Verkauf auf privater Ebene ist die Lösung

Für Marktbeschicker fiel die Saison 2020 komplett ins Wasser. Kunsthandwerker und Produzenten handgemachter Produkte bieten ihre Ware aber vielfach via Homepage oder direkt vor Ort an.

Sabin Brendle hat eine Keramikwerkstatt in Backnang. Sie ist weithin für ihre Arbeiten für unterschiedlichste Einsatzbereiche bekannt. Foto: privat

Sabin Brendle hat eine Keramikwerkstatt in Backnang. Sie ist weithin für ihre Arbeiten für unterschiedlichste Einsatzbereiche bekannt. Foto: privat

BACKNANG/ASPACH/ALTHÜTTE/GROSSERLACH. Wie geht es eigentlich den Kunsthandwerkern in der Coronakrise beziehungsweise all denen, die – abgesehen von Vereinsmitgliedern – ansonsten auf (Weihnachts-)Märkten ihre Waren anbieten? Im Jahr 2020 ist praktisch die komplette Marktsaison ins Wasser gefallen. „Seit dem ersten Lockdown hat kein Markt stattgefunden“, weiß Sabin Brendle, Keramikerin in Backnang. Allerdings war schon in den vergangenen Jahren zu beobachten, dass die Weihnachtsmärkte ohnehin für viele Kunsthandwerker an Bedeutung verloren haben. Denn für die Menschen sind sie vor allem ein Fest der Geselligkeit. Was sich dort insbesondere verkauft wie geschnitten Brot sind Glühwein, heiße Rote, Dampfnudeln oder andere schmackhafte Dinge.

„Man muss sehen, dass das ganze Jahr etwas geht“, sagt Sabin Brendle. Wichtig für die Keramiker sei etwa der bundesweite Tag der offenen Töpferei. Am zweiten Wochenende im März können Töpfereien und Keramikwerkstätten gewöhnlich besucht werden. Weil es die Saison 2020 verhagelt hat, hoffen die Betreiber der Studios und Ateliers nun auf den 16. Tag der offenen Töpferei am 13. und 14. März 2021. Bundesweit sind dies nach den Worten Brendles zirka 530 teilnehmende Betriebe und Soloselbstständige, und zwar ausschließlich Profis.

Wichtig ist vor allem, dass man sich einen guten Namen in der Szene macht. Sabin Brendle muss sich da keine Sorgen machen. Sie gehört zu den renommiertesten Keramikerinnen im Ländle. Auch in der Vorweihnachtszeit gehen direkt bei ihr Bestellungen ein. Waren verschicken ist einer der gangbaren Wege.

Der Verein Keramik in Baden-Württemberg.

Seit zwei Jahren ist Sabin Brendle auch Mitglied im Verein Keramik in Baden-Württemberg. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von über 50 Keramikwerkstätten. „Wir möchten uns nicht nur auf Töpfermärkten unverbindlich treffen und austauschen, sondern auch als Gemeinschaft auftreten, um unser Handwerk, unsere Arbeit und unsere Anliegen nach außen zu vertreten, zu erklären und zu befördern“, beschreibt der Verein eines seiner Anliegen. Nach außen eher unbemerkt ist der Verein die offizielle Standesvertretung gegenüber den Handwerkskammern und staatlichen Organisationen sowie Ansprechpartner für die Berufsschule und für alle Fragen der Berufsausbildung. Zudem dient er als Plattform für Aktionen und Initiativen der Mitglieder. In diesem Zusammenhang werden auch immer wieder Möglichkeiten für Ausstellungen und Präsentationen aufgetan. Sabin Brendle, Meisterin und Diplom-Gestalterin im Keramikerhandwerk, die für ihre außergewöhnlichen Kreationen bekannt ist, hat sich aber trotz allen Erfolgs in diesem Bereich schon sehr früh ein zweites und drittes Standbein aufgebaut. Sie engagiert sich überdies in Sachen schulischer Begleitunterricht und Gartengestaltung.

Anders ist die Situation von Tanja Strehnisch von der Schneckenfarm in Aspach-Röhrach. Im Herbst hat sie neben ihrer eigentlichen Arbeit wieder aus den Häuschen der Weinbergschnecken beispielsweise Lichterketten, Vasen, Schalen zum Bepflanzen und Übertöpfe produziert. Auch Lampen, die ein bernsteinfarbenes Licht erzeugen, stellt sie her. Und dies trotz der vielen Arbeit, die die Scheckenzucht mit sich bringt. Tanja Strehnisch: „Man muss gerne arbeiten, bei uns ist alles Handarbeit.“ Die Dekoartikel aus dem tierischen Material sind im Übrigen keine fragile Angelegenheit. Die Schneckenhäuser seien sehr stabil, versichert die Züchterin. Denn die Schnecken bekommen das beste (Grün-)Futter, das man sich denken kann. Wäre Tanja Strehnisch Corona nicht in die Quere gekommen und die damit verbundenen Absagen von Märkten, hätte sie ihre Waren auf Weihnachtsmärkten anbieten können. Zum Beispiel in Aspach oder Öhringen – aber dies hat nicht sollen sein. Dennoch fand sie einen Weg, ihre Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Dabei half ihr, dass sich die Existenz der Schneckenfarm schon lange herumgesprochen hat. Bekanntheit brachte auch, dass sie beim Backnanger Straßenfest schon mit ihren Waren vertreten war. Tanja Strehnisch präsentierte die Waren jetzt bis zum zweiten Lockdown in diesem Jahr in ihrem Unternehmen in Aspach. Wer bei ihr anrief und einen Termin vereinbarte, konnte so in aller Ruhe einen Dekoartikel aussuchen.

Die Schneckenzucht soll erweitert werden.

Die Strehnischs haben Erfahrung mit dieser Art der Vermarktung: „So ist es auch mit dem Schneckenfleisch,“ sagt Tanja Strehnisch. „Wir verkaufen hauptsächlich an Private.“ Die seit 2008 bestehende Schneckenzucht, die sie und ihr Mann Frank in Röhrach aufgebaut haben, soll jetzt sogar erweitert werden, Tochter Madlen möchte mit einsteigen. Den Genehmigungsantrag dafür haben sie im Herbst eingereicht.

Auch Hans Schuster aus Althütte, den man eher als Imker kennt, wäre in diesem Jahr auf Weihnachtsmärkten „bis runter nach Schwäbisch Gmünd“ mit seinen Produkten vertreten gewesen. Er bietet Kunsthandwerkliches wie Krippen, Sterne, Engel, Tierfiguren und Holzspielzeug für Kinder an. Der Hobbykunsthandwerker war einmal Präzisionswerkzeugmacher. „Dieses Jahr habe ich nicht viel gemacht“, versichert der Althütter, der seit Kurzem in Rente ist. Dass Weihnachtsmärkte 2020 nicht möglich sein werden, hatte er sich schon lange gedacht. Was er aber trotz alledem hergestellt hatte, veräußerte er auf privatem Weg.

Christine Pommerer vom Kräuterzentrum Wasenhof in Großerlach ist jetzt keine Kunsthandwerkerin wie sie im Buche steht, doch war sie mit selbst erzeugten Produkten immer wieder auf Märkten vertreten. Heuer konzentrierte sie sich auf ihr eigenes „Märktle“. Obendrein packte sie unermüdlich Päckchen zum Verschicken. Darin fanden sich beispielsweise Kräuter, Öle, Seifen, Salben oder ein Räucherstövchen und Räuchermischungen. Und sie stellte ganze Sets mit Immunstärkendem zusammen. Sie will in diesen schwierigen Zeiten den Menschen Mut machen und gibt zu den Produkten noch Gesundheitstipps dazu. Im Dezember liegt ihr Fokus auf der Hagebutte.

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Erstellt:
22. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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