Murrhardt setzt auf Nummernvergabe

Weil die Stadtverwaltung bei ihrer Impfaktion die Menschen nicht über viele Stunden anstehen lassen will, werden Kärtchen verteilt.

Bei der Impfaktion verteilt die Stadt Karten an die ersten 100 Wartenden, das sorgt für Frust, entzerrt die Situation aber auch.Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Bei der Impfaktion verteilt die Stadt Karten an die ersten 100 Wartenden, das sorgt für Frust, entzerrt die Situation aber auch.Foto: A. Becher

Murrhardt. Als das mobile Impfteam vom Klinikum Stuttgart gegen 15.40 Uhr in einem Bus auf den Parkplatz der Murrhardter Festhalle einbiegt, ist längst entschieden, wer sich an diesem Dienstag seine Dosis Biontech oder Johnson & Johnson abholen kann. Bereits um 11 Uhr hatten sich die ersten Impfwilligen vor dem Eingang der Halle eingefunden, um sich einen Platz weit vorne zu sichern. Auch viele andere kamen lange bevor es um 16 Uhr mit dem Impfen offiziell losgehen sollte. „Wir wollten nicht, dass die Leute wie in Backnang ewig in der Kälte stehen, um sie schließlich wieder wegschicken zu müssen“, sagt Uwe Matti, und so habe die Stadtverwaltung entschieden, Kärtchen für die Impfungen zu verteilen. Sprich die ersten 100 Personen der Schlange haben um 15 Uhr von Matti, Leiter des Amts für Wirtschaft, Kultur und Tourismus, und seinem Team rote Nummernzettel erhalten und können dann, je nach Position, früher oder später wieder zur Festhalle kommen. Mehr als 100 Menschen können in den drei Stunden nicht geimpft werden. Daran ist nicht zu rütteln.

Einige, die sich wiederum zum eigentlichen Start der Impfaktion einfinden und hören, dass bereits alle Dosen vergeben sind, machen ihrem Frust Luft. „Alle schon weg? Scheiße!“, sagt eine Frau und zieht verärgert ab. Auch Volker Guth aus Murrhardt ist enttäuscht. Er wollte sich seine dritte Impfung abholen. Guth befürchtet, dass solche Situationen nicht gerade zur Impfmotivation beitragen. Auch eine Frau aus einem Auenwalder Teilort, die ihren Namen für sich behalten möchte, muss wieder nach Hause gehen. Mit ihrer Boosterimpfung wird es heute nichts.

Allerdings haben nicht wenige Schlüsse aus den Impfaktionen in Backnang und Großerlach gezogen. Weil klar war, dass der Ansturm groß sein würde, sind sie entsprechend früh gekommen. Igor Bär aus Backnang hat den Vorteil, dass er gerade in Murrhardt auf einer Baustelle arbeitet. „Ich war um 14.30 Uhr da und kann mir jetzt meine Boosterimpfung holen. Es ist hoffentlich die letzte“, sagt er. Da ist sich Jens Klenk aus Unterweissach nicht so sicher. Auch er hat sich zwei Stunden vor dem Start angestellt und eine rote Karte bekommen. Er hat sich zu seiner ersten Impfung entschlossen. „Mein Hausarzt ist krank“, erzählt Barbara Weyman aus Oppenweiler. „Ich mach die dritte Impfung, um mich, aber auch die anderen, die Gesellschaft zu schützen.“ Ein junger Mann erkundigt sich, ob sich nicht doch noch etwas machen lasse, auch wenn er keine Karte abbekommen habe. Jutta Kühnle von der Stadtverwaltung schüttelt den Kopf. „Soll ich bei der nächsten Impfaktion auch um 11 Uhr da sein?“, fragt er. Bis zur Möglichkeit, Termine zu buchen, vielleicht kein Fehler. Elisabeth Luka aus Aspach jedenfalls ist froh, sich bereits um 13.30 Uhr für ihre Boosterimpfung eingereiht zu haben. „Ich fand die Organisation mit den Karten einwandfrei. Als ich meine bekommen habe, konnte ich ins Café gehen und später wiederkommen“, erzählt sie.

Bürgermeister Armin Mößner kann verstehen, dass diejenigen, die leer ausgehen, nicht erfreut sind. Und ist er froh, dass ab Montag der Murrhardter Impfstützpunkt seine Arbeit aufnehmen kann – und zwar mit vorheriger Terminvergabe (siehe Seite 21). Martina Keck von der Pressestelle des Landratsamtes berichtet, dass manche Kommunen die Nummernvergabe nun nutzen, um die wenigen Tage bis zum Start der Terminvergabe zu überbrücken. „Ganz generell spürt man aktuell einfach eine hohe Nachfrage – sowohl bei bisher Nicht-Geimpften als auch bei den Booster-Impfungen. Das liegt auch daran, dass die Einschränkungen für Nicht-Geimpfte immer mehr zunehmen, kurzfristig Boostern für alle empfohlen wird und die Meldungen von ausgelasteten Arztpraxen zunehmen. Wir als Landkreis arbeiten gemeinsam mit den Kommunen und den mobilen Teams des Landes unter Hochdruck an der Ausweitung der Impfkampagne, müssen aber noch um etwas Geduld bitten“, sagt sie. cs

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Erstellt:
24. November 2021, 06:00 Uhr

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