Teststrategie zum Schulstart nach den Ferien steht

Der Rems-Murr-Kreis setzt weiterhin auf Schnelltests und stellt seine Strategie nicht auf PCR-Pooltests um.

Der Kreis setzt weiter auf Schnelltests. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Der Kreis setzt weiter auf Schnelltests. Foto: A. Becher

Rems-Murr. Der Rems-Murr-Kreis hat die Ferien gemeinsam mit dem staatlichen Schulamt genutzt und die mit den Schulen, dem Gesundheitsamt und dem staatlichen Schulamt entwickelte Coronateststrategie fit fürs neue Schuljahr gemacht. Dies dient dazu, den Schulbetrieb nach den Sommerferien möglichst durchgängig aufrechtzuerhalten und Präsenzunterricht und Betreuung sicher zu gestalten. Bereits im Herbst 2020 hatte im Kreis das erste Schnelltestzentrum in Baden-Württemberg den Betrieb aufgenommen, um Coronaschnelltests für ganze Schulklassen oder Kita-Gruppen mit geringem Aufwand für die Einrichtungen machen zu können. Mit Einführung der indirekten Testpflicht an Schulen wurde das Testzentrum in Winnenden im Frühjahr 2021 komplett auf PCR-Nachtestung umgestellt. Positive Schnelltests in Schulen können dort noch am gleichen Tag mit einem PCR-Test validiert werden, um den Schulbetrieb nicht länger als nötig zu unterbrechen. Dies ermöglicht die von Beginn an enge Zusammenarbeit mit der Labormedizin der Rems-Murr-Kliniken. Ein detaillierter Leitfaden des Gesundheitsamts, wie die Verordnungen des Landes im Alltag umgesetzt werden können, unterstützt die Schulen zudem beim Umgang mit der Pandemie.

Die Teststrukturen ergänzt die eigens entwickelte App RMK-Cosima. Sie ermöglicht eine schnelle Durchführung von Reihentestungen an Schulen und die digitale Erfassung der Ergebnisse ohne Zettelwirtschaft. Zudem erfolgt die Meldung der Testergebnisse ans Gesundheitsamt automatisch. Als Bonus sind die Ergebnisse für die Schüler in der App als Nachweis nutzbar – etwa für Reisen in andere Bundesländer.

Die begrenzten Kapazitäten der Labore spielen auch eine Rolle

Intensiv geprüft und mit dem Schulamt und der Labormedizin der Rems-Murr-Kliniken abgestimmt wurde in den Sommerferien auch eine Umstellung auf PCR-Pooltests. Bei diesen sogenannten Lollitests werden die Proben einer Klasse gemeinsam im Labor untersucht. Nur wenn positive Fälle dabei sind, findet eine Einzelauswertung, also eine Nachtestung der Klasse, statt. Dieser Vorgang dauert mehrere Tage. PCR-Tests sind zwar genauer, müssen aber im Gegensatz zu den Schnelltests, die vor Ort ausgewertet werden, ins Labor zur Auswertung. Das heißt: Alle Schulen müssten zweimal in der Woche ihre Proben an ein Labor schicken. Bei 50000 Schülern im Rems-Murr-Kreis wäre dies logistisch und finanziell ein erheblicher Aufwand. Zudem sind auch die PCR-Kapazitäten der Labore begrenzt. Dagegen bieten Schnelltests gegenüber PCR-Pooltests den Vorteil, dass sie in Echtzeit ausgewertet werden können.

Die umfassende Struktur aus App und PCR-Testzentrum für Reihen- und Nachtestungen im Rems-Murr-Kreis hat aus Sicht des Krisenstabs im Landratsamt gegenüber PCR-Pooltests große Vorteile. Daher setzt der Rems-Murr-Kreis für Schulen weiterhin auf unter Aufsicht durchgeführte Schnelltests und die App RMK-Cosima – zumindest in den kreiseigenen Schulen. „Unsere Struktur ist nicht nur schnell und digital, sondern es ist auch eine schnelle PCR-Auswertung immer dann gesichert, wenn es darauf ankommt. Auch Reihentestungen mit PCR-Test sind in Schulen und Kitas jederzeit möglich, wenn es hierzu Anlass geben sollte“, sagt Juliane Jastram aus der Pressestelle des Landratsamts. „Selbstverständlich können sich Schulträger im Rahmen ihrer Zuständigkeiten auch anders entscheiden“, so Jastram weiter.

„Verlässliches Testen ist ein wichtiger Baustein beim Infektionsschutz und hilft dabei, die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs zu sichern“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des staatlichen Schulamts in Backnang, zur Teststrategie. „Unsere Schulen wurden durch das weitsichtige Vorgehen des Landratsamts bei der Umsetzung der Teststrategie von Beginn der Pandemie an in jeder Hinsicht gut unterstützt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mithilfe der Maßnahmen des Landratsamts auch im neuen Schuljahr die Teststrategie verlässlich in den Schulen umsetzen können.“

Landrat Sigel kritisiert: Schülerausweis taugt nicht als Testnachweis

Kritisiert wird im Landratsamt, dass der Schülerausweis als Nachweis für einen Schnelltest ausreichen soll. „Wir sind im Rems-Murr-Kreis für pragmatische und einfache Lösungen. Deshalb haben wir eine digitale Lösung zum Testnachweis etabliert, mit der man in den Schulen auf Zettelwirtschaft verzichten und voll digital arbeiten kann. Aber nur noch den Schülerausweis als Testnachweis, das ist für mich eine Lösung, die am Infektionsschutz vorbeigeht und diesen nicht ernst nimmt. Wie will man sicherstellen, dass ein Schüler mit Schülerausweis auch getestet wurde? Wenn man keine validen Lösungen für einen Testnachweis hat, dann sollte man aber ehrlicherweise ganz auf die Testpflicht in den Schulen verzichten“, so Landrat Richard Sigel.lra

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Erstellt:
6. September 2021, 11:30 Uhr

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