Neue Ideen zum Fest entwickelt

Heiligabend rückt langsam, aber sicher näher und bleibt auch in Coronazeiten ein Termin, der auf besondere Weise gefeiert werden will. Um zu erfahren, wie das dieses Jahr aussehen soll, haben wir uns bei drei Religionsgemeinschaften umgehört.

Tilmann Schamal hat bereits den Herrnhuter Stern auf dem Turm der Matthäuskirche in Backnang angebracht. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Tilmann Schamal hat bereits den Herrnhuter Stern auf dem Turm der Matthäuskirche in Backnang angebracht. Fotos: A. Becher

Von Bernhard Romanowski

BACKNANG. Die Köpfe rauchen, die Telefone stehen nicht still. So schildert Pfarrer Tobias Weimer die laufenden Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest in der evangelischen Kirche in Backnang und den Umlandgemeinden. Ideen und Vorschläge gibt es derzeit einige. Aber die genaue Abstimmung, wann und wo die Gottesdienste stattfinden werden und in welcher Form sie angesichts des verschärften Pandemieverlaufs ablaufen können, ist noch offen.

Aber das Signal an die Gläubigen ist klar, meint Weimer: „Alle sollen die Möglichkeit erhalten, an Weihnachten Gottesdienst zu feiern.“ Geplant sind zum Beispiel ein Familiengottesdienst im Freien unter dem Motto „Heiligabend draußen erleben und den Weihnachtshimmel offen sehen“ sowie Christvespern, also Gottesdienste am frühen Abend, die am 24. Dezember stattfinden sollen. Auch von halbstündigen Gottesdiensten immer zur vollen Stunde ist die Rede. Die Zwischenzeit kann dann genutzt werden, um den Raum zu lüften und die Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen. Dazu wird eine Voranmeldung ermöglicht, um ganz sicher einen Platz zu bekommen. Dazu wird gerade ein Online-System getestet. Die Anmeldung per Anruf im Gemeindebüro soll aber ebenso ermöglicht werden. „Daneben gibt es aber auch jeweils ein gewisses Platzkontingent für jene Menschen, die sich spontan entschließen, den Gottesdienst zu besuchen“, verkündet Weimer. Auch über das Online-Video-Portal YouTube wird ein Gottesdienst des evangelischen Kirchenbezirks Backnang zu sehen sein wie zuletzt am ersten Advent und davor zum Reformationstag am 31. Oktober.

Laut Pfarrer Tobias Weimer werden auf jeden Fall Freiwillige etwa für Ordnerdienste gebraucht .



Warum sich Weimer als Pressepfarrer etwas schwertut, genauere Angaben für die einzelnen Gemeinden zu machen, hängt damit zusammen, dass noch vieles intern abgestimmt werden muss. Und dann kann man erst beim jeweiligen Ordnungsamt vorstellig werden, um zu sehen, ob die Konzepte so von der Behörde abgesegnet werden, wie sich die Kirchenleute das vorstellen. Wenn die Gottesdienste dann so stattfinden dürfen wie geplant, kommt eine weitere Variable ins Spiel. Werden genug Leute da sein, um bei den organisatorischen Abläufen zu helfen? Es werden verschiedene Mesnerdienste wie Glockenläuten und Kerzenanzünden zu verrichten sein. Auch werden Ordner gebraucht, um etwa an den Eingängen auf die Einhaltung der Coronaregeln zu achten. Dafür würden auf jeden Fall Freiwillige gebraucht, so Weimer, der auch im Sinne anderer Religionsgemeinschaften anmerkt: „Wir sind uns sehr wohl über unser Privileg im Klaren, derzeit solche Veranstaltungen durchführen zu dürfen. Wir gehen verantwortungsvoll damit um – immer mit Blick auf die Menschen.“ Die Katholiken in Backnang und im Umland bereiten sich ebenfalls emsig auf das Weihnachtsfest vor. „Die Gottesdienste sind dieses Jahr anders: Die katholische Gemeinde feiert mehr Gottesdienste, muss in den Kirchen leider ohne gemeinsames Singen auskommen, außer in den Gottesdiensten im Freien. Zu den Hauptgottesdiensten muss man sich auch anmelden“, beschreibt Wolfgang Beck die Situation als Backnanger Pfarrer und stellvertretender Rems-Murr-Dekan. Aber es seien auch neue Ideen entstanden: So könne man die Weihnachtsbotschaft im Freien hören und dort bei den Schafen auf dem Feld singen. Oder mit der Familie einen lebendigen Adventskalender in Maubach und in Backnang-Süd aufsuchen. Auch werde es einen Impuls um 10.30 Uhr an den Adventssonntagen neben der Christkönigskirche geben. „Es wird anders, aber die Botschaft dringt auch anders, vielleicht neu an unsere Ohren“, hofft Pfarrer Beck.

Eine Besonderheit ist in diesem Jahr für die Katholiken in der Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal sicherlich der Weg zur Krippe an Heiligabend in der Kirche St. Maria. Er ersetzt das Krippenspiel. In der Kirche werden einige Stationen aufgebaut sein. „Mit Impulsen und kleinen Aktionen für die Besucher“, erläutert Marcel Dagenbach, der geschäftsführende Referent des Rems-Murr-Dekanats. Hauptzielgruppe seien die Familien, aber willkommen sei selbstverständlich jeder Besucher. Neu sei auch „die Weihnachtsstimmung“, eine Andacht mit Weihnachtsliedern am 25. Dezember in Spiegelberg, so Dagenbach.

In der Seelsorgeeinheit Weissacher Tal hat man sich demnach entschlossen, das Angebot an Heiligabend zu erweitern, um angesichts begrenzter Teilnehmerzahlen möglichst vielen die Gelegenheit zu bieten, an einer Feier teilzunehmen. So wird es am 24. Dezember etwa eine Krippenfeier um 16 Uhr auf dem Platz vor der Herz-Jesu-Kirche geben. In Unterweissach wird zeitgleich eine solche Feier in der Dreifaltigkeitskirche stattfinden, wo dann die Kirchenband spielt. Abends gibt es dann drei Christmetten: um 18 Uhr in Unterweissach, um 21 Uhr in Ebersberg und um 23 Uhr in Allmersbach im Tal. Für die Gottesdienste auch an den beiden Weihnachtsfeiertagen nach Heiligabend wird um Anmeldung gebeten, auch um zu verhindern, dass unter Umständen Besucher abgewiesen werden müssen, und um die Ordner zu entlasten. Auch die Mitglieder der Liebenzeller Gemeinschaft in Backnang haben sich selbstverständlich schon ihre Gedanken gemacht, wie sie das Weihnachtsfest gemeinsam feiern können. Konkret steht derzeit aber noch nichts fest. Die Überlegungen für die Gottesfeier zu Heiligabend gehen in Richtung einer Freiluftveranstaltung oder einer Feier in weiträumigen, gut durchlüfteten Arealen bei zusätzlich begrenzter Teilnehmerzahl. „Das muss aber noch alles genauer besprochen werden“, gibt Gemeinschaftspastor Arturo Pompe zu verstehen. Die Abstimmung mit dem Ordnungsamt müsse dann noch folgen, wenn die Pläne feststehen. Als Austragungsort komme etwa eine Scheune infrage. Auf das gemeinsame Liedersingen werden die Liebenzeller wohl verzichten, auch wenn derzeit zwei Lieder im Gottesdienst gesungen werden dürfen, sofern die Teilnehmer eine Maske tragen. Laut Pompe ist wohl an Liedbeiträge einzelner Akteure gedacht. Für Heiligabend ist zudem angedacht, die Gottesfeier vielleicht mit drei räumlich voneinander getrennten Gruppen zu feiern und die Weihnachtsgeschichte nachzuspielen. Die Anmeldung der Besucher könnte wieder per Doodle erfolgen, so Pompe.

Die Liebenzeller sind demnach schon recht geübt in der Nutzung dieses Online-Programms, mit dem man Treffen organisieren und Anmeldeverfahren durchführen kann. Mitglieder der Liebenzeller Gemeinschaft, die zur Coronarisikogruppe gehören, sollten indessen lieber nicht an den Gottesdiensten teilnehmen, so schwer das auch allen falle, gibt Pompe zu bedenken.

Szenen des engen Miteinanders wie diese vom letzten Jahr auf dem Backnanger Stiftshof wird es diesmal nicht geben.

© Alexander Becher

Szenen des engen Miteinanders wie diese vom letzten Jahr auf dem Backnanger Stiftshof wird es diesmal nicht geben.

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Erstellt:
9. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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