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Prüfungsstress im Pandemiemodus

Unter strengen Auflagen werden ab nächster Woche die Abiturprüfungen durchgeführt. Die Coronakrise fordert organisatorisch ihren Tribut. Eine Benachteiligung der Schüler sehen die Lehrer im Raum Backnang aber nicht.

Ernst Morlock, der stellvertretende Schulleiter des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums, bereitet die Prüfungsplätze vor. Die Abiturprüfungen der Schule finden coronabedingt in der Murrhardter Festhalle statt, wo genügend Raum für die Abstandsregeln besteht. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Ernst Morlock, der stellvertretende Schulleiter des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums, bereitet die Prüfungsplätze vor. Die Abiturprüfungen der Schule finden coronabedingt in der Murrhardter Festhalle statt, wo genügend Raum für die Abstandsregeln besteht. Foto: J. Fiedler

Von Bernhard Romanowski

BACKNANG/WEISSACH IM TAL/MURRHARDT. Sie haben einen besonderen Lebensabschnitt unter sehr speziellen Bedingungen erlebt, und nächste Woche wird es ernst für sie. Dann beginnen in Baden-Württemberg die Abiturprüfungen für die Schüler der allgemeinbildenden und der beruflichen Gymnasien. Auch hier stand und steht noch alles unter dem Diktat der Coronapandemie. Die Umsetzung der Regeln zu Abstand und Hygiene sieht Udo Weisshaar aber nicht als Problem an. „Wir haben an unserer Schule genug Platz dazu. Wir können teilweise die Wände der Räume öffnen oder nehmen den Hörsaal, der genügend Raum bietet“, teilt der Leiter des Gymnasiums in der Taus in Backnang mit. Der Mindestabstand zwischen den Schülern könne problemlos umgesetzt werden, so Weisshaar weiter. Auch und besonders an jene, die möglicherweise einer Coronarisikogruppe angehören, sei gedacht. Die Umsetzung der coronabedingten Bestimmungen habe im neuen Schulalltag auch schon gut geklappt. „An solche Dinge wie das Rechtsgehgebot in dem einzigen Treppenhaus der Schule halten sich alle“, nennt Weisshaar einen dieser Punkte.

Als Mitte März die temporäre Schließung der Schulen zum Tragen kam, sei man mit dem Schulstoff zumal in den prüfungsrelevanten Fächern schon durch gewesen. Per Online-Schulung konnte der Stoff dann wiederholt und im Gedächtnis gefestigt werden, so der Pädagoge weiter. „Abitur ist immer eine Belastungssituation“, antwortet der Schulleiter auf die Frage, ob die angehenden Abiturienten in diesem von der Coronakrise gebeutelten Jahr eine besondere Belastung erleben. Was ihm allerdings sehr leid tue, sei der Umstand, dass in diesem Jahr „alles, was Spaß macht“, also die Zeugnisübergabe, die ihm selber immer besonders am Herzen liegt, und der Abischerz sowie die Abifahrt, nicht wie gewohnt stattfinden kann.

„Wir haben keine Erfahrungswerte für diese besondere Lage.“

Von einem Riesenaufwand ist indessen am Backnanger Max-Born-Gymnasium die Rede. Dort sind es allerdings auch insgesamt 83 Schüler, die die Reifeprüfung anstreben. „Wir dürfen ausnahmsweise die Stadthalle nutzen“, zeigt sich Schulleiterin Sonja Conrad erleichtert. Dort könne man weit über den Mindestabstand von 1,50 Meter von Schüler zu Schüler hinausgehen. Außerdem werden der Projektionssaal und der Musiksaal in der Schule für die Abiprüfung genutzt. „Die Schüler mit einem gesundheitlichen Risiko werden in einem Extraanbau geprüft, wo ihnen auch eine eigene Toilette zur Verfügung steht“, so Conrad weiter.

Zwar sei man diesmal sogar noch etwas früher als in den Vorjahren mit dem Abiturstoff durch gewesen und es habe viel Gelegenheit zum Üben gegeben. Schlechter vorbereitet seien die jungen Menschen dieses Jahr also nicht. Aber was die Belastung der Psyche angeht, müsse man eben immer den Einzelfall betrachten, wenn etwa die Angst vor einer Erkrankung und vor der Ansteckung etwa von Familienangehörigen oder im Bekanntenkreis gegeben ist.

Auch dem Lehrpersonal macht Corona das Leben schwerer als sonst. Conrads Stellvertreter Christoph Nesper nennt 300 Aufsichtsstunden, die von 55 einsetzbaren Lehrern am Max-Born-Gymnasium für die diesjährigen Abiprüfungen zu leisten sind. Nesper: „Der Aufwand ist enorm. Und wir haben keine Erfahrungswerte für diese besondere Lage.“

Räumlich gut aufgestellt sieht derweil Schulleiterin Simone Klitzing ihre Einrichtung. Für die 50 Schüler, die zur Abiturprüfung am Gymnasium des Bildungszentrums Weissacher Tal antreten, verfüge man über entsprechende Gegebenheiten. Die hygienischen Bestimmungen befolge man ohnehin schon seit Längerem und minutiös. Was an Präsenzunterricht ausfallen musste, sei durch Fernunterricht kompensiert worden. „Das ist gut gelungen“, sagt Klitzing. Mit den Einschränkungen und der Belastung, die die Coronakrise auch mit Blick auf die Abiturvorbereitungen mit sich gebracht habe, gehe jeder Schüler anders um. Grundsätzlich hätten sie dieses Jahr aber mehr Zeit gehabt, sich auf die Prüfungsfächer zu konzentrieren. Zudem wurden zwei Nachtermine eingeräumt, für die man sich eintragen konnte. „Aber ob’s das besser macht, ist die Frage. Das hängt eben von jedem Einzelnen ab“, so Klitzing. Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts habe jedenfalls wunderbar geklappt. Auch wenn es für den einen oder anderen komisch und ungewohnt war, beispielsweise was die Abstandsregeln beim Betreten der Klassenräume angeht. „Aber das lief reibungslos.“

Das Heinrich-von-Zügel-Gymnasium in Murrhardt wird die Murrhardter Festhalle zur Durchführung der Abiprüfungen nutzen. 54 angehende Abiturienten sind es an der Schule. „In der Halle kommen wir auf bestimmt 2,50 Meter Abstand zwischen den Schülern. Normalerweise passen da 500 Leute rein“, schätzt der stellvertretende Schulleiter Ernst Morlock. Am Eingang der Halle wird Desinfektionsmittel bereitstehen. „Es darf immer nur ein Junge oder ein Mädchen auf Toilette gehen“, so Morlock zu den Rahmenbedingungen der Reifeprüfung. Die Schwierigkeit sei vielmehr die Kommunikation zwischen der Leitung in der Schule und den Lehrern in der Halle im Falle von Fehlern in den Prüfungsunterlagen oder ähnlichen Umständen, die eine direkte Abstimmung unter den Pädagogen notwendig machen sollten. Denn nicht alles lasse sich telefonisch regeln.

Einen Coronabonus, wie der Deutsche Hochschulverband im Falle eines signifikant schlechteren Notendurchschnitts für die Abiturienten fordert, sieht Morlock kritisch. Wenn die Hochschulen für einen Notenbonus seien, sollten sie ihn selber umsetzen, indem sie den Numerus clausus herabsetzen. Auch Morlock ist der Auffassung, dass die Schüler dieses Jahr ausreichend Zeit hatten, sich auf die Prüfung vorzubereiten: „Die Schüler, die jetzt die Zeit genutzt haben, sind besser vorbereitet als je zuvor.“ Vonseiten der Lehrer seien sie jedenfalls dazu angehalten und dabei unterstützt worden. Die Möglichkeit, die Abiprüfungen an einem der Nachtermine zu absolvieren, hat laut Morlock keiner der Schüler des Murrhardter Gymnasiums gewählt. Mit zehn Schülern in der Spanischprüfung geht es am Montag beim Heinrich-von-Zügel-Gymnasium los. Am Mittwoch findet dann die Deutschprüfung für alle 54 Prüflinge in der Murrhardter Festhalle statt.

Abiturprüfung für 47400 Schüler in Baden-Württemberg

Für etwa 29500 Schüler an den allgemeinbildenden Gymnasien in Baden-Württemberg beginnen die Prüfungen am Montag, 18. Mai. Am Mittwoch, 20. Mai, absolvieren alle Prüflinge ihre schriftliche Prüfung im Fach Deutsch. Die letzten schriftlichen Prüfungen finden am 29. Mai statt. Die angehenden Abiturienten legen insgesamt vier schriftliche und eine mündliche Prüfung ab. Für alle Prüfungskandidaten sind die Kernfächer Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache und ein weiteres, individuell gewähltes Kernfach im schriftlichen Abitur verbindlich. In der mündlichen Prüfung gibt es einen Präsentationsteil, in dem die Schüler ein vorbereitetes Thema vortragen müssen. Dieser Präsentation schließt sich ein Prüfungsgespräch an.

Für die rund 17900 Schüler an den beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen mit dem Fach Deutsch zwei Tage später am Mittwoch, 20. Mai. Am nächsten Prüfungstag legen die angehenden Abiturienten ihre Prüfungen in den berufsbezogenen Profilfächern ab. Neben diesen sechsstündigen Profilfächern gehören die vierstündigen Kernfächer Mathematik sowie Deutsch oder eine Fremdsprache sowie ein Prüfungsfach, das die Schüler gewählt haben, zu den vier schriftlichen Prüfungen. Den Abschluss der Prüfungen bilden in diesem Jahr die Fächer Französisch und Spanisch am 29. Mai. Hinzu kommt verpflichtend eine mündliche Prüfung (Präsentation und Prüfungsgespräch) in einem weiteren Fach.

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Erstellt:
16. Mai 2020, 06:00 Uhr

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