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Medizinisches Personal dringend gesucht

Aufruf an Freiwillige – Landrat Sigel appelliert an Bürger: Zu Hause bleiben – Kliniken helfen dem DRK mit Schutzausrüstung aus

Fachpersonal wird händeringend gesucht. Foto: B. Büttner

© Benjamin Büttner

Fachpersonal wird händeringend gesucht. Foto: B. Büttner

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Um Personalnöten bei den Rems-Murr-Kliniken vorzubeugen, haben sich Landrat Richard Sigel und Kliniken-Geschäftsführer Marc Nickel gestern gemeinsam mit einem Appell an die Öffentlichkeit gewandt: „Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger mit einer medizinischen Ausbildung im Rems-Murr-Kreis auf, die im Ernstfall gerne helfen würden, sich bei uns registrieren zu lassen. Wir sind jetzt auf Solidarität und Zusammenhalt angewiesen, um mit einer freiwilligen und einsatzbereiten Reserve gut vorbereitet zu sein.“

Wegen der dynamischen Lage bereitet sich der Landkreis auf eine steigende Anzahl schwer- und schwerstkranker Covid-19-Patienten vor. Gemäß der Aufforderung der Bundesregierung geht es auch darum, eine dramatische Entwicklung zu meistern. Im Klinikbetrieb wurde ein Corona-Therapieprozess etabliert. Ein Therapie-Team ist mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, um den Betrieb jederzeit an eine Krisensituation anpassen zu können. Nickel: „Das medizinisch nicht notwendige Behandlungs- und Operationsprogramm wurde bereits weitgehend auf unbestimmte Zeit verschoben, und es werden derzeit weitere Beatmungskapazitäten aufgebaut. Ab Montag sind die Rems-Murr-Kliniken weitgehend im Standby für den Ernstfall.“

Personellen Engpässen, die durch die Schließung von Schulen und Kitas entstanden sind, wird mit einer klinikeigenen Notbetreuung in Winnenden begegnet. Dennoch könnte das Personal in absehbarer Zeit knapp werden. Sigel und Nickel haben sich daher zu dem gemeinsamen Aufruf entschlossen. Es seien bereits viele einzelne und mutmachende Hilfsangebote aus der Bevölkerung eingegangen, die zu diesem Schritt ermuntert hätten, erklärt Sigel.

Es soll ein zusätzlicher Personalpool aus freiwilligen Helfern aufgebaut werden, der im Bedarfsfall kurzfristig aktiviert werden kann. Gesucht werden insbesondere qualifizierte Pflegekräfte und Ärzte, die derzeit wegen Elternzeit, Ruhestand oder aus sonstigen Gründen nicht in dem Beruf arbeiten, aber helfen wollen. Angesprochen sind auch Medizinstudenten, die das zehnte Semester absolviert haben oder über eine Ausbildung als Pflegekraft oder Rettungssanitäter verfügen. Für die Registrierung wurde das Bewerberportal der Rems-Murr-Kliniken umgebaut. Interessenten können sich unter der zentralen Mailadresse unterstuetzung-corona@rems-murr-kliniken.de mit Angabe ihrer Ausbildung und fachlichen Erfahrung sowie ihrer Verfügbarkeit, Kontaktdaten und sonstigen Tätigkeit bei Rettungsorganisationen oder über die Webseite https://rems-murr-kliniken.de/unterstuetzung registrieren. Sie werden dann kontaktiert und über Einsatzmöglichkeiten informiert.

Der Bestand an Schutzausrüstungen beim DRK-Rettungsdienst, der durch die zahlreichen Transporte der vergangenen Tage einen kritischen Mindestbestand erreicht hatte, musste unterdessen dringend aufgestockt werden. Dafür ist der Landkreis eingesprungen. „Wir stehen solidarisch zusammen“, betont der Landrat, der gleichzeitig Präsident des DRK-Kreisverbandes ist. Für die kurzfristige Hilfe dankt DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler. „Ohne Sicherheit für das medizinische Personal keine Sicherheit für die Patienten. Für uns gehört es zur Solidarität im Landkreis, dass wir uns gegenseitig helfen wo wir können,“ betont Kliniken-Geschäftsführer Nickel. Der Rettungsdienst habe inzwischen erweiterte Schutzmaßnahmen etabliert, berichtet DRK-Rettungsdienstleiter Marco Flittner: Im Einsatzfall werde die Sachlage hinsichtlich Coronavirus eruiert. Das beginnt bereits beim Notruf in der Leitstelle. Bei Corona-Verdacht seien die Mitarbeiter angewiesen, ihre persönliche Schutzausrüstung zu erweitern, damit keine Ansteckungsgefahr besteht.

Landrat Sigel appelliert an die Menschen im Kreis, sich solidarisch zu verhalten und aufeinander Rücksicht zu nehmen. „Die Bedrohung ist unsichtbar, deswegen muss unsere Solidarität umso sichtbarer werden“, so Sigel nach den weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Landesregierung: „Ich rufe daher alle Menschen in unserem Landkreis auf, den dringenden Empfehlungen der Behörden Folge zu leisten und zu Hause zu bleiben. Vermeiden Sie Gruppenansammlungen, halten Sie Abstand voneinander und verlangsamen Sie so die Ausbreitung des Coronavirus.“

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Erstellt:
21. März 2020, 06:00 Uhr

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