Modellprojekt startet im Juli

In Aspach finden in diesem Sommer nun doch vier Veranstaltungen mit jeweils bis zu 2000 Gästen statt. Im kommenden Jahr wurden dem Veranstalter acht Events im Stadion zugestanden.

Die große Bühne fürs Heimspiel wird erst 2022 wieder aufgebaut. Kleinere Konzerte können wohl aber schon dieses Jahr in Aspach stattfinden. Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die große Bühne fürs Heimspiel wird erst 2022 wieder aufgebaut. Kleinere Konzerte können wohl aber schon dieses Jahr in Aspach stattfinden. Archivfoto: A. Becher

Von Lorena Greppo

ASPACH. Überrumpelt war so mancher Gemeinderat, als er am Samstagabend die Landesschau im SWR-Fernsehen sah. 19 weitere Modellversuche mit weitgehenden Lockerungen der Coronaregeln wurden dort angekündigt. „Im Fußballstadion von Aspach sind sechs Open-Air-Veranstaltungen geplant“, hieß es. Moment mal, in Aspach? Dort hatte es doch erst zwei Wochen zuvor geheißen, der Open-Air-Sommer sei abgesagt, die Konzerte ins Jahr 2022 verschoben. Und der Gemeinderat sollte am Montag erneut darüber beraten, wie viele Konzerte im kommenden Jahr genehmigt werden. „Seit dem Wochenende haben wir eine ganz andere Situation“, sagt auch Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff in der Sitzung. „Wir wurden von der Verkündung dieser Infos überrollt.“

Erprobt werden sollen größere Veranstaltungen in der Pandemiesituation, bei denen die Gäste geimpft, getestet oder genesen sein müssen und bei welchen unter anderem die Apps Luca und Cosima zum Einsatz kommen. Die Gemeinde erhoffe sich nun davon auch Erkenntnisse für die Feierlichkeiten im Rahmen des Gemeindejubiläums im kommenden Jahr, so Welte-Hauff. Für das Modellprojekt sei eine Gästeanzahl von bis zu 2000 pro Veranstaltung vorgesehen. Allerdings sei das Vorhaben inzwischen in die Kategorie „Selbstläufer“ eingestuft worden. Hierzu erklärt das Sozialministerium: „Bei diesen wird davon ausgegangen, dass sie perspektivisch aufgrund des zu erwartenden abnehmenden Infektionsgeschehens und der damit einhergehenden Öffnungsschritte ohnehin durchgeführt werden können und nicht als Modell erprobt werden müssen.“ Sprich: Wenn die geltende Coronaverordnung es zulässt, könnten sogar mehr als 2000 Gäste eingelassen werden. Hier schob jedoch Thomas Deters, Geschäftsführer der AFM Consulting, einen Riegel vor: „Wir können nicht einfach nach Belieben die Kapazität erhöhen.“ Denn da stecke viel Organisation dahinter. Vier Veranstaltungen mit jeweils bis zu 2000 Gästen sei das Maximum. Stattfinden müssten die Events im Juli, da die sonstige Auslastung des Stadions durch Fußballspiele keinen Spielraum lasse. Deters machte klar, dass der Ablauf so nicht geplant war. Dass das Gesundheitsministerium die Beschlüsse veröffentlichte, bevor die Kommunen unterrichtet wurden, hätten weder er noch der Landrat gewusst. Die Antragstellung sei sehr kurzfristig geschehen. Am 17. Mai seien er und Uli Ferber kontaktiert worden, am 20. Mai sei Bewerbungsende gewesen. „Hätten wir das vor ein paar Wochen gewusst, hätten wir das Heimspiel von Andrea Berg vermutlich noch nicht verschoben.“ In der kommenden Woche sollen weitere Gespräche mit Gemeinde und Landratsamt zum Modellprojekt stattfinden.

Eindrückliche Schilderung des Mehrwerts der Konzerte für Aspach.

Dass man auch in Coronazeiten Veranstaltungen planen könne, sei erfreulich, fand Gerd Raichle, FWA-Fraktionsvorsitzender. „Da stehe ich auch voll dahinter.“ Er äußerte allerdings auch harsche Kritik am Ablauf: „Das Vorgehen des Landratsamts gefällt mir gar nicht.“ Wenn dieses Jahr Veranstaltungen stattfinden, so sollte für 2022 eine gestrichen werden. „Denn dann gilt das Argument nicht, dass wir dieses Jahr nichts hatten.“ Dem widersprach Sabine Welte-Hauff: „Das sind letzten Endes zwei verschiedene Themen, von der Ausführung und der Personenanzahl ist das nicht gleichzusetzen“, machte sie klar.

Die Bürgermeisterin nutzte nun aber die Gelegenheit, auf das eigentliche Thema der Sitzung zurückzukommen. Denn der Blick müsse sich nun auf 2022 richten. Um den Gremiumsmitgliedern klarzumachen, welchen Mehrwert die Konzerte der Gemeinde bringen, hatte Thomas Deters eine Präsentation vorbereitet. Allein die zwölf Firmen, die in Zusammenhang mit dem Bau des Stadions 2011 in Aspach angesiedelt wurden, hätten in den ersten fünf Jahren (also bis 2015) Gewerbesteuern im siebenstelligen Bereich gezahlt. Somit habe die Gemeinde schon zu jenem Zeitpunkt mehr durch das Stadion und die Veranstaltungen eingenommen, als sie beim Bau einmalig investiert hat. Aber auch andere Akteure wie Vereine und der Einzelhandel profitierten maßgeblich davon. Deters verlas unter anderem Dankesbriefe des Musikvereins Großaspach, des DRK, des Tennisclubs Aspach und des Bunds der Selbständigen, in denen ausgeführt wurde, welch positiven Einfluss auf die Finanzen, aber auch Mitgliedergewinnung das Mitwirken habe. 2019 seien während des Berg-Heimspiels in Aspach und Umgebung 4650 Übernachtungen über die Veranstalter vermittelt worden.

Weniger rosig schilderte Deters die gegenwärtige Lage. „Alle Partner rund um die Veranstaltungen gehören zu den mit am stärksten gebeutelten Branchen.“ Der Schaden der Veranstalter durch den Konzertausfall 2020 liege im sechsstelligen Bereich, in der Gastronomie sei ein Umsatzausfall im siebenstelligen Bereich zu verzeichnen. Er verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Gemeinderäte erpressen zu wollen. „Ich stelle hier nur die harten Fakten vor.“ Er habe sich seit der jüngsten Sitzung auch mit der Theaterbühne in Rietenau in Verbindung gesetzt, um Überschneidungen zu vermeiden – das war als Kritikpunkt genannt worden.

Udo Wruck (fraktionslos) positionierte sich dennoch gegen den Beschlussvorschlag, 2022 acht Großveranstaltungen nicht sportlicher Art zu genehmigen. Es gebe Bürger, denen das alles zu viel sei. Deren Meinung vertrete er im Gremium, wohlwissend, dass sie in der Minderheit sind. Wolfgang Schopf (SPD/Aspacher Demokraten) forderte zwar, die Polizeiverordnung noch einmal zu überdenken, seine Fraktion stellte sich jedoch ebenfalls gegen die Planung mit acht Konzerten. Durch das nicht abgesprochene Modellprojekt sei nicht abzusehen, was dieses Jahr noch alles stattfinden wird. „Dies muss Auswirkungen auf die Veranstaltungen 2022 haben“, begründen sie. Diese vier Gegenstimmen blieben jedoch die einzigen, weswegen der Vorschlag mehrheitlich beschlossen wurde.

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Erstellt:
2. Juni 2021, 11:00 Uhr

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