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Stadträte sollen übers Straßenfest mitentscheiden

Noch ist unklar, ob das 50. Backnanger Straßenfest stattfindet oder abgesagt oder verschoben wird – Tendenz: Verlegung auf September

In diesem Jahr hätte das 50. Backnanger Straßenfest stattfinden sollen. Ob es verschoben wird, ist noch nicht heraus. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

In diesem Jahr hätte das 50. Backnanger Straßenfest stattfinden sollen. Ob es verschoben wird, ist noch nicht heraus. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Verantwortlichen tun sich außerordentlich schwer, zu entscheiden, wie sie mit dem Backnanger Straßenfest umgehen möchten. Das ist auch ein schwieriges Thema, denn das Fest würde in diesem Jahr zum 50. Mal stattfinden und sollte zum unumstrittenen Jahreshöhepunkt in der Murr-Metropole werden. Dann kam die Coronakrise. Mit der Folge, dass viele Events abgesagt wurden, selbst die Olympischen Spiele und die Fußball-Europameisterschaft fielen dem Virus zum Opfer. Das Backnanger Straßenfest aber nicht, noch nicht.

Am Donnerstagabend gab es zu diesem Thema zwei Telefonkonferenzen zwischen der Stadtverwaltung und den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen. Hintergrund war, abzuklären, in welcher Form die Stadträte in die Entscheidung eingebunden werden könnten. Denn eines ist klar: Eine öffentliche Gemeinderatssitzung wird es in naher Zukunft nicht geben. Gleichzeitig war es der Verwaltung wichtig, dass die Stadträte bei der Entscheidung mit ins Boot geholt werden. Das ist zwar rechtlich nicht nötig, im Gegensatz zum Beispiel zu Bebauungsplanverfahren, über die die Verwaltung nicht alleine entscheiden dürfte. Aber aufgrund der großen Bedeutung des Fests wollten Oberbürgermeister Frank Nopper und Co. die Stadträte in die Entscheidung miteinbinden.

Geeinigt hat man sich auf ein sogenanntes Umlaufverfahren. Wie genau dieses ablaufen wird, konnte Pressesprecherin Christiane Wolff gestern noch nicht sagen. „Das ist auch für uns alle Neuland.“ Fakt ist, dass derzeit eine Beschlussvorlage erarbeitet wird und die Stadträte in den nächsten Woche darüber abstimmen werden.

OB Nopper teilte gestern Nachmittag mit: „Es ist derzeit noch völlig offen, ob das 50. Backnanger Straßenfest wie geplant Ende Juni stattfinden kann.“ Er bekräftigte, das die Verwaltung bis spätestens Mitte April via Umlaufverfahren eine Entscheidung des Gemeinderats herbeiführen möchte, und führte aus: „Per heute spricht aus Sicht der Stadtverwaltung vieles dafür, dass der geplante Termin Ende Juni leider abgesagt werden muss und stattdessen als Ausweichtermin das letzte Wochenende der Sommerferien, vom 11. bis 14. September, ins Auge gefasst wird.“

Noch deutlicher wurden die Fraktionsvorsitzenden. Zu 99,9 Prozent werde das Fest nicht Ende Juni veranstaltet werden können, hieß es gestern. Wobei betont wurde, dass noch nichts entschieden ist. Offensichtlich ist es für einige Lokalpolitiker immer noch zu früh, jetzt schon Nägel mit Köpfen zu machen.

Eventmanager Jürgen M. Häfner ist derweil noch zwei Stufen optimistischer, obwohl er gestern Mittag noch einräumte, von der Stadt bislang „keinerlei Informationen“ zu haben. „Ich bin nur der Dienstleister.“ Trotzdem hofft er eisern, dass das Fest stattfinden kann, und verweist auf die Ludwigsburger Schlossfestspiele. Deren Auftakt hätte zwar am 7. April stattfinden sollen und wurde bereits abgesagt. Nun aber sollen die Festspiele am 3. Mai beginnen. Und für das große Klassik-Open-Air am 20. Juni könne man Häfners Angaben zufolge heute noch Karten kaufen. Auch Nopper verweist darauf, dass seiner Kenntnis nach „auch noch keine Entscheidung über die Durchführung des Altstadtfests, der Schowo, des Citytreffs, des Stuttgarter Sommerfests und des Stuttgarter Lichterfest getroffen worden ist“.

Bei einer Verschiebung kommen alle mit einem blauen Auge davon

Häfner gibt zu bedenken, dass er schon eine Menge Vorbereitungen fürs Jubiläumsfest getroffen habe. So gebe es bereits Verträge mit Bands. Andererseits habe er sich die Dienste von einigen Künstlern größtenteils bislang nur reservieren lassen. Wird das Fest nur verschoben, so würden alle Beteiligten finanziell mit einem blauen Auge davonkommen.

Dauert die Krise jedoch noch länger an, so könnte die Finanzierung schwieriger werden, da ein Großteil über Sponsoren, Vereine, Wirte und Standbetreiber läuft. „Wie die nach der Krise aufgestellt und in der Lage sind, zu investieren, das weiß derzeit noch keiner.“ Er selbst hat derzeit keine Aufträge und lebt von seinen Rücklagen: „Ich hatte zum Glück vergangenes Jahr ein gutes Jahr mit zwei Großveranstaltungen.“ Fest angestellte Mitarbeiter hat Häfner derzeit keine.

Müsste das Fest verschoben werden, dann wäre es laut Häfner gut, wenn es wenigstens noch in diesem Jahr stattfinden könnte. Ein guter Termin wäre in seinen Augen das zweite Wochenende im September. An diesem Datum sollte ursprünglich das Murr-Spektakel stattfinden. Es war nicht zustande gekommen, eben weil das Straßenfest zum Jubiläum ganz groß gefeiert werden sollte. Nun kommt Häfner zu dem Schluss: „Das zweite September-Wochenende wäre mit Sicherheit kein falscher Termin.“

Eine mögliche Verschiebung würde Häfner vor keine allzu großen Schwierigkeiten stellen. „Klar, das wäre etwas mehr Stress, aber wir würden das schon hinkriegen, ich bin ja erfahren genug.“ Er erinnert daran, dass er das Fest schon seit 1996 ausrichtet und damit schon 23 Jahre Erfahrung hat. „Wir haben viele Stammbeschicker. Die haben Verträge. Die müssten nur benachrichtigt werden, dass sich alles verschiebt.“ Zu guter Letzt sagt Häfner: „Ich denke, wenn die Coronakrise einigermaßen überwunden ist und das normale Leben wieder zurückkehrt, dass es dann die Bevölkerung gut finden würde, wenn das Straßenfest stattfindet. Im Moment werden doch alle zu Hause fast depressiv. Die Menschen wollen dann alle wieder einmal raus.“

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Erstellt:
28. März 2020, 06:00 Uhr

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