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Leeres Haus und unsichere Zukunft

Statements von Theaterchefs, Aufrufe zur Solidarität

Juliane Putzmann (links) und Jasmin Meindl vom Bandhaus Theater Backnang planen ein großes Amateurtheaterfestival. Ob und wann es stattfinden wird, wissen sie nicht. Foto: E. Layher

© Edgar Layher

Juliane Putzmann (links) und Jasmin Meindl vom Bandhaus Theater Backnang planen ein großes Amateurtheaterfestival. Ob und wann es stattfinden wird, wissen sie nicht. Foto: E. Layher

BACKNANG/SPIEGELBERG/AUENWALD (ik). Wie lässt es sich verhindern, dass Kulturstätten nach dem Coronaspuk nicht mehr in der Lage sind, zu öffnen? Zahlreiche Aufrufe zur Solidarität findet man derzeit im Netz. Auch Großerlachs Bürgermeister Christoph Jäger, der zudem als Liedermacher Chris unterwegs ist, postete auf Facebook: „Wenn jetzt Einrichtungen wie Kleinkunstbühnen, Theater, Kinos, Fitnessstudios und so weiter schließen müssen – gibt es allen Ernstes Leute, die als Erstes reflexhaft fragen, ob sie ihren Beitrag oder Ticketpreis zurückbekommen???!!! Und sich dann hinterher wundern, wenn diese uns lieb gewonnenen Einrichtungen zur Freizeitgestaltung und geistigen und körperlichen Ertüchtigung ,nach Corona‘ dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Da hängen Existenzen dran! Klar ist das nicht für alle so einfach, aber einfach mal drüber nachdenken, ob das wirklich in jedem Fall sein muss.“ Manche gehen sogar noch weiter und fordern dazu auf, Karten für abgesagte Termine zu kaufen.

Wie sieht es aber derzeit ganz konkret in den privaten Theatern und Kulturvereinen aus? Hier ein paar Beispiele: Jasmin Meindl, die zusammen mit Juliane Putzmann das Bandhaus-Theater Backnang leitet, sagt: „Wir haben unseren Spielbetrieb eingestellt und die Proben abgesagt für das Theaterstück „Die letzte Sau“, das im April Premiere feiern sollte. Natürlich fehlen uns die Einnahmen. Aber es ist jetzt einfach wichtig, vernünftig zu sein und den Empfehlungen von Politik und Wissenschaft zu folgen. Es ist eine eigenartige Stimmung im Büro: Wir planen für den Herbst ein großes Amateurtheaterfestival, ohne zu wissen, ob und wann es stattfinden wird.“

Juliane Putzmann: „In diesen Zeiten zeigt sich, wie sehr Kunst und Kultur als gesellschaftliches Bindemittel dienen. Die finanziellen Ausfälle sind noch nicht abzusehen, sicher ist jedoch, dass uns die derzeitige Lage auf eine harte Probe stellt. Ruhe bewahren und besonnen handeln ist nun das Beste. So können wir hoffentlich bald wieder gemeinsam im Theater zusammenkommen.“ Thomas Weber vom Kabirinett in Großhöchberg lässt wissen: „Wir haben nur wenige Reserven, und die sind eigentlich auch für unseren Neubau zur Erweiterung unserer Möglichkeiten auf unserem Gelände verplant. Das heißt für uns, nach einem sehr guten Weihnachtsgeschäft folgt ein existenzbedrohendes Frühjahr. Wir wissen noch nicht, wie lange wir durchhalten können. (...) Besonders in unserem Jubiläumsjahr (20 Jahre Kabirinett) ist diese Krise eine bittere Pille. Leider gibt es keine Versicherungen für solche Krisen. Ausfallgagen werden wir weitgehend nicht leisten müssen, da wir unseren Kollegen Ersatztermine anbieten können, aber selbst mit Ersatzterminen kann dieser Verlust nicht ausgeglichen werden. Wir arbeiten schon am Limit unserer Möglichkeiten. (...) Wir sind glücklicherweise in einem Theaterverband und auch mit einigen Politikern im Gespräch. Wir freischaffenden, nicht im Spielbetrieb mit öffentlichen Geldern gestützten Theater müssen auf uns aufmerksam machen, damit wir am Ende nicht leer ausgehen und alle Mittel an die von öffentlicher Hand geförderten Häuser verteilt wurden.“ Barbara Böhle-Burr vom Verein Kulturgut in Backnang musste nur ein Konzert im April absagen. Dem Verein komme es zugute, dass die Veranstaltungen nicht so nahe beieinander liegen. Gruschtelkammer-Chef Charley Graf aus Auenwald erklärt: „Am meisten belastet uns die Absage unserer sechs Theateraufführungen. Diese immer ausverkauften Abende, die unsere Amateure ja ohne Gage spielen, sind die Basis, um ein Kabarettprogramm auf diesem sehr hohen Niveau, das die Gruschtelkammer hat, durchführen zu können.“

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Erstellt:
22. März 2020, 10:38 Uhr

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