Leere Straßen, leere Plätze

Die Folgen der Ausgangsbeschränkungen sind offenkundig. In Backnang und Murrhardt wirken die Städte wie ausgestorben, wie verlassen.

Leere Straßen, leere Plätze

© Alexander Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG/MURRHARDT. Auf den ersten Blick sehen die Innenstädte aus wie einem Bilderbuch entsprungen. Kein hektischer Betrieb, kein Verkehr, keine Menschenströme beeinträchtigen das Idyll einer vorweihnachtlichen Stadt. Doch der Hintergrund für die leer gefegten Straßen und Plätze wiegt schwer: die Ausgangssperre, die wegen der dramatischen Coronasituation seit Samstagfrüh in Baden-Württemberg gilt. So werden aus belebten Innenstädten unversehens „Lost Places“ – verlassene Orte.

So bestätigt auch die Polizei, dass am Freitagabend nach Einbruch der Dunkelheit eine deutliche Abnahme des Personen- und Fahrzeugverkehrs zu verzeichnen war. Ab Mitternacht seien nur noch vereinzelt Autos und Fußgänger unterwegs gewesen, teilt das Polizeipräsidium Aalen mit, das für den Rems-Murr-Kreis sowie für den Ostalbkreis und den Kreis Schwäbisch Hall zuständig ist.

Der Fahrzeugverkehr beschränkte sich dabei laut Polizei weitestgehend auf Personen, die sich alleine auf dem Weg von oder zur Arbeitsstelle befanden. Im öffentlichen Personennahverkehr sei das Aufkommen sogar äußerst gering gewesen. Mit Leuten, die sich nicht an die Ausgangssperre hielten, sie der Dialog gesucht worden, man habe sie über die neuen Vorschriften aufgeklärt: „Sie zeigten sich ausnahmslos einsichtig, wobei sich feststellen ließ, dass ihnen die ausgangsbeschränkenden Neuregelungen wohl einfach noch nicht bewusst waren. Keine der Verstöße musste mittels einer förmlichen Anzeige geahndet werden.“

Junge Erwachsene holen noch nach Mitternacht Speisen an Imbissläden.

Ebenfalls feststellen ließ sich, so die Polizei weiter, dass hauptsächlich junge Erwachsene nach Mitternacht unterwegs waren. Sie versorgten sich an Imbissläden oder Schnellrestaurants und konsumierten die Speisen auch in den dortigen Bereichen. Auch hier sei es noch nicht im Bewusstsein der Menschen gewesen, dass die Abholung von Essen nach 20 Uhr nach den Vorschriften der neuen Coronaverordnung keinen triftigen Grund zum Verlassen der Wohnung darstellt.

Ähnliches hat die Polizei auch beobachtet, als die Ausgangsbeschränkungen in der Nacht zum Sonntag zwischen 20 und 5 Uhr kontrolliert wurden. Dazu waren im Präsidiumsbereich über 20 Streifenbesatzungen an über zehn wechselnden Kontrollstellen im Einsatz. Es wurden zudem mobile Kontrollen durchgeführt. Wie am Freitagabend, so verringerte sich auch am Samstagabend der Personen- und Fahrzeugverkehr zusehends, und ab Mitternacht war kaum mehr jemand unterwegs. In dieser Nacht wurden knapp 500 Fahrzeuge und rund 700 Personen kontrolliert. Die Mehrzahl der Kontrollierten konnte laut Polizei einen triftigen Grund vorbringen, warum sie unterwegs waren. Bei knapp einem Fünftel sei dies jedoch nicht der Fall gewesen. In den meisten Fälle sei vorgebracht worden, dass die beschränkenden Regelungen noch nicht genauer bekannt waren. Fazit der Polizei nach der zweiten Nacht: „Allesamt waren einsichtig, förmliche Anzeigen mussten nicht gefertigt werden.“

Die Polizei hatte die Kontrollen im Vorfeld angekündigt. Die Einsatzkräfte würden, so die Polizei weiter, mit dem notwendigen Augenmaß sowie der gebotenen Sensibilität vorgehen.

Weitere Fotos sind in einer Bildergalerie auf www.bkz.de zu sehen.

In der Backnanger Schillerstraße ist keine Menschenseele unterwegs. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

In der Backnanger Schillerstraße ist keine Menschenseele unterwegs. Foto: A. Becher

Komplett leer gefegt präsentiert sich der Marktplatz in Murrhardt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Komplett leer gefegt präsentiert sich der Marktplatz in Murrhardt. Foto: J. Fiedler

Corona im Rems-Murr-Kreis

Am Samstag hat das Gesundheitsamt 186 neue Infektionen mit dem Coronavirus registriert. Weitere 61 Infektionen sind am Sonntag noch dazugekommen. Die Gesamtzahl der Fälle seit Beginn der Pandemie ist damit auf 8424 gestiegen.

Aktuell befinden sich 1174 Erkrankte in Quarantäne, 57 mehr als am Freitag. 88 Genesene konnten gleichzeitig aus der Quarantäne entlassen werden. Die Gesamtzahl der Fälle ist damit auf 7104 gewachsen.

Zwei weitere Todesfälle wurden am Samstag registriert. Insgesamt sind nunmehr im Rems-Murr-Kreis 146 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gestiegen: von 207 am Freitag auf 220 am Samstag und 229 am Sonntag.

Die meisten Infizierten gibt es mit 161 Fällen zurzeit in Schorndorf. In Backnang sind es 120 und in Murrhardt 33.

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Erstellt:
14. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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