Viele Fragen zum Impfzentrum offen

Wie die Abläufe aussehen sollen und wer wann zum Zug kommt, ist noch unklar. Derzeit laufen dazu noch Abstimmungsgespräche zwischen Land, Kommunen und Kreisen. Am 15. Januar soll aber alles bereit sein, um mit den Coronaimpfungen zu beginnen.

Landesimpfzentrum Ulm: So könnten der Aufbau und die Kabinen in der Waiblinger Rundsporthalle auch aussehen. Fotos: Sozialministerium

Landesimpfzentrum Ulm: So könnten der Aufbau und die Kabinen in der Waiblinger Rundsporthalle auch aussehen. Fotos: Sozialministerium

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. „Wir wissen selber noch nicht sehr viel“, muss Martina Keck eingestehen. Wer das künftige Kreisimpfzentrum in der Waiblinger Rundsporthalle betreibt, wer die Einrichtung aufbaut, wie die Abläufe sein werden und welches Personal überhaupt in der zentralen Impfstation im Kreis zum Einsatz kommen soll: all das ist noch unklar. Es gebe noch keinen Management-Vertrag, der Details regeln würde, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts und deutet an: „Es ist noch ein langer Weg.“

Ein Weg, der unter großem Zeitdruck beschritten werden muss. Denn schon am 15. Januar soll die komplette Einrichtung betriebsbereit sein. Im Moment ist davon aber noch nichts zu sehen. „Es sind noch viele Infos vom Land nötig, um wirklich loslegen zu können“, beschreibt Keck die Situation. Und: „Wir wollen nicht in die falsche Richtung loslaufen.“ Immerhin: Der Kreisbrandmeister René Wauro hält bereits Kontakt zu den Hilfsorganisationen, die ihrerseits signalisiert haben, für Aufgaben am Impfzentrum bereitzustehen. Aber auch da seien die Rahmenbedingungen noch nicht geklärt, etwa die Frage der Vergütung. Bei allem Zeitdruck gelte es auch daher abzuwarten, „was genau an Vorgaben vom Land kommt“. So laufen derzeit auch noch Gespräche zwischen Land, Städtetag, Landkreistag und Gemeindetag zur Frage, nach welchem Betreibermodell die Impfzentren organisiert und koordiniert werden.

„Unsere Impfstrategie steht auf einem stabilen Fundament.“

Die Pläne des Landes sehen neun zentrale Impfzentren in Freiburg im Breisgau, Offenburg, Karlsruhe, Heidelberg, Stuttgart (zwei), Rot am See, Tübingen und Ulm vor. Vor einer Woche hat es dazu in Ulm einen Testlauf gegeben, um zu prüfen, wie die Abläufe in so einer Einrichtung funktionieren können. Hinzu kommen weitere Impfzentren in den Landkreisen, deren Standorte letzte Woche festgelegt wurden (wir berichteten). Gesundheitsminister Manfred Lucha: „Unsere Impfstrategie steht auf einem stabilen Fundament.“

In jedem Stadt- und Landkreis sollen demnach größenabhängig ein bis zwei Impfzentren aufgebaut werden. Für den Rems-Murr-Kreis hat es dabei nur zu einem gereicht. Keck mit Blick auf den Vorschlag, den der Landkreis mit Standorten bei den beruflichen Schulzentren in Backnang und Waiblingen eingereicht hatte: „Wir hätten auch mehr genommen.“ Zum Zug gekommen ist aber der Vorschlag der Stadt Waiblingen mit der Rundsporthalle, die hinsichtlich Parkplätzen sicherlich Vorzüge habe. Auch was die Erreichbarkeit betrifft, werde es kein Problem geben. Die Bauarbeiten im Bereich der B-14-Ausfahrt Waiblingen-Mitte würden demnächst abgeschlossen, erklärt Keck. Dann sei der Weg frei.

Flankierend zu den Impfzentren soll es mobile Impfteams mit sogenannten aufsuchenden Angeboten geben, die beispielsweise in Pflegeheime gehen. Denn ein Teil der vulnerablen Gruppen wird, so das Ministerium, vor allem auf solche Angebote angewiesen sein. Zudem wird an einem Konzept zur Impfung in Kliniken gearbeitet, wo das dort beschäftigte Personal geimpft werden soll.

Wer aber wird zuerst geimpft? Grundsätzlich, so das Ministerium, werde die Priorisierung vom Bund auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Deutschen Ethikkommission vorgenommen. Bereits abzusehen sei, dass im ersten Schritt neben medizinischem Personal und Personal in kritischen Infrastrukturen vor allem vulnerable Personengruppen geimpft werden sollen. Für die Verteilung des Impfstoffs will das Land sorgen. Damit verknüpft ist auch die Verteilung des Impfbestecks. Aber das Ministerium sagt auch: „Ein zugelassener Impfstoff steht zu Beginn nicht automatisch überall und für jeden sofort zur Verfügung.“ Es müsse erst eine ausreichende Menge hergestellt werden. Zuständig für die Planung und Verteilung sowie den Aufbau von Herstellungskapazitäten sei der Bund.

Seitens des Landes ist geplant, dass die Anmeldung zur Impfung telefonisch erfolgt, und zwar über eine spezielle Weiche der Telefonnummer 116117. Allerdings sollen in größeren Zentren auch telefonische Anmeldungen direkt dort entgegengenommen werden können. Darüber hinaus sollen Anmeldungen auch über eine App ermöglicht werden.

Dabei wird, obwohl die Impfung freiwillig ist, mit einer großen Nachfrage gerechnet. Deshalb ist geplant, dass kalendertäglich, also sieben Tage die Woche, geimpft wird – und das in zwei Schichten von 7 bis gegen 21 Uhr. In diesem Zeitfenster sollen etwa 800 Impfungen täglich pro Standort vorgenommen werden.

Das Land geht davon aus, dass die Kreisimpfzentren bis Juni nächsten Jahres benötigt werden. Wenn erforderlich, soll deren Tätigkeit aber verlängert werden. Wenn die Kreisimpfzentren wieder aufgelöst werden, sollen die Impfungen von Haus- und Fachärzten übernommen werden. Das Land plant, sich dann aus dem Impfgeschehen zurückzuziehen. Vorausgesetzt wird dabei, dass im Laufe des Frühjahrs/Sommers Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar ist.

Laut Sozialministerium ist davon auszugehen, dass jede Person sich zweimal impfen lassen muss, und zwar im Abstand von 21 bis 28 Tagen. Deshalb werde die gleichzeitige Vergabe von zwei Impfterminen anzustreben sein.

Viele Fragen zum Impfzentrum offen
Ein erster Testlauf in Ulm vor gut einer Woche stieß auf reges Medieninteresse.

Ein erster Testlauf in Ulm vor gut einer Woche stieß auf reges Medieninteresse.

Die aktuellen Coronafallzahlen

Die 7-Tage-Inzidenz im Rems-Murr-Kreis liegt laut den Werten von Samstag bei 191 Neuinfektionen, der Vorwert lag bei 170. Dieser Wert ist bekanntlich maßgeblich für die Einschätzung des Infektionsrisikos. Demnach gilt der Rems-Murr-Kreis weiterhin als Risikogebiet. Am 15. Oktober war hier der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100000 Einwohner innerhalb von sieben Tage überschritten worden. Die Zahl der Infizierten in Quarantäne liegt jetzt bei 970 (Vorwert 896). 7424 Infizierte sind insgesamt im Kreisgebiet zu verzeichnen. Zuvor waren es 7232 infizierte Personen. Die Zahl der Covid-19-Toten im Kreis ist seit dem letzten Meldungsstand um einen Sterbefall von 127 auf 128 gestiegen.

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Erstellt:
7. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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