Letzte Chance zum Einkauf vor Ort

Zahlreiche Kunden nutzen die Tage vor dem Lockdown für letzte Besorgungen und Weihnachtseinkäufe. Schlangen vor den Geschäften bildeten sich in Backnang aber nur vereinzelt. Viele Händler bleiben nun auf saisonaler Ware sitzen.

Sigrid Göttlich (rechts) bei der Kundenberatung. Viele nutzen die Tage vor dem Lockdown als letzte Möglichkeit für Shopping vor Ort. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Sigrid Göttlich (rechts) bei der Kundenberatung. Viele nutzen die Tage vor dem Lockdown als letzte Möglichkeit für Shopping vor Ort. Foto: A. Becher

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Die vielen Kunden, die vor dem Drogeriemarkt Müller Schlange stehen und auf Einlass warten, wirken angesichts der hohen Infektionszahlen und der seit Samstag geltenden Ausgangsbeschränkung etwas befremdlich. Eine Überraschung sind sie allerdings nicht. Schließlich bleiben nach der Ankündigung des neuen Lockdowns nur zwei Tage für das restliche Weihnachtsshopping. „Samstag und Montag war sehr viel mehr los als sonst. Vor allem wollen die Leute noch ihre Weihnachtseinkäufe erledigen“, bestätigt Sarah Ernst, Filialleiterin des Backnanger Müller. Sie erwartet auch für den letzten Tag vor den Schließungen am Mittwoch überdurchschnittlich viele Kunden, obwohl der Drogeriemarkt von den Schließungen ausgenommen ist. Trotz der vielen Kunden laufe beim Einkaufen alles noch geordnet ab. „Und an die Einhaltung der Hygieneregeln müssen sich die Kunden weiter halten, darauf achten wir sehr“, sagt Ernst. Doch Schlangen haben sich nicht vor allen Geschäften gebildet. Insgesamt, so ergibt die Nachfrage bei einigen Händlern, gab es zwar etwas mehr Kunden, seit der erneute Lockdown angekündigt wurde, doch von panischen Weihnachtskäufern überrannt wurde bisher keiner. „Man merkt schon, dass viele noch schnell vor Mittwoch etwas kaufen wollen. Aber das ist eher ein kontinuierliches Kommen und Gehen, gegenseitig auf den Füßen steht sich hier noch niemand“, sagt Ulrike Lelonek von der Buchhandlung Kreutzmann. Vorerst ist der Lockdown bis zum 10. Januar geplant, doch manche Produkte müssten eigentlich noch vor der Jahreswende verkauft werden. „Gerade mit Kalendern geht im Laden gerade noch einiges“, nennt Lelonek ein Beispiel.

Keine Skiverkäufe bei geschlossenen Pisten: Viel Ware bleibt liegen.

Viele saisonale Produkte bleiben auch im Dekogeschäft Depot liegen. „Unser ganzer Laden ist gerade komplett voll mit Weihnachtssachen“, sagt Ruta Tiede, Filialleiterin bei Depot in Backnang. Seit der Ankündigung des neuen Lockdowns merkt sie zwar, dass in der Stadt allgemein etwas mehr los ist, aber alle Weihnachtsartikel im Laden wird sie trotzdem nicht in den verbleibenden Tagen verkaufen können. Eigentlich wird ein paar Wochen vor Ende einer Saison nichts Neues mehr bestellt, was noch da ist, gibt es über Sonderangebote etwas günstiger. „Dieses Jahr haben wir natürlich noch keinen Ausverkauf für die Weihnachtsartikel gemacht, es muss nun um einiges mehr eingelagert werden“, sagt Tiede. Das sei zwar ein Mehraufwand für die Mitarbeiter, aber sie bleibt positiv. „Die Backnanger haben am Montag noch sehr gut gekauft, sie machen es sich schön für das etwas andere Weihnachten daheim“. Und außerdem kommt Weihnachten ja jedes Jahr wieder. „Das ist alles gute Ware, bei uns geht nichts kaputt.“

Auch sehr von der Saison geprägt sind Sportgeschäfte, wie zum Beispiel Intersport Hettich. Während normalerweise im Dezember das Geschäft mit Snowboards, Skistiefeln und Skianzügen brummt, ist in diesem Jahr deutlich zu spüren, dass Skigebiete geschlossen sind und vorerst keine Lifte fahren. „Im alpinen Bereich geht gar nichts“, sagt Jan Rössle. Und obwohl die nächste Skisaison irgendwann kommen wird, sind die Trends auch im Skifahrbereich in jedem Winter etwas unterschiedlich. Rössle bezweifelt, dass die Lage im neuen Jahr sehr viel besser wird. Er befürchtet, auf viel aktueller Ware sitzen zu bleiben. „Das ist sehr viel Kapital, das hier drinsteckt.“ Stattdessen haben die Verkäufe von Langlaufausrüstung etwas zugenommen. „Mit dem Schnee vergangene Woche ist das Interesse am Skilanglauf aufgekommen“, sagt Rössle. In seinem Geschäft habe er seit der Ankündigung des neuen Lockdowns nicht bemerkt, dass Menschen noch schnelle Einkäufe tätigen, momentan seien die Kunden überschaubar. „Aber im Sportbereich gibt es ohnehin weniger Panikkäufe, zu uns kommen die Leute sehr gezielt.“

Auch für andere Händler wird es schwer werden, die nicht verkaufte Ware im kommenden Jahr an den Kunden zu bringen. Besonders Bekleidungsgeschäfte sind sehr von Trends und Jahreszeiten abhängig. „Alle Händler werden Federn lassen müssen“, sagt Sigrid Göttlich, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins und Inhaberin des Modegeschäfts Accente in Backnang. „Viel Ware wird zu einem anderen Preis verkauft werden müssen.“ Sie hofft deshalb, dass Berlin zu der angekündigten finanziellen Unterstützung steht und die Verluste sich so etwas ausgleichen lassen. Zugleich betont Göttlich, dass sie – wie auch andere Händler – auch während des Lockdowns im Laden sein wird. „Wir sind da. Ob telefonisch oder in den sozialen Medien“, sagt sie. Ähnlich wie im Frühjahr, will sie auch jetzt weiter Bestellungen ihrer Kunden annehmen, sehr viel werde nun über den Versand gehen. Auch eine persönliche Zustellung könne sie sich wieder gut vorstellen. Im Frühjahr hat sie, wie einige andere Händler, auch einen Abholservice angeboten, doch ob der nun überhaupt erlaubt ist, ist unklar. Schließlich soll man seine Wohnung auch tagsüber nur aus triftigen Gründen verlassen. Ob das Abholen von Waren, wie Kleidungsstücken oder Büchern dazugehört, ist in der aktuellen Verordnung noch nicht festgehalten. Außerdem, so Göttlich, wolle man jetzt ja niemanden in die Stadt locken. „Da findet sich sicher ein kontaktloser Weg zur Warenübergabe, zum Beispiel können wir eine Tasche einfach bei unseren Kunden an die Tür hängen oder ein Paket davor abstellen.“

Auch die Buchhandlung Kreutzmann wird im Lockdown bestellte Ware verschicken. „Wir haben eigentlich schon lange einen Online-Shop, aber der lief immer etwas nebenher“, sagt Ulrike Lelonek. Erst im Frühjahr sei der Online-Shop so richtig angelaufen, viele Kunden haben sich ihre Bestellungen direkt nach Hause schicken lassen. Auch jetzt machen die Mitarbeiter ihre Kunden wieder verstärkt auf den Online-Shop aufmerksam, bevor die Buchhandlung am Mittwoch wieder die Türen schließen muss.

Wer übrigens bisher noch keinen Weihnachtsbaum gekauft hat und nun befürchtet, an Weihnachten ohne Baum dazustehen, muss sich keine Sorgen machen. Der Lockdown wird die Weihnachtsbaumverkäufe nicht betreffen, sie sind von den Schließungen ausgenommen.

Aktuelle Coronazahlen und Notbetreuung

Am Montag wurden 16 neue Todesfälle mit einem positiven Covid19-Test gemeldet. Damit sind im Rems-Murr-Kreis insgesamt 162 Menschen mit dem Coronavirus verstorben.

Gestern wurden 44 Neuinfektionen mit dem Virus gemeldet, aktuell in Quarantäne befinden sich 1084 Infizierte. Damit steigt die Zahl der Infizierten im Kreis seit Beginn der Pandemie auf 8467. Die 7-Tages-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100000 Einwohner liegt bei 216 und damit zum sechten Tag in Folge über dem kritischen Wert von 200.

In den Rems-Murr-Kliniken werden aktuell 86 Corona-Patienten behandelt. 19 davon liegen auf der Intensivstation, 16 Patienten werden beatmet.

Nicht nur die Einzelhändler müssen an Mittwoch wieder schließen, auch Schulen und Kitas werden vorzeitig ab dem 16. Dezember geschlossen. Für Schüler der Abschlussklassen wird Fernunterricht angeboten. Für Kindergarten-Kinder und Schüler bis Klassen sieben, deren Eltern an ihrem Arbeitsplatz unabkömmlich sind, wird es eine Notbetreuung geben, die von den Schulen und den Kita-Trägern organisiert wird.

Wer genau die Notbetreuung in Backnang in Anspruch nehmen kann, ist noch nicht ganz sicher. „Wir müssen hier noch die neue Verordnung vom Land abwarten“, sagt Christine Wolff, Pressereferentin der Stadt Backnang. Noch sei nicht ausreichend formuliert, welche Eltern ihre Kinder in die Notbetreuung schicken können.

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Erstellt:
15. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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