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Stadt dämpft Erwartungen der Eltern

In Backnang dürfen inzwischen wieder die meisten Kinder in die Kita, allerdings nicht jeden Tag.

Symbolfoto: Anatoliy Karlyuk - stock.adobe.com

© Anatoliy Karlyuk - stock.adobe.com

Symbolfoto: Anatoliy Karlyuk - stock.adobe.com

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Mehr als zwei Monate liefen die Kindergärten und -tagesstätten nur im Notbetrieb. Betreut wurden lediglich Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen oder mit Präsenzpflicht am Arbeitsplatz. Das hat sich geändert: Vor einer Woche wurde auf einen „eingeschränkten Regelbetrieb“ umgestellt. Maximal die Hälfte der Kinder darf nun gleichzeitig in den Einrichtungen betreut werden. Was die Träger vor die Frage stellte, nach welchen Kriterien sie die knappen Plätze verteilen sollen.

Die Stadt Backnang hat sich bei den 21 städtischen Tageseinrichtungen für ein dreistufiges Verfahren entschieden. Bevorzugt berücksichtigt wurden die Kinder, die bereits Anspruch auf einen Platz in der Notbetreuung hatten, im zweiten Schritt kamen die an die Reihe, deren Eltern einen „schwerwiegenden Grund“ geltend machen konnten. Dies kann zum Beispiel eine Erkrankung der Eltern oder ein Pflegefall in der Familie sein. Die Plätze, die dann noch frei waren, wurden in Backnang gleichmäßig auf alle interessierten Eltern aufgeteilt. Wo es mehr Interessenten als Plätze gab, kommen die Kinder tageweise zum Zug.

Um den genauen Bedarf zu ermitteln, hatte die Stadt die Eltern der 900 Kinder, die städtische Einrichtungen besuchen, angeschrieben. Laut Regine Wüllenweber, Leiterin des Amts für Jugend, Familie und Bildung, haben davon rund 750 den Wunsch geäußert, dass ihr Kind so schnell wie möglich wieder betreut wird. Die Nachfrage und die Zahl der verfügbaren Plätze ist in den verschiedenen Tagesstätten aber recht unterschiedlich. Das führt dazu, dass Kinder, die nicht zu den bevorzugten Gruppen gehören, in einigen Einrichtungen nur an einem einzigen Tag pro Woche kommen dürfen, in anderen sind es zwei oder drei Tage, in manchen sogar jeden Tag.

Das sei zwar ein Stück weit ungerecht, aber nicht anders zu lösen, erklärte Wüllenweber im Backnanger Gemeinderat. Immerhin sei es gelungen, dass alle Eltern wenigstens ein bisschen entlastet werden. Jedenfalls in den städtischen Kitas, von den freien Trägern fehlt der Amtsleiterin noch die Rückmeldung.

Erzieherinnen bekommen auf Wunsch FFP2-Masken.

Auch in den Tagesstätten hat der Infektionsschutz hohe Priorität, wenngleich Abstandhalten bei der Arbeit mit kleinen Kindern nahezu unmöglich ist. Dafür habe man den Kontakt mit den Eltern beim Bringen und Abholen der Kinder auf ein Minimum reduziert, erklärte Wüllenweber. Außerdem habe die Stadt allen Erzieherinnen einen Mund- und Nasenschutz zur Verfügung gestellt. Wer möchte, könne auch eine sogenannte FFP2-Maske bekommen, die einen noch besseren Ansteckungsschutz bietet.

Wüllenweber räumte allerdings ein, dass das Arbeiten mit Mundschutz gerade im Umgang mit kleinen Kindern problematisch sein kann. Die Entscheidung überlasse man deshalb den Erzieherinnen selbst. Wichtig ist aus Sicht der Amtsleiterin vor allem, dass keine Kinder mit Krankheitssymptomen in die Tagesstätten gebracht werden. Die Erzieherinnen seien angehalten, den Gesundheitszustand bei den Eltern täglich „in freundlicher und angemessener Weise“ zu erfragen und Kinder, die Symptome zeigen, wieder nach Hause zu schicken. Um Infektionsketten nachvollziehen zu können, müssen die Erzieherinnen außerdem genau dokumentieren, welches Kind an welchem Tag wie lange in der Einrichtung war. Für die Mitarbeiterinnen sei das mit großem Aufwand verbunden, berichtete die Amtsleiterin.

Unklar ist momentan noch, wie die Rückkehr zum Normalbetrieb funktionieren soll. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte diese Woche angekündigt, die Kitas bis Ende Juni wieder für alle Kinder zu öffnen, nachdem eine vom Land in Auftrag gegebene Studie gezeigt hatte, dass Kinder unter zehn Jahren bei der Verbreitung des Coronavirus nur eine untergeordnete Rolle spielen. Regine Wüllenweber glaubt allerdings nicht, dass in den Backnanger Kitas schon bald wieder alles so sein wird wie vor Corona. Denn etliche Erzieherinnen gehörten einer Risikogruppe an und könnten deshalb möglicherweise nicht sofort an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Die Eltern müssten deshalb damit rechnen, dass man das Angebot noch länger einschränken und zum Beispiel die Öffnungszeiten reduzieren müsse. Auch sogenannte offene Konzepte, bei denen die Kinder zu keiner festen Gruppe gehören, werden wohl bis auf Weiteres nicht möglich sein.

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Erstellt:
2. Juni 2020, 16:00 Uhr

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