Schutzunterkunft für Geflüchtete steht

Die Stadt Backnang hat in der Hohenheimer Straße Container aufgestellt, damit im Falle eines Coronaausbruchs in einer Unterkunft infizierte und nicht infizierte Asylbewerber getrennt voneinander untergebracht werden können.

Gestern wurden die Container mit dem Kran in der Hohenheimer Straße eingerichtet, bis zum Montag sollen sie bezugsfertig sein. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Gestern wurden die Container mit dem Kran in der Hohenheimer Straße eingerichtet, bis zum Montag sollen sie bezugsfertig sein. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Gestern wurden sie aufgestellt, ab Montag sollen die zusätzlichen zehn Container in der Hohenheimer Straße bezugsfertig sein. „Es fehlt noch der letzte Schliff“, sagt Backnangs Baudezernent Stefan Setzer. Das gehe aber vollends schnell. Somit sieht sich die Stadt für den Fall gerüstet, dass in einer Asylbewerberunterkunft Coronainfektionen auftreten. Dies ist so nämlich im September geschehen (wir berichteten), damals war die Stadt nicht in der Lage, Infizierte und Nichtinfizierte getrennt voneinander unterzubringen. „Wir sind da völlig unvorbereitet reingestolpert“, räumt Setzer rückblickend ein. „Daraus haben wir unsere Lehre gezogen.“ Etwas mehr als 50000 Euro werden in die Vorsichtsmaßnahme investiert, inklusive der Erschließungsarbeiten und der Mietkosten für die Container für sechs Monate – auf diesen Zeitraum ist die Einrichtung befristet.

In sieben Wohncontainern mit zwei Sanitär- und einem Küchencontainer können bis zu 14 Personen untergebracht werden. Sie seien als Schutzraum zu sehen, der nur eingesetzt wird, wenn in einer Backnanger Unterkunft Coronafälle auftreten. „Wenn es vereinzelte Fälle sind, werden die Infizierten in den Containern untergebracht“, erklärt Setzer. Sind es sehr viele Fälle in einer Unterkunft, dann würden wiederum die Nichtinfizierten in die Container verlegt und die betroffene Unterkunft unter Quarantäne gestellt. Die Stadt müsse flexibel darauf reagieren, wie viele Fälle tatsächlich auftreten. Hauptsache sei es, dass Infizierte und Nichtinfizierte getrennt untergebracht werden.

Unter den Anwohnern hat die Aktion für Verwunderung gesorgt – um das mindeste zu sagen. Sie sind am Freitagabend per Schreiben über die Vorsichtsmaßnahme informiert worden und fühlen sich angesichts dieser Kurzfristigkeit übergangen. Von einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ spricht ein Mann und fügt an: „Ich finde es nicht schön, wie man uns behandelt.“ Eine Frau äußert vor allem deshalb Bedenken, weil die Unterkunft so nahe an Schul- und Kinderbetreuungseinrichtungen steht. Sie hätte den Standort in der Nähe des Recyclinghofs an den Etzwiesen für sinnvoller erachtet. Schließlich habe man schon im September erfahren müssen, dass sich nicht alle Infizierten an die ihnen auferlegte Quarantäne gehalten haben. Die Anwohner der Maubacher Höhe hätten deshalb schon eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. „Die Container stehen schon, da können wir nichts mehr machen. Aber wir hoffen, dass sie in einem halben Jahr dann auch wirklich wieder wegkommen.“

Die Befürchtungen der Anwohner sind Stefan Setzer nicht neu, sie seien auch schon an ihn herangetragen worden. „Die Verunsicherung ist groß“, weiß er und entgegnet entschieden: „Die Container werden nicht in Regelbelegung kommen.“ Vielmehr sei es der Wunsch der Stadtverwaltung, die Asylbewerberunterkunft in der Hohenheimer Straße auflösen zu können. Das scheitere bisher daran, dass die Bewohner keine andere Bleibe finden – der Wohnungsmarkt ist zu angespannt. Der Sorge der Anwohner, infizierte Menschen könnten sich aus den Containern aufmachen, begegnet die Verwaltung mit speziellen Vorsichtsmaßnahmen. „Unsere Erfahrung zeigt, dass ein Teil der Geflüchteten angesichts der Schutzmaßnahmen uneinsichtig ist“, sagt Setzer. Schon beim letzten Mal habe man das Areal eingezäunt und Securitymitarbeiter eingesetzt. So werde es auch wieder gehandhabt. Am liebsten wäre es wohl aber allen Beteiligten, wenn die Container gar nicht erst zum Einsatz kämen.

Kommentar
Aus Fehlern gelernt

Von Lorena Greppo

Im September wurde die Backnanger Stadtverwaltung vom Coronaausbruch in der Asylbewerberunterkunft in der Hohenheimer Straße überrumpelt. Obwohl die Coronapandemie zu diesem Zeitpunkt schon einige Monate andauerte, war für die Möglichkeit von Infektionen in einer Unterkunft nicht vorgesorgt worden. Das war fahrlässig und die Verwaltung hat entsprechend Kritik einstecken müssen. Aus ihren Fehlern haben die Verantwortlichen aber ganz offensichtlich gelernt: Angesichts erneut steigender Infektionszahlen wird dieses Mal vorgesorgt, der Notfallplan steht. In den Details mag dieser Schritt auf Kritik stoßen, notwendig war er dennoch.

l.greppo@bkz.de

Baugenehmigung für die neue Infektionsstation ist eingetroffen

Um für eine zweite Welle gerüstet zu sein, hatte der Aufsichtsrat der Rems-Murr-Kliniken im Sommer beschlossen, eine Infektionsstation auf dem Gelände des Winnender Klinikums zu errichten. Das Sozialministerium hat damals sehr schnell das Okay erteilt. Den Bauantrag hatte Klinikgeschäftsführer Marc Nickel eigenhändig dem Winnender Bürgermeister Norbert Sailer überreicht. Vergangene Woche nun traf die Baugenehmigung ein. Seither werden am Klinikum bereits vorbereitende Erdarbeiten erledigt. Der offizielle Spatenstich für das Projekt soll in den nächsten Tagen erfolgen.

Der Erweiterungsbau hat Platz für 72 Betten. Dort können nicht nur Covid-19-Patienten untergebracht werden. Denkbar ist auch, dass MRSA-Patienten, die mit multiresistenten Keimen infiziert sind, dort behandelt werden.

Der zweistöckige, 55 Meter lange Bau hat den Planungen zufolge nominell 72 Betten, bei Einzelisolation würden 36 Betten zur Verfügung stehen. Der Modulbau war zuvor im fränkischen Kulmbach im Einsatz, wird dort demontiert und Stück für Stück in Winnenden wieder aufgebaut. Es handele sich nicht um Container, betonte Landrat Richard Sigel. Vielmehr wird es ein vollwertiges Gebäude – nur eben in Modulbauweise hergestellt.

Klinikpressesprecherin Monique Michaelis erklärte gestern auf Nachfrage, dass sie noch dieses Jahr mit der Eröffnung der Infektionsstation rechnet. Seit längerer Zeit läuft bereits die Personalakquise. Wie viele Mitarbeiter künftig in diesem Bereich arbeiten, ist nur schwer vorherzusagen, da die Station nicht ständig voll belegt sein wird, sondern nur bei Bedarf. Bei den dort beschäftigten Mitarbeitern wird daher hoher Wert auf Flexibilität gelegt.

Die Kosten des Modulbaus belaufen sich auf ungefähr 4,5 Millionen Euro. Angesicht der aktuellen Pandemie „gut angelegtes Geld“, so Landrat Richard Sigel.

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Erstellt:
30. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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