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Rekordbeteiligung bei Blutspendeaktion

In Sulzbach an der Murr kamen gestern so viele spendenwillige Bürger in die Festhalle wie nie zuvor. 180 Online-Anmeldungen, mehr ging nicht. Dank der perfekten Organisation verlief die Aktion unter Sicherheitsvorkehrungen reibungslos. Weil Chirurgen in Kliniken wieder normal operieren, wird das Blut dringend benötigt

Spende mit Sicherheitsabstand und Mundschutz. Kliniken warten derzeit händeringend auf Spenderblut. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Spende mit Sicherheitsabstand und Mundschutz. Kliniken warten derzeit händeringend auf Spenderblut. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

SULZBACH AN DER MURR. Kein Einlass ohne Handdesinfektion und Fieber messen. Zudem wird in einer Liste der Name kontrolliert. Und die eigene mitgebrachte Masken ist tabu. Jeder Spender muss eine Mund-Nase-Maske des DRK-Blutspendedienstes überziehen. Schon am Eingang in die Sulzbacher Festhalle wird auf Sicherheit geachtet. So auch auf den Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen den Wartenden.

Michael Budig reibt sich die Hände. „Endlich geht’s los“, freut sich der Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsvereins Sulzbach. Endlich dürfen die Helfer wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachen und aktiv werden. „Die Festhalle ist groß genug, sodass wir alle geforderten Sicherheitsabstände einhalten können.“ Es ist 14 Uhr, um 14.30 Uhr sind die ersten acht Spender dran. Erst um 19.30 Uhr endet die Aktion. 180 spendenwillige Bürger haben sich angemeldet. „In den Vorjahren hatten wir immer zwischen 140 und 160 Spender, im Schnitt also rund 150“, sagt Budig. Das ist also jetzt eine Rekordbeteiligung.

„Wir brauchen jetzt auch das Blut dringender denn je“, sagt Daniel Schnell. Der Gebietsverantwortliche des DRK-Blutspendedienstes Baden-WürttembergHessen sagt, dass es vor acht Wochen durch die Einstellung der aufschiebbaren Operationen von einem Tag auf den anderen eine Vollbremsung gegeben hat. „Von jetzt auf nachher haben die Krankenhäuser 45 Prozent weniger Blut gebraucht.“ Vor ein paar Tagen der umgekehrte Weg. Als Gesundheitsminister Jens Spahn die OPs wieder erlaubt habe, sei mit einem Schlag wieder auf Teufel komm raus operiert worden. „Wir haben gerade einen massiven Blutmangel“, sagt Schnell. Blutkonserven haben ein Ablaufdatum; sie halten 42 Tage. Aber die Gefahr, dass die Haltbarkeitsgrenze erreicht wird, gibt es derzeit gar nicht. „Das Blut, das wir heute erhalten, ist morgen weg“, so der DRK-Mitarbeiter vom Außendienst.

Es ist 14.30 Uhr. Die ersten Spender haben bereits die Eingangskontrolle durchschritten und kommen nun einzeln zur ersten Station in der Halle. Datenerfassung. Hier müssen der Spenderpass und der Personalausweis vorgezeigt werden. Weiter geht’s zu einem der zehn aufgebauten Tische, die voneinander abgeschirmt sind und an eine Bundestagswahl erinnern. Hier wird aber kein Wahlzettel ausgefüllt, sondern ein vierseitiger Fragebogen. Angaben zum allgemeinen Gesundheitszustand und zu Arzneimitteln und Erkrankungen sind zu machen. Hände desinfizieren, weiter geht’s. Eine Krankenschwester misst erneut die Temperatur sowie den Puls und Blutdruck und pikst noch in den Zeigefinger. Ein Tropfen Blut soll über den Hämoglobinwert, also über die Anzahl der roten Blutkörperchen informieren.

„Wenn alles okay ist, geht’s hinter die rote Stellwand da hinten.“ Schnell zeigt in den hinteren Bereich der Halle. Dort sitzen versteckt beziehungsweise verdeckt drei Ärzte. Sie wollen wissen, ob man sich gesund fühlt und wo man sich in den vergangenen Wochen aufgehalten hat. Es ist 14.40 Uhr. Der erste Spender hat die Fragen des Arztes beantwortet und legt sich nun auf eine der zehn bereit stehenden Liegen. Die Blutspende an sich dauert zwischen 4 und 15 Minuten. „Je nach dem, wie es läuft“, schmunzelt Budig. Zehn Minuten später sind bereits fünf Liegen besetzt. Die Spender werden von sechs Krankenschwestern des Blutspendedienstes betreut. Vom Ortsverein sind sechs Helfer vor Ort.

Immer mehr Blutspender kommen. Aber es gibt keinen Stau. Die Online-Anmeldung zeigt ihre Vorteile. Zukünftig wird man sich immer zur Blutspende online anmelden müssen. Es läuft in Sulzbach wie am Schnürchen, um nicht zu sagen: Fließband. Hektik kommt nicht auf. Ziemlich genau Punkt 15 Uhr verlässt der erste Spender die Halle wieder. Es ist Bernhard Kienzler aus Althütte-Waldenweiler. Der 66-Jährige hat soeben seine 82. Spende abgegeben. Und wie war’s? „Eigentlich wie immer. Nur die Maske kam dazu und das Desinfizieren.“ Kienzler versucht, so oft wie möglich zu spenden, „weil ich spät angefangen habe, erst mit 37“. Weil ein Imbiss in der Halle verboten ist, stehen Vespertüten bereit. Er hat sich nicht für den Obstsalat entschieden, sondern für den Wurstsalat. Zudem gibt’s für jeden eine Dankeschön-Schokolade.

Für Ute Roß aus Murrhardt ist’s die 52. Spende. „Ich gehe regelmäßig spenden, weil ich eine seltene Blutgruppe habe. Ich freue mich, wenn ich helfen kann. Vielleicht bin ich ja auch mal auf diese Hilfe angewiesen“, sagt die 59-Jährige. Ebenso denkt Mario Assenheimer. Wenn es ihm möglich ist, besucht er Spendenaktionen in der Gegend, sagt der 33-Jährige aus Großerlach. An diesem Tag gibt er seine 22. Spende in Sulzbach ab.

Größtmögliche Sicherheit

Für Blutspender besteht laut Blutspendedienst kein erhöhtes Risiko, sich auf Blutspendeterminen mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Bereits seit geraumer Zeit werden Maßnahmen ergriffen, die eine größtmögliche Sicherheit aller Anwesenden auf den Spendeterminen gewährleisten.

Aktuelle Blutspendetermine und Informationen erhält man im Internet unter www.blutspende.de oder über die kostenfreie Hotline 0800/1194911.

Die nächste Blutspendeaktion im Raum Backnang findet am Mittwoch, 20. Mai, in Schwaikheim in der Gemeindehalle, Rosenstraße 2, von 14.30 bis 19.30 Uhr statt.

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Erstellt:
16. Mai 2020, 11:30 Uhr

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