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Tüfteln an den Plänen für den Neustart

Nordrhein-Westfalen preschte am vergangenen Montag vor, im Ländle müssen sich die Fitnessstudios in Geduld üben: Hier geht’s erst ab Pfingsten los. Für Betreiber aus der Region ist das okay, weil sie einen breiten Rückhalt aus den Reihen ihrer Kunden verspüren.

Die Zeit der gähnenden Leere in seinem Backnanger Fitnessstudio nähert sich dem Ende. Manfred Giess freut sich auf seine Kunden. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Die Zeit der gähnenden Leere in seinem Backnanger Fitnessstudio nähert sich dem Ende. Manfred Giess freut sich auf seine Kunden. Foto: J. Fiedler

Von Steffen Grün

BACKNANG/MURRHARDT/WEISSACH IM TAL. Am liebsten wäre es Manfred Giess logischerweise, wenn sein WM-Sportzentrum in Backnang schon morgen wieder öffnen könnte. Er kann jedoch auch nachvollziehen, dass die Politik die Zügel in der Coronakrise nicht für alle Branchen gleichzeitig lockern will. „Von überall kommt Druck“, versetzt sich der 69-Jährige in die Lage der Entscheidungsträger und drückt deshalb trotz der schweren Einbußen seit der Zwangsschließung vor rund zwei Monaten nur vorsichtig aufs Tempo: „Es darf kein halbes Jahr mehr dauern, aber davon gehe ich auch nicht aus.“ Diese Zuversicht ist berechtigt, denn einen Fahrplan gibt es in Baden-Württemberg schon: Ab Pfingsten – also wohl Anfang Juni – darf in den Fitnessstudios wieder geschwitzt werden.

Diesen Zeitraum kann der Familienbetrieb von Manfred Giess, der seit Februar 1986 am jetzigen Standort stetig gewachsen ist, trotz der weiterlaufenden Fixkosten, der ausbleibenden Neuanmeldungen und des fehlenden Thekenumsatzes überbrücken. „Wir haben noch einen Puffer“, betont der Inhaber und führt das auch auf die Treue der Kunden zurück: „Wir haben erstaunlich wenig Abmeldungen und noch weniger Mitglieder, die bislang ihre Beiträge zurückgefordert haben. Vielleicht eine Handvoll.“ Beinahe gerührt legt der Betreiber aufmunternde Mails auf den Tisch und erzählt von zahlreichen Anfragen zum Neustart, „auch bei zufälligen Begegnungen in der Stadt. Es ist toll, einen solchen Rückhalt in der Kundschaft zu haben.“

Noch unklar ist aber, unter welchen Bedingungen es in zwei, drei Wochen wieder losgeht – wie es in etwa laufen könnte, zeigen die Vorgaben in Nordrhein-Westfalen (siehe Kasten), wo die Studios ihre Pforten bereits vergangenen Montag wieder öffneten. Giess glaubt, dass auf rund 2700 Quadratmetern auch mit den zu erwartenden Restriktionen vieles möglich ist. Wie das WM-Sportzentrum auf der Homepage verkündet, können die Mitglieder die Dauer der aktuellen Zwangspause am Ende der Vertragslaufzeit kostenlos dranhängen.

Murrhardter Muckibude überbrückt die Zwangsschließung mit Livestreams auf Instagram.

Einen sehr ähnlichen Vorschlag macht seinen Mitgliedern auch Emre Polat vom Fitnessclub Asahi in Murrhardt, der allerdings wie der Kollege in Backnang von einer hohen Solidarität berichtet. „90 bis 95 Prozent der Kunden halten zu mir, sind sehr loyal und zahlen ihren Beitrag weiter“, freut sich der 27-Jährige, der das Studio vor zweieinhalb Jahren von seinem Vater Bekir Polat übernommen hat: Wenn, dann seien es eher die Älteren, die etwas zurückfordern. Zu tun haben könnte diese Treue mit der familiären Atmosphäre, die der Inhaber zwischen sich und vielen Trainingsgästen verspürt. „Es gibt auch privat viele Freundschaften“, verrät er.

Zudem bietet Emre Polat via Instagram seit dem ersten Tag der Zwangsschließung Livestreams an, die alle Interessierten zum Mitmachen einladen. Für ein Weilchen ist das besser als nichts und er findet es aus Sicherheitsgründen auch in Ordnung, dass Baden-Württemberg mit den Lockerungen etwas vorsichtiger als andere Bundesländer ist, trotzdem kann er die Wiedereröffnung kaum abwarten. „Ich bin guter Dinge, dass es noch besser wird als vorher“, sagt der Murrhardter und begründet den Optimismus gerade mit der Krise: „So etwas schweißt zusammen. Es ist sehr wichtig, Sport zu treiben, und wenn man etwas plötzlich nicht mehr hat, dann realisiert man noch mehr, wie sehr es einem fehlt.“

Polat nutzte die letzten Wochen, um die Sanitärräume für einen fünfstelligen Betrag komplett zu erneuern, zumindest die Umkleiden, Saunen und Duschen bleiben aber wohl zunächst verriegelt. „Die Kunden sollten schon umgezogen sein“, nennt der Studiochef eine weitere Hygienemaßnahme neben der peniblen Desinfektion: „Rein und wieder raus.“ Ansonsten wartet er ab, wie die Vorgaben der Behörden im Detail aussehen und hat lediglich einen Wunsch: „Masken während des Trainings wären nicht sinnvoll und realisierbar.“

Kai Hermann vom Medisports Healthclub in Unterweissach sieht dem Neustart nach Pfingsten „sehr positiv entgegen. Das Hygienekonzept ist erarbeitet und dessen Umsetzung in die Wege geleitet.“ Im Endstadium der Planung sind Kurse im Outdoorbereich, „die uns sicherlich noch eine Weile begleiten werden und uns sehr interessante Möglichkeiten eröffnen“. Mit solchen Ideen ist der Inhaber und Geschäftsführer überzeugt davon, mit seinem Team gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Hermann verhehlt allerdings nicht, dass die Coronakrise sein Studio nur 18 Monate nach der Eröffnung besonders hart getroffen hat. Dass die Mitglieder „sehr loyal und solidarisch“ seien, helfe dabei, die äußerst schwierige Situation zu überstehen. Den Kontakt zu ihnen pflege man intensiv, telefonisch und „regelmäßig mit Infopost. Kommunikation ist in dieser Zeit alles.“ Über die Homepage und die sozialen Medien stellen Kai Hermann und sein Team Videos zur Verfügung, „die unsere Kunden fleißig in Anspruch nehmen“. Es können allerdings auch alle anderen Interessierten frei und kostenlos darauf zugreifen – „so tragen wir dazu bei, dass alle die Möglichkeit haben, während dieser schwierigen Zeit etwas für ihre Gesundheit zu tun“.

Hygiene- und Infektionsschutzstandards könnten sich an Nordrhein-Westfalen orientieren

Nordrhein-Westfalen machte am Montag, 11. Mai, den Anfang, um kurz nach 0 Uhr feierten im bevölkerungsreichsten Bundesland die ersten Fitnessstudios ihre Wiedereröffnung. Freilich unter strengen Hygiene- und Infektionsschutzstandards, die für die Behörden in Baden-Württemberg eine Blaupause oder zumindest eine Orientierungshilfe darstellen könnten. Alle Informationen gibt’s auf der Homepage des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (www.dssv.de/corona/wiedereroeffnung), hier einige ausgewählte Punkte in Kürze.

Es darf nur die Anzahl an Kunden ins Studio, die sich aus den Regeln errechnen lässt. Alternativ ist auf einer Fläche von 7 Quadratmetern jeweils nicht mehr als eine Person zulässig. Zwischen zwei mit Kunden besetzten Fitnessgeräten muss grundsätzlich ein Mindestabstand von 3 Metern (1,50 Meter plus Bewegungsraum und Gerät) gewährleistet sein. Idealerweise soll nur jedes zweite Gerät genutzt werden. Bei Kursen wird für jeden Teilnehmer ein Mindestabstand von

2 Metern in sämtliche Richtungen verlangt.

Kunden mit Symptomen einer Atemwegsinfektion ist der Zutritt zu verweigern, bei Beschäftigten sind Ausnahmen nach ärztlicher Abklärung möglich. Die Kundenkontaktdaten, der Zeitpunkt des Betretens und Verlassens des Studios sowie Kursteilnahmen müssen zur möglichen Kontaktpersonennachverfolgung dokumentiert werden. Sportler haben sich nach dem Eintritt die Hände zu waschen oder zu desinfizieren, die Mittel sowie Einmalhandtücher stellt das Studio bereit.

Umkleiden dürfen nur zur Verwahrung der privaten Gegenstände der Gäste in den Spinden geöffnet werden. Die Benutzung von Duschen sowie des kompletten Wellnessbereichs ist bis auf Weiteres untersagt. Die Beratung von Kunden (Erstunterweisung, Ernährungs- oder Trainingsplanung) ist erlaubt.

Das Ausüben von Sportarten mit unvermeidbarem Körperkontakt ist unzulässig. Selbiges gilt aufgrund der Aerosolbelastung für jedes hochintensive Ausdauertraining wie Indoor-Cycling oder anaerobes Schwellentraining.

Große, selbst mitgebrachte Handtücher als Unterlage sind obligatorisch. Die Kontaktflächen aller Sportgeräte sowie alle weiteren Kontaktflächen (zum Beispiel Spinde oder Ablagen) müssen nach jedem Gebrauch desinfiziert werden. Hierzu sind zusätzliche Desinfektionsmittelspender aufzustellen. Sportequipment wie Therabänder oder Matten, deren Kontaktflächen schlecht zu desinfizieren sind, dürfen nicht benutzt werden.

Beschäftigte müssen in allen Räumen, soweit dem keine medizinischen Gründe entgegenstehen, eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Trainer und Kursleiter können, sofern das für ihre Tätigkeit erforderlich ist, unter Wahrung der Abstandsregeln darauf verzichten.

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Erstellt:
15. Mai 2020, 06:00 Uhr

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