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Nachfrage nach Notbetreuung wächst

Noch immer ist nicht klar, wann die Kindertagesstätten wieder öffnen. Die Träger warten auf ein Signal aus Stuttgart.

Am Anfang der Coronakrise hielt sich  die Nachfrage nach Notbetreuung von Kindergartenkindern noch in Grenzen. Dies hat sich mittlerweile geändert.Symbolfoto: stock.adobe/A. Karlyuk

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Am Anfang der Coronakrise hielt sich die Nachfrage nach Notbetreuung von Kindergartenkindern noch in Grenzen. Dies hat sich mittlerweile geändert.Symbolfoto: stock.adobe/A. Karlyuk

1 Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Die Geschäfte haben schon wieder geöffnet, Restaurantbesitzer sitzen in den Startlöchern und sogar Bundesliga-Fußball wird ab dem Wochenende wieder gespielt. Für Eltern von Kindergartenkindern gibt es hingegen noch immer keine klare Perspektive, wie es weitergeht. Seit acht Wochen laufen Kindergärten und Kitas nur im Notbetrieb, die meisten Eltern müssen ihr Betreuungsproblem selbst lösen. Das sorgt für zunehmenden Unmut.

Nun hat Kultusministerin Susanne Eisenmann zwar angekündigt, man wolle ab 18. Mai schrittweise zu einem „reduzierten Regelbetrieb“ zurückkehren, in dem bis zu 50 Prozent der Kinder betreut werden könnten. Doch Details, wie das genau funktionieren soll, kennen die Träger der Einrichtungen bisher nicht. „Das ist noch völlig unklar. Wir warten auf die Vorgaben des Landes“, sagt Regine Wüllenweber, Leiterin des Amts für Familie, Jugend und Bildung in Backnang. Nach welchen Kriterien die Kinder ausgewählt werden, die in die Einrichtungen zurückkehren dürfen, oder ob vielleicht sogar alle Kinder in einer Art Schichtbetrieb betreut werden, sei offen. Wüllenweber vermutet, dass das Land noch auf die Ergebnisse einer Studie der Uni Heidelberg wartet, in der die Rolle von Kindern unter zehn Jahren bei der Verbreitung des Coronavirus untersucht wird.

Vorerst laufen die Einrichtungen also weiter im Notbetrieb. Allerdings wurde der Kreis der Eltern, die das Angebot nutzen dürfen, inzwischen erweitert. Waren es anfangs nur Eltern, die in sogenannten „systemrelevanten Berufen“ tätig sind, so genügt es inzwischen, wenn beide Elternteile einen Beruf ausüben, der eine Präsenz am Arbeitsplatz erfordert. Auch berufstätige Alleinerziehende haben Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Ob sie zum berechtigten Personenkreis gehören, müssen die Eltern nachweisen, und das werde auch überprüft, so Wüllenweber. Der Wunsch, die Kinder nicht länger den ganzen Tag zu Hause betreuen zu müssen, genüge nicht, so sehr sie diesen nachvollziehen könne.

In Backnang ist die Nachfrage nach der Notbetreuung zuletzt deutlich gestiegen: Wurden Ende April noch 95 Kinder betreut, so sind es jetzt schon 153. An den Schulen werden zurzeit 59 Kinder betreut – vor zwei Wochen waren es 34. Regine Wüllenweber geht davon aus, dass die Zahl noch weiter steigen wird. Trotzdem ist dies nach wie vor nur ein Bruchteil der rund 1700 Kita-Kinder und 470 Schüler, die normalerweise in der Stadt betreut werden. In Backnang ist die Notbetreuung dezentral organisiert, das heißt, alle Kinder werden in der Einrichtung betreut, die sie auch sonst besuchen. In 27 der insgesamt 31 Kindertageseinrichtungen, die Stadt, Kirchen und andere freie Träger in Backnang betreiben, läuft zurzeit ein Notbetrieb. Meist wird aber nur eine Handvoll Kinder betreut, in zwei Kindergärten ist es sogar nur ein einziges.

In Aspach sind inzwischen alle Kindergärten wieder in Betrieb.

Auch in anderen Gemeinden nutzen mittlerweile deutlich mehr Eltern die Notbetreuung. In Aspach etwa hatte zunächst nur ein einziger Kindergarten geöffnet, mittlerweile sind laut Hauptamtsleiter Philip Sweeney alle neun Einrichtungen wieder in Betrieb. Insgesamt werden an den Kitas und Schulen zurzeit rund 60 Kinder in Kleingruppen betreut. Sollte es vom Land ein entsprechendes Signal geben, sei man auch kurzfristig in der Lage, die Kapazitäten weiter hochzufahren, sagt Sweeney: „Unsere Erzieherinnen stehen bereit.“

Weder in Aspach noch in Backnang wurden Betreuerinnen in Kurzarbeit geschickt. Wer nicht in der Notbetreuung eingesetzt werde, mache konzeptionelle Arbeit oder versuche, den Kontakt zu den anderen Kindern aufrechtzuerhalten, etwa durch Telefonate, Videochats oder eine Kindergartenpost, erklärt Regine Wüllenweber.

Die Elterngebühren für April hatte die Stadt Backnang bereits Ende März ausgesetzt. Auch die Eltern, die die Notbetreuung nutzten, mussten dafür zunächst nichts bezahlen. Ab Mai will die Stadt Backnang nun wieder Gebühren erheben, allerdings nur von den Eltern, deren Kinder auch tatsächlich betreut werden, und bei reduziertem Betreuungsumfang auch nur anteilig. Besucht etwa ein Kind nur an drei von fünf Tagen den Kindergarten, reduziert sich der Beitrag also auf 60 Prozent. Weil das in den Gebührenordnungen der Stadt bisher nicht vorgesehen ist, braucht es dafür allerdings einen Gemeinderatsbeschluss. Am Donnerstag soll das Gremium die neuen Satzungen beschließen. Auch in Aspach steht die Entscheidung noch aus: Da dort seit März keine öffentliche Gemeinderatssitzung mehr stattfand, wurden die Elternbeiträge für die Monate April und Mai erst einmal gestundet.

Als Ausgleich für die fehlenden Gebühren für Kita- und Schulbetreuung hat das Land den Kommunen zwei Coronahilfspakete von jeweils 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Backnang rechnet daraus mit Zahlungen von insgesamt 486000 Euro. Diese Summe entspricht den Elterngebühren für etwa zweieinhalb Monate.

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Erstellt:
13. Mai 2020, 06:00 Uhr

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