Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Widerstand gegen Straßenfest im Herbst

Mehrere Stadträte plädieren für eine komplette Absage der 50. Auflage – Gemeinderat soll am 7. Mai entscheiden

Anfang der Woche hatte Oberbürgermeister Frank Nopper noch die Hoffnung genährt, dass das 50. Backnanger Straßenfest trotz Corona in diesem Jahr stattfinden kann. Statt des traditionellen Termins im Juni brachte Nopper eine Verschiebung auf September ins Spiel. Doch die Hoffnung, dass es dazu kommen wird, schwindet. Im Gemeinderat mehren sich die Stimmen, die eine komplette Absage fordern.

OB Frank Nopper würde gerne wieder bei der Straßenfesteröffnung am Zapfhahn stehen. Dass ihm das in diesem Jahr noch vergönnt sein wird, ist allerdings unwahrscheinlich.Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

OB Frank Nopper würde gerne wieder bei der Straßenfesteröffnung am Zapfhahn stehen. Dass ihm das in diesem Jahr noch vergönnt sein wird, ist allerdings unwahrscheinlich.Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Im sogenannten Umlaufverfahren hatte die Verwaltung am Dienstag eine Beschlussvorlage an die Gemeinderäte verschickt: Diese sah vor, das 50. Backnanger Straßenfest Ende Juni abzusagen und als Alternativtermin den 11. bis 14. September ins Auge zu fassen. Gestern hat Hauptamtsleiter Timo Mäule die Abstimmung jedoch gestoppt. Mit dem von Bund und Ländern erlassenen Verbot von Großveranstaltungen bis 31. August ist der Juni-Termin ohnehin gestorben. „Ein Gemeinderatsbeschluss darüber ist deshalb obsolet“, so Mäule.

Mit der Entscheidung, ob man für das Straßenfest einen neuen Termin im September ansetzt oder nicht, könnte sich der Gemeinderat eigentlich bis Juni Zeit lassen. Eventmanager Jürgen M. Häfner hatte erklärt, dass er für die Organisation etwa drei Monate Vorlauf benötige. OB Frank Nopper würde diese Zeit gerne nutzen, um die weitere Entwicklung der Coronapandemie abzuwarten.

Etliche Stadträte halten das allerdings nicht für sinnvoll und sprechen sich dafür aus, das Straßenfest schon jetzt ganz abzusagen. Bereits am Mittwochvormittag, noch ehe das Verbot von Großveranstaltungen bekannt war, hatte sich SPD-Stadtrat Armin Dobler via Facebook zu Wort gemeldet und sich gegen eine Verlegung in den Herbst ausgesprochen. „Man sollte keine Hoffnungen machen, die völlig unrealistisch sind“, so Dobler.

Es sei nicht vorstellbar, dass sich zwei Wochen nach der Aufhebung des Verbots die Menschen zu Tausenden durch die Marktstraße schieben. Dobler nennt aber noch andere Gründe: Er hat die Sorge, dass Ältere das Fest aus Angst vor Ansteckung meiden würden. Doch gerade beim Jubiläum sollten auch diejenigen mitfeiern, die schon bei der Premiere im Jahr 1971 mit dabei waren, findet der Stadtrat. Davon abgesehen hält Dobler generell nicht viel von einem Fest im September: „Das Straßenfest gehört in den Juni mit seinen langen hellen Sommerabenden und nicht in den Frühherbst.“

Ein kleines Fest in diesem Jahr, das große im nächsten?

Seine Fraktion weiß der SPD-Stadtrat hinter sich. „Es ist relativ klar, dass der Termin im September nicht haltbar ist“, sagt Fraktionschef Heinz Franke. Selbst wenn das Verbot von Großveranstaltungen Ende August aufgehoben wird, werde man Mitte September nicht so feiern können, wie man es beim Straßenfest gewohnt sei: „Das wäre dann nur ein Abklatsch“, befürchtet Franke und sieht deshalb auch keine Notwendigkeit, die Entscheidung bis Juni hinauszuschieben.

Auch bei der CDU gibt es nach Angaben der Fraktionsvorsitzenden Ute Ulfert „erhebliche Bedenken“ gegen eine Verschiebung auf September. „Was soll im September grundsätzlich anders sein?“, fragt die Ärztin. Dass es bis dahin einen Impfstoff oder ein Medikament gegen Covid-19 gebe, sei nicht zu erwarten. „Und ein Straßenfest mit Mundschutz und Sicherheitsabstand dürfte schwierig sein.“ Falls sich die Situation deutlich entspannt, sollte man aus ihrer Sicht zunächst einmal mit kleineren Veranstaltungen und Festen beginnen. Für eine „Kombilösung“ spricht sich Grünen-Fraktionschefin Melanie Lang aus: „Das große Jubiläumsstraßenfest feiern wir nächstes Jahr, und dieses Jahr, wenn es möglich ist, vielleicht ein kleineres Fest, damit Vereine und Gastronomen noch ein paar Einnahmen haben.“

Charlotte Klinghoffer vom Bürgerforum Backnang will sich die Hoffnung aufs Straßenfest hingegen noch nicht ganz nehmen lassen: „Wir sind alle keine Hellseher. Was ist schlimm daran, mit der Entscheidung noch bis Juni zu warten?“, fragt die Fraktionssprecherin. Falls das Virus schneller als erwartet besiegt sei, würde man es vielleicht bereuen, wenn man das Straßenfest voreilig abgesagt hätte. „Man sollte der Bevölkerung die Freude nicht jetzt schon nehmen“, findet Klinghoffer.

Die Entscheidung über Absage oder Verlegung des Straßenfestes wird voraussichtlich am 7. Mai getroffen. Dann wird sich der Backnanger Gemeinderat nach zehnwöchiger Pause zum ersten Mal wieder zu einer Sitzung treffen – unter strengen Hygieneregeln, wie Hauptamtsleiter Mäule betont. Um den Sicherheitsabstand einzuhalten, findet die Sitzung statt im Kreisverwaltungsgebäude im Bürgerhaus statt. Außerdem werde man an alle Teilnehmer – Stadträte wie Zuschauer – Gesichtsmasken verteilen.

Kommentar
Absage ist alternativlos

Von Kornelius Fritz

Die Backnanger hängen sehr an ihrem Straßenfest. Die Vorstellung, dass die Traditionsveranstaltung ausgerechnet im 50. Jahr ihres Bestehens zum ersten Mal ausfallen muss, bereitet manchen geradezu körperliche Schmerzen. Deshalb klammern sie sich noch immer an die Hoffnung, der Höhepunkt des Jahres könnte, wenn schon nicht im Juni, dann vielleicht im September über die Bühne gehen. Auch Oberbürgermeister Frank Nopper gehört dazu: Schließlich hätte das Jubiläumsstraßenfest für ihn persönlich der krönende Abschluss in Backnang vor dem angestrebten Wechsel nach Stuttgart werden können.

Das alles ist durchaus verständlich, trotzdem ist es an der Zeit, der Realität ins Auge zu blicken: Ein Straßenfest, wie wir es kennen, wird im Jahr 2020 nicht möglich sein. Zwar gilt das Verbot für Großveranstaltungen aktuell nur bis Ende August, doch die Regierung wird sich die Möglichkeit einer Verlängerung bei wieder steigenden Infektionszahlen offen halten. Und selbst wenn es im September kein Verbot mehr gäbe, könnten wir wirklich feiern, als sei nichts gewesen?

Würde nicht die Angst vor einer Infektion die Freude bremsen? Wären nicht Konflikte vorprogrammiert, wenn sich Fremde ungewollt zu nahe kommen? Würden ältere Menschen und andere sogenannte Risikogruppen nicht lieber zu Hause bleiben, um nichts zu riskieren?

Nein, das Backnanger Straßenfest darf nicht überschattet sein von Sorgen, Ängsten und Sicherheitsvorkehrungen. Deshalb kann die Jubiläumsausgabe erst 2021 steigen – frühestens.

k.fritz@bkz.de

Zum Artikel

Erstellt:
18. April 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Corona

Kunst kommt zu Kindern nach Hause

Die Jugendkunstschule Backnang hat neben dem Online-Unterricht ein neues Projekt mit allen Kindern gestartet. Jeder der 107 Schüler hat ein Paket mit Malmaterialien bekommen – unter einem Thema sollen die Kinder gemeinsam kreativ werden.

Die Backnangerin Sophie Pröhl ist eine jener Mütter, die ihr Leben zwischen Laptop, Herd und Schularbeiten neu ausrichten muss. Foto: A. Becher
Top

Corona

Mit 24 Stunden ist der Tag einfach zu kurz

Mütter stehen in Coronazeiten vor besonderen Herausforderungen. Einerseits müssen sie weiterhin ihrem Beruf nachgehen, andererseits müssen sie die Familienarbeit damit in Einklang bringen – mit Kindern im Haus eine gewaltige Aufgabe.