Zwei Wochen bis zum schriftlichen Abitur

Am 4. Mai beginnen die schriftlichen Prüfungen. Die Abiturienten lernen von nun an zu Hause. Präsenzunterricht findet nicht mehr statt, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Über die Prüfungsvorbereitungen während der dritten Coronawelle.

Johanna Haug mit Laptop und Lernordner an ihrem Schreibtisch: Die 17-Jährige aus Oberweissach bereitet sich auf das Abitur vor. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Johanna Haug mit Laptop und Lernordner an ihrem Schreibtisch: Die 17-Jährige aus Oberweissach bereitet sich auf das Abitur vor. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

WEISSACH IM TAL. Es ist schon das zweite Jahr, in dem die Abiturprüfungen nicht wie gewohnt stattfinden können. Für die Schüler ist das vielleicht sogar weniger schlimm als für die Lehrer – schließlich machen sie die Prüfungen im besten Fall nur einmal mit, die Situation ist für sie so oder so Neuland. Vorstellen können sie sich aber schon, wie die Vorbereitungen und der Unterricht im Vorfeld ohne die Coronapandemie verlaufen wären. Ohne Fern- und Wechselunterricht, Schnelltests und bei manchen auch Quarantäne.

„An unserer Schule machen die Lehrer das Beste aus der Situation“, ist Johanna Haug überzeugt. Die 17-Jährige aus Oberweissach besucht das Gymnasium am Bildungszentrum Weissacher Tal (Bize). Sie bereitet sich auf das schriftliche Abitur in den Leistungsfächern Deutsch, Chemie und Mathematik vor, Mitte Juli wird sie zudem die mündliche Prüfung in Biologie beziehungsweise Gemeinschaftskunde/Erdkunde ablegen.

„Schultechnisch sind wir durch mit dem Unterrichtsstoff“, sagt Haug. Sie fühlt sich auf die schriftlichen Prüfungen gut vorbereitet. „In Chemie haben wir schon vor der Pandemie Abiaufgaben gelöst“, berichtet sie. Die Lehrer seien die Themen nacheinander im Unterricht durchgegangen. Vor zirka vier Wochen haben die Schüler im Deutschunterricht eine Probelangzeitklausur geschrieben, sechs Schulstunden hatten sie Zeit für den Test. Der Unterschied zu normalen Klassenarbeiten sei nicht groß gewesen, meint Haug. Wie so oft zu Coronazeiten wurde dabei durchgängig gelüftet, die Schüler mussten Masken tragen.

Von dieser Woche an bereiten sich die Schüler des Bize am eigenen Schreibtisch auf das Abitur vor. Wie genau, das bleibt jedem selbst überlassen. Die Lehrer haben dazu geraten, auch in den anderen Prüfungsfächern einmal eine Langzeitklausur zu schreiben. Fernunterricht findet nur noch für die Leistungsfächer statt. Johanna Haug setzt sich danach an ihre Unterlagen und geht alte Abituraufgaben durch: „Wenn man nicht jeden Tag ein bisschen was macht, wird es schwer, glaube ich.“ Das meiste macht sie allein, für sich, zu mehreren kann man sich zu Coronazeiten ohnehin nicht treffen. „Lerngruppen“, meint sie, „ergeben online wenig Sinn.“

Jeder Kurs hat eine WhatsApp-Gruppe, in der über Fragestellungen diskutiert wird.

Mit ihren Mitschülern aus der Stufe tauscht sie sich trotzdem regelmäßig aus. Jeder Kurs hat eine WhatsApp-Gruppe, in der über Fragestellungen diskutiert wird. Mit Freunden, die denselben Kurs belegen, bespricht sie Probleme hin und wieder über Sprachnachrichten. Wissen die Schüler keine Lösung, helfen die Lehrer weiter. „Das funktioniert wirklich gut“, sagt Haug, „Die Lehrer melden sich in der Regel sehr schnell zurück und sind eigentlich immer erreichbar. Ich bin echt dankbar dafür, dass unsere Lehrer und Lehrerinnen uns so tatkräftig zur Seite stehen und uns diese erschwerte Zeit so leicht wie möglich machen.“

Zu Beginn der Pandemie, im Frühjahr 2020, fiel der Unterricht komplett aus. „Da hat der Präsenzunterricht schon gefehlt“, sagt Haug. Vor Ort, im Klassenzimmer, können die Lehrer Fragen schnell und unkompliziert beantworten, Lösungswege an der Tafel oder auch am Taschenrechner vorführen. Das ist beim Fernunterricht ungleich komplizierter, findet auch Katharina Bechthold. Die 18-Jährige aus Althütte ist ebenfalls Schülerin des Gymnasiums am Bize. „Beim Fernunterricht“, sagt sie, „muss man deutlich mehr machen, da braucht man mehr Motivation.“ Ihr selbst sei es aber leichtgefallen, sich zu motivieren – vielleicht auch wegen des Drucks, der aufgrund der bevorstehenden Prüfungen auf ihr lastet. „In der 10. Klasse hat man es vielleicht schwerer“, sagt sie. „Es hängt aber auch von der Persönlichkeit ab, ob einem das leichtfällt oder nicht.“

Dass nun kein Präsenzunterricht mehr stattfindet, nur noch die Leistungsfächer online unterrichtet werden statt – wie bis Ende vergangener Woche – alle Fächer, empfindet Bechthold als Erleichterung. „Die letzten Wochen waren stressig“, sagt sie. „Es ist gut, dass wir jetzt mehr Zeit zum Lernen haben.“ Schade findet sie, dass es wegen der Pandemie keine Abifahrt geben wird. „Wir hoffen, dass Ende Juli wenigstens der Abiball stattfindet.“

Aber nun geht es erst einmal um die Prüfungen, bei Katharina Bechthold um Chemie, Mathematik und Biologie. Die vergangenen drei Wochen hat sie damit verbracht, Zusammenfassungen für diese drei Fächer zu schreiben, „damit wiederhole ich die Themen gleichzeitig“, sagt sie. Mindestens drei bis vier Stunden täglich lernt sie, „teils sitze ich den ganzen Tag an den Aufgaben“. Zum Ausgleich treibt die 18-Jährige Sport, macht Homeworkouts oder geht joggen. Eigentlich spielt sie Fußball im Verein, aber auch da liegen wegen der Pandemie fast alle Aktivitäten derzeit auf Eis.

Beim Lernen ist Bechthold die meiste Zeit allein, manchmal fragen ihre Eltern oder ihr Bruder sie ab. Dass sich keine Lerngruppen treffen können, macht ihr wenig aus. Die Grundlagen, erklärt sie, lerne sie sowieso lieber für sich allein, „prinzipiell sind die Vorbereitungen für mich deshalb nicht ganz anders gelaufen als ohne Corona“. Ähnlich sieht das ihr Mitschüler Marco Wiens. Der 18-Jährige aus Allmersbach im Tal bereitet sich auf die Fächer Geschichte, Biologie und Deutsch vor. „Ohne Corona hätten wir uns wahrscheinlich in den Schulpausen alle gegenseitig abgefragt“, vermutet er. Gelegentlich macht er das mit einem Freund, die meiste Zeit lernt aber auch er eine bis zwei Stunden allein zu Hause.

Den Prüfungen in zwei Wochen sieht Marco Wiens optimistisch entgegen. Durch den fehlenden Präsenzunterricht sei zwar eine Lücke entstanden. „Aber unsere Lehrer haben versucht, sie so gut wie möglich zu schließen – und uns Mut zugesprochen, dass wir das alles packen können“, sagt er. Dass auch während des Abiturs Maskenpflicht herrscht, sieht er gelassen: „Wir werden’s überleben.“

Mehr Prüfungszeit, mehr Auswahl, mehr Lernzeit

Die Schüler sollen keine Nachteile aufgrund der Coronapandemie haben. Das Kultusministerium hat deshalb Anpassungen an den Vorgaben für die Abschlussprüfungen vorgenommen:

Die Bearbeitungszeit der schriftlichen Prüfungsaufgaben wird verlängert. Für diese haben die Schüler eine halbe Stunde mehr Zeit, wenn die Gesamtbearbeitungszeit 180 Minuten und mehr beträgt. Ist diese kürzer, verlängert sich die Zeit um 15 Minuten.

Bei allen Fächern mit schriftlichen Prüfungen sollen mehr Aufgaben zur Vorauswahl durch die Lehrkräfte angeboten werden, um passgenau auf den erteilten Unterricht eingehen zu können.

Schon im Juli 2020 hat die Kultusverwaltung die Termine der Abschlussprüfungen verschoben, um zusätzliche Zeit für Unterricht und Prüfungsvorbereitung zu ermöglichen. Damit haben die Schüler – je nach Schulart – zwei bis drei Wochen mehr Lernzeit.

Darüber hinaus wurde der zu behandelnde Stoff schon zu Beginn des Schuljahrs abgespeckt: Nur das sogenannte Kerncurriculum muss behandelt werden. Dieses umfasst die verbindlichen Inhalte des Bildungsplans und macht drei Viertel des Unterrichts aus. Das Schulcurriculum, das die Schulen nutzen können, um eigene Schwerpunkte zu setzen, ist nicht verbindlich. Diese Zeit können die Schulen nutzen, um Inhalte zu wiederholen. (Quelle: Kultusministerium)

Zum Artikel

Erstellt:
21. April 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Die Lieferung an Coronaimpfstoff, die die hiesigen Hausärzte erhalten, kann die Nachfrage bei Weitem nicht befriedigen. Die Mediziner gehen deshalb weitestgehend nach der offiziellen Priorisierung vor. Archivfoto: J. Fiedler
Top

Corona

Viele wollen, aber der Impfstoff ist knapp

Seit gestern ist die Priorisierung für die Coronaimpfungen in Arztpraxen aufgehoben. Damit kann nun jeder die begehrte Spritze bekommen, zumindest in der Theorie. Tatsächlich haben die Hausärzte allerdings kaum freie Termine.