Stadt ohne Läden ist wie eine leere Zeitung

Die Reklamefabrik Kreafaktur startet zusammen mit dem Stadtmarketingverein, der Backnanger Kreiszeitung und der Druckerei WirmachenDruck eine vorweihnachtliche Non-Profit-Kooperation „Backnang ohne euch“, die für den Kauf vor Ort wirbt.

Machen sich für den Backnanger Einzelhandel stark (von links): Nicole Grabmeier, Tobias Grabmeier, Brigitte Janus und Sigrid Göttlich.Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Machen sich für den Backnanger Einzelhandel stark (von links): Nicole Grabmeier, Tobias Grabmeier, Brigitte Janus und Sigrid Göttlich.Foto: A. Becher

Von Nicola Scharpf

BACKNANG. Süßer die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtszeit, sagt ein bekanntes Weihnachtslied. Klingeln tun die Glocken an den Eingangstüren von vielen Backnanger Läden allerdings selten, weil kaum Kunden die Läden betreten. Die Kassen klingeln auch nicht, weil kaum gekauft wird. Und bei den ausbleibenden Kunden, die durch ihre online getätigten Käufe den niedergelassenen Einzelhändlern die Einnahmen entziehen, klingelt es ob ihres überdenkenswerten Verhaltens ebensowenig. Das will eine vorweihnachtliche Werbekooperation für den Backnanger Einzelhandel und für den Einkauf vor Ort ändern.

Die Non-Profit-Kampagne „Backnang ohne euch“ der Agentur Kreafaktur, des Stadtmarketingvereins, der Druckerei WirmachenDruck und der Backnanger Kreiszeitung startet heute. Dafür werden insgesamt 800 Plakate mit vier wechselnden Motiven in der Stadt ausgehängt und den Einzelhändlern stehen ausformulierte Posts für ihre Social-Media-Aktivitäten auf Facebook und Instagram zur Verfügung.

Die Plakataktion hat appellativen Charakter.

Hintergrund der Kampagne ist, dass die Reklamefabrik Kreafaktur viele Kunden im Einzelhandel betreut und begleitet, die in der Innenstadt ansässig sind. Unter ihnen gibt es im Coronajahr 2020 Gewinner, aber eben auch viele Verlierer, die um ihre Existenz bangen. „Die Stadt ist leer“, schildert Tobias Grabmeier von Kreafaktur seinen Eindruck. „Es kommt nur die gezielte Kundschaft, aber die Laufkundschaft fehlt.“ Unabhängig von Corona hat er sich darüber Gedanken gemacht und sich an eine Aktion in einer anderen Stadt erinnert, bei der alle Einzelhändler ihre Schaufenster zugeklebt haben – unter der Überschrift „So sieht’s hier ohne uns aus“.

„Der ganze Stadtcharakter lebt davon, dass der Einzelhandel vor Ort ist“, sagt Grabmeier. Also ist er mit seiner Idee, den Backnangern zu zeigen, wie die Stadt ohne Einzelhandel aussehen könnte, an den Stadtmarketingverein herangetreten und auf Begeisterung gestoßen.

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass ohne Einzelhandel etwas Entscheidendes fehlen würde“, sagt Simon Köder vom Stadtmarketing. „Backnang hat sehr viel zu bieten. Wir möchten, dass das so bleibt. Wir möchten die Menschen berühren.“ Die Plakataktion habe durchaus appellativen Charakter: „Kommt in die Stadt, macht eure Weihnachtseinkäufe vor Ort.“ Der Post für Social Media fordert auf: „Lasst uns auch in diesen schweren Zeiten zusammenhalten und helft mit, unsere geliebte Stadt am Leben zu erhalten, sodass wir auch danach noch eine lebendige Innenstadt haben, in der wir gemeinsam einkaufen, entdecken, erleben und genießen können.“

Tobias Grabmeier: „Wir werden auch auf Unmut stoßen.“

Denn eine Stadt ohne Läden könnte zum Beispiel aussehen wie eine Zeitung ohne Inhalt – so die heutige Botschaft, der an den beiden kommenden Samstagen und am nächsten Mittwoch weitere humoristische und zum Ende der Aktion auch deutliche Motive folgen werden.

„Wir werden auch auf Unmut stoßen“, ist sich Grabmeier sicher. „Die Kampagne hat schon im Vorfeld eine ganz schöne Welle ausgelöst.“ Das heißt offenbar, sie hat Wirkung – und das soll sie schließlich auch: „Wir erhoffen uns, dem ein oder anderen die Augen zu öffnen. Es ist wirklich gravierend in der Innenstadt.“ Dabei ließe sich der (Weihnachts-)Einkauf mit Abstand, Vernunft und Maske sehr wohl vor Ort bewerkstelligen.

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Erstellt:
9. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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