die Schnelligkeit der Testergebnisse. Foto: B. Büttner

© Benjamin Büttner

Hauptgrund für die Einrichtung eines internen Labors ist die Schnelligkeit der Testergebnisse. Foto: B. Büttner

Von Nils Graefe

WINNENDEN. Die Rems-Murr-Kliniken haben für Beschäftigte ein eigenes Coronatestlabor am Standort Winnenden eingerichtet. „In dem internen Labor können bis zu 50 Tests in der Woche, also zehn Tests pro Tag, innerhalb kürzester Zeit ausgewertet werden“, sagt Monique Michaelis, Sprecherin der Kliniken.

Das sei der Hauptgrund für die Einrichtung eines internen Labors: die Schnelligkeit der Testergebnisse. Einen Mundabstrich erst in ein externes Labor zu schicken und von dort das Testergebnis zurückzubekommen, dauert momentan ein bis zwei Tage. So wie bei den Abstrichen, die im Coronatestzentrum in Schorndorf von Patienten genommen und an die Labore der Synlab – Medizinisches Versorgungszentrum Leinfelden-Echterdingen GmbH geschickt werden. „Wir testen in unserem internen Labor aber nur Mitarbeiter mit Kontakt zu Coronakranken und die selbst Symptome haben, also nach den Testkriterien des Robert-Koch-Instituts. So können wir beispielsweise jemanden von der Covid-19-Station oder dem Schorndorfer Testzentrum, der in der Spätschicht eingeteilt ist, am Morgen aber Symptome hat, selbst testen und das Ergebnis ist nach wenigen Stunden da. Ist der Test positiv, tritt er den Dienst in der Spätschicht nicht an, weitere Infektionen werden verhindert, Kollegen und Patienten so geschützt.“

Bei internen Tests sei bislang herausgekommen, dass rund ein Drittel des Coronatherapieteams der Kliniken, Ärzte und Pflegekräfte, sich infiziert hat: insgesamt rund 25 Personen (Stand: 23. April). Die Rems-Murr-Kliniken haben 2500 Beschäftigte, beide Standorte zusammengerechnet. Bedauerlicherweise sei Corona ein Virus, bei dem es auch bei medizinischem Personal trotz höchster Hygienestandards zu Infektionen kommen könne. Zudem kann sich auch Klinikpersonal im privaten Umfeld anstecken. Doch weil das Coronatherapieteam völlig getrennt von den anderen Mitarbeitern und Patienten arbeitet, habe so gut wie kein Risiko für andere bestanden. „Wir haben die Betroffenen vor zirka zwei Wochen durch intensives Testen bemerkt und die betroffenen Mitarbeiter umgehend isoliert und auch Kontaktpersonen getestet“, sagt Michaelis. „Damit konnten wir die Infektionskette schnell durchbrechen. Außerdem haben wir unsere Schutzmaßnahmen überprüft, die Mitarbeiter erneut geschult und für das Thema sensibilisiert. Durch die Tests der Mitarbeiter konnten wir feststellen, dass wir die Ausbreitung erfolgreich eingedämmt haben.“

Rund die Hälfte der 25 Infizierten sind bereits genesen, aus der häuslichen Quarantäne entlassen und wieder im Dienst. „Nach den Vorgaben und Kriterien des Robert-Koch-Instituts können in der Regel Beschäftigte, die positiv getestet wurden, nach mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit und negativem Test die Arbeit in der Patientenversorgung wieder aufnehmen.“ Zur Einrichtung des internen Testlabors der Kliniken in Winnenden wurde extra mit Expressversand „eine Werkbank der Schutzstufe 2 aus Berlin organisiert, die alle benötigen Kriterien erfüllt, um Tests durchführen zu können. Die Diagnostik wird zum jetzigen Zeitpunkt mit einem von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassenen Gerät eines führenden US-Herstellers durchgeführt.“ Welcher US-Hersteller gemeint ist, wollte Michaelis in Absprache mit der Klinikleitung nicht bekannt geben. „Wir prüfen aber die Zusammenarbeit mit Geräteanbietern aus der Region und holen uns momentan Angebote ein.“

Die Tests im internen Labor erfolgen nach der von der WHO empfohlenen und zertifizierten PCR-Methode. Im Zuge der Polymerase-Kettenreaktion (Polymerase Chain Reaction) wird genetisches Material, zum Beispiel von Viren, von den Mundabstrichen der Testpersonen vervielfältigt, um es besser analysieren zu können. Die PCR-Methode ist laut Labor-Verband ALM e.V. (Akkreditierte Labore in der Medizin) „der Goldstandard“, auch für Coronatests. Die Synlab-Labore in Leinfelden-Echterdingen verwenden ebenfalls die PCR-Methode.

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Erstellt:
25. April 2020, 11:30 Uhr

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