Silvester feiern im Jahr der Pandemie

Alles ist anders als sonst in diesem schwierigen Jahr. Wie schon das Weihnachtsfest wird auch Silvester meist im engsten Kreis gefeiert. Vor einem Backnanger Supermarkt haben wir ein paar Stimmen eingefangen. Einhelliger Neujahrswunsch: Gesundheit.

Ausgelassene Neujahrsfeiern mit vielen ungeschützten Personen ohne Abstand sind in diesem Jahr nicht erlaubt. Aber wie wird der Jahreswechsel heuer gefeiert? Fotos: J. Fiedler (7)/B. Bodo/Stock-Adobe (1)

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Ausgelassene Neujahrsfeiern mit vielen ungeschützten Personen ohne Abstand sind in diesem Jahr nicht erlaubt. Aber wie wird der Jahreswechsel heuer gefeiert? Fotos: J. Fiedler (7)/B. Bodo/Stock-Adobe (1)

Von Carmen Warstat

BACKNANG. „Wie feiern Sie Silvester?“ Das haben wir gestern Passanten gefragt, die wir vor einem Supermarkt in Backnang angetroffen haben. Securitymitarbeiter Lazo Iliadis achtet darauf, dass nicht zu viele Kunden gleichzeitig das Geschäft betreten. Seit geraumer Zeit beobachtet er, dass die Leute zunehmend unter Stress geraten. Corona setzt der Gesellschaft und jedem Einzelnen zu. Und tatsächlich eilen viele vorbei und wollen schnell wieder nach Hause – Verunsicherung und Angst verlangen ihren Tribut.

Iliadis selbst ist DJ und hat zu Silvester vor einem Jahr nach dem Beisammensein mit der Familie in einem Winnender Club aufgelegt. „Das geht leider nicht mehr. Jetzt wird zu Hause geblieben.“ Er wird mit seiner achtjährigen Tochter und seinen Eltern zu Hause feiern und selbstverständlich werden sie auf „das Böllern“ verzichten. Für das neue Jahr wünscht sich der gebürtige Grieche, „dass alles wieder normal wird – so wie es war, dass man sich keine Gedanken mehr wird machen müssen darüber, wohin man darf oder eben nicht darf“. Und „natürlich Gesundheit“, ergänzt er.

Wie im vorigen Jahr mit und bei „zwei Kumpels“ feiern wird Renate Werner. „Das sind die einzigen zwei, mit denen wir regelmäßig Kontakt haben.“ Sie blickt zurück auf das vergangene Jahr und denkt insbesondere an ihre Enkelkinder. Das jüngste durfte sie erst drei Monate nach seiner Geburt kennenlernen.

Erst vor einem Jahr aus Polen gekommen ist Milosz Krol. Er wird den Jahreswechsel mit seiner Freundin zu Hause verbringen. Der Supermarktmitarbeiter wünscht sich für das Jahr 2021 lachend „alles was gut ist“ und „viel Glück“.

Liebend gern in größerer Runde gefeiert hat Stefan Nesselhauf früher, gern auch in Lokalen, wo es „meistens ganz lustig“ zuging. Dieses Jahr bleibt er mit Frau und Schwiegereltern im kleinen Kreis zu Hause und hofft, gesund zu bleiben, was er auch allen anderen wünscht. In diesen Zeiten würden andere Krankheiten ein wenig aus dem Blickfeld gedrängt. „Systemrelevante“ Berufe und Tätigkeiten wie die der Pflegekräfte und Lkw-Fahrer sollten viel besser anerkannt und honoriert und nicht nur beklatscht werden.

Maria Helmer ist mit einem Fahrrad mit Hänger vorgefahren. Sie und ihr Partner haben sich im letzten Jahr zu Silvester mit zwei Freunden getroffen. Dieses Mal wird es ähnlich sein, man wird miteinander essen und später auf dem Balkon stehen, auch wenn das Feuerwerk ausbleibt. Nachdenklich äußert sich Maria Helmer zu ihren Wünschen für das neue Jahr: Dass das mit dem Impfstoff klappt und wir „die paar Monate durchhalten“, hofft sie. Dass „wir als Gesellschaft zusammenhalten“, wünscht sie sich von Herzen, denn „wir kriegen das hin“, was ausdrücklich kein Wunsch, sondern Gewissheit sei. Und: Wir dürften andere Probleme „nicht aus den Augen verlieren“. Als Beispiel nennt Maria Helmer die Klimapolitik.

Schon im vorigen Jahr fiel die Silvesternacht bei Dieter und Margarete Ulmer „etwas gedämpfter“ aus. „Dieses Jahr kracht’s ja gar nicht“, bemerkt Dieter Ulmer, also sei vollkommene Ruhe angesagt. Und seine Frau Margarete ergänzt, dass mit den Kindern natürlich telefoniert wird. Die Tochter aus Backnang kommt zwar zu ihren Eltern zu Besuch, aber der Kontakt zu Kindern und Enkelkindern sei bedauerlicherweise beschränkt. Das Ehepaar hofft nun auf ein besseres Jahr 2021.

Savvas Mavrommatis hat letztes Silvester bei seinem Bruder und dem kleinen Neffen verbracht. Dieses Jahr bleibt er „womöglich zu Hause“, das wird er letztendlich spontan entscheiden. Mavrommatis berichtet, dass er Single ist, sich aber nicht allein fühlt. Das Leben, sagt er, findet im Kopf statt, und er findet es „trotz Corona schön“. Seit vielen Jahren wünscht er sich für die Zukunft vor allen Dingen Gesundheit.

Lazo Iliadis

© Jörg Fiedler

Lazo Iliadis

Milosz Krol

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Milosz Krol

Dieter Ulmer

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Dieter Ulmer

Renate Werner

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Renate Werner

Savvas Mavrommatis

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Savvas Mavrommatis

Stefan Nesselhauf

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Stefan Nesselhauf

Maria Helmer

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Maria Helmer

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Erstellt:
29. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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