Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Zwischen Eigeninitiative und fehlender Motivation

Backnangs Abiturienten müssen sich momentan allein auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten – Unsicherheit und Kontaktverbote erschweren die Vorbereitung

Seit mehreren Wochen sind die Schulen geschlossen, das ist vor allem für die Schüler ein Problem, die in diesem Jahr ihren Abschluss machen werden. Sie müssen sich nun allein auf ihre Abiturprüfungen vorbereiten.

Pia Sellmaier (vorne) und Ina Mohr lernen für das Abitur, das sie an der Anna-Haag-Schule in Backnang machen wollen.Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Pia Sellmaier (vorne) und Ina Mohr lernen für das Abitur, das sie an der Anna-Haag-Schule in Backnang machen wollen.Foto: T. Sellmaier

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Seit einigen Tagen steht fest: Die Abiturprüfungen werden auch in Baden-Württemberg nach hinten verschoben. Doch die Termine sind auch schon alles, was die Schulen bisher darüber wissen. „Wir warten noch auf weitere Anweisungen“, sagt Christoph Nesper, der stellvertretende Schulleiter des Backnanger Max-Born-Gymnasiums. Wie groß zum Beispiel die Gruppen sein dürfen, wie weit die Tische auseinander stehen sollen und wie sich Schüler und Lehrer vor einer Ansteckung schützen sollen, wissen sie noch nicht. Was sich wegen Corona allerdings geändert hat, ist das Korrekturverfahren: Das Abitur wird nun nur noch schulintern korrigiert und nicht mehr, wie sonst üblich, auch an andere Schulen geschickt.

An der Gewerblichen Schule in Backnang geht man davon aus, dass die Prüfungen unter scharfen Hygienevorschriften stattfinden müssen. „Wir haben große Räume auf die wir die Abiturienten während der Prüfung verteilen können“, sagt Schulleiterin Isolde Fleuchaus. „Eventuell müssen wir eben anderen Unterricht zurückfahren, damit wir mehr Räume zu Verfügung haben, um Abstand zu halten.“

„Ich hätte die Abiturprüfung schon gerne weggehabt“

Die Schüler machen sich keine allzu großen Sorgen, ob ihre Gesundheit durch die Abiturprüfung gefährdet werden könnte, so Selina Häußer vom Max-Born-Gymnasium. „Man wird uns sicher keinen Gefahren aussetzen und die Prüfungen werden sicher nur stattfinden, wenn wirklich kein Risiko besteht.“ Aktuell ist geplant, dass die ersten Prüfungen ab dem 20 Mai stattfinden, die Zahl der Nachholtermine für kranke Schüler wurde erhöht. „Es könnte sogar sein, dass ein Nachholtermin erst nach den Sommerferien ist“, sagt Nesper.

Keine allzu guten Nachrichten für die betroffenen Abiturienten. „Ich hätte es schon gerne weggehabt“, sagt Eric Bühler. Er ist am technischen Gymnasium in Backnang und hat sich auf das kürzere Schuljahr im Abschlussjahr eigentlich gefreut. „Schade, dass der Sommer jetzt verkürzt wird, aber ändern kann man daran nichts.“ Er und seine Klasse haben Glück, sie haben den nötigen Stoff für die Abiturprüfung bereits vor der Schließung der Schulen gelernt, weshalb sie jetzt zu Hause nur wiederholen müssen.

Eric fühlt sich im Moment gut auf die Abiturprüfungen vorbereitet, ein Problem seien eher die Klassenarbeiten, die in den letzten Wochen ausgefallen sind. Sechs davon muss seine Klasse noch vor der Abiturprüfung schreiben. „Man merkt schon, dass jetzt viel Eigenverantwortung dahinter steckt. Ich habe damit gar kein Problem.“ Im Gegenteil: Der 19-Jährige sieht das selbstständige Lernen gerade als eine gute Vorbereitung für die Zeit nach dem Abitur. Ob allerdings alle seiner Mitschüler mit dem eigenen Zeitmanagement zurechtkommen, weiß er nicht. Auch Pia Sellmaier weiß, dass das selbstständige Lernen nicht allen so leicht fällt. Sie macht ihr Abitur dieses Jahr an der Anna-Haag-Schule, arbeitet vormittags aber bei der Firma Lochmann, um bei der Mundschutzproduktion zu helfen. Erst am Nachmittag lernt sie für ihre Prüfungen. „Es ist schwer, sich auf das Lernen zu konzentrieren, vor allem weil alles noch so unsicher ist“, sagt die 19-Jährige. Man wisse ja nicht, ob sich die Prüfungen erneut verschieben. Manchen ihrer Mitschüler fehle es deshalb an Motivation, andere müssten nebenbei auf ihre kleinen Geschwister aufpassen.

Pia kann sich kaum vorstellen, dass die Schule nach Ostern wieder reibungslos anläuft. Gerade aufgrund der momentanen Kontaktverbote. „Jetzt darf man nur zu zweit raus und bei der Prüfung sollen dann 60 Schüler in einen Raum? Das ist nicht sehr rücksichtsvoll uns gegenüber.“

Auch wenn der normale Unterricht nach Ostern wieder losgeht, könnte es bei ihrer Klasse sehr knapp werden mit der Vorbereitung. Nicht in allen Fächer seien sie mit ihrem Stoff bereits durch, Lerngruppen und Nachhilfeunterricht fallen aus. Außerdem macht sie sich Sorgen, dass durch die Verschiebung der Termine weitere Nachteile entstehen. „Die Sportprüfung findet jetzt zum Beispiel im Juli statt. Ein Cooper-Test im Hochsommer – das ist heftig.“

Wann ein Abschlussball stattfinden kann, ist noch unsicher

Selina Häußer muss dagegen keinen neuen Stoff mehr lernen, sie kann sich auf das Wiederholen konzentrieren – alleine sei das aber nicht immer einfach. Sie und ihre Klassenkameraden tauschen sich deshalb zu Aufgaben und Inhalten regelmäßig aus, zum Beispiel über
Whatsapp oder in Videokonferenzen. „Den realen Austausch und das Diskutieren in der Gruppe können alle elektrischen Hilfsmittel leider nicht ersetzen“, sagt sie. „Man hat ein unsicheres Gefühl, da persönliche Tipps und Ratschläge von den Lehrern fehlen.“

Doch nicht nur die Prüfung wurde verschoben, auch für alle Feierlichkeiten rund um den Schulabschluss gab es einen Planungsstopp. Die Abiturienten der Anna-Haag-Schule haben ihren Abschlussball vorerst um zwei Wochen verschoben. „Das markiert das Ende unserer Schulzeit. Es wäre sehr schade, wenn er nicht stattfinden kann.“ Auch Eric Bühlers Klasse hat den Abiball erst mal auf Eis gelegt. „Er wäre kurz vor den Sommerferien, aber wer weiß, ob da Großveranstaltungen schon wieder erlaubt sind.“ Zumindest einen positiven Aspekt hat das Lernen zuhause, so Eric: „Man muss nicht immer machen, was der Lehrer sagt, sondern kann selbst entscheiden, für welches Fach man wann lernen will.“

Zum Artikel

Erstellt:
4. April 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Check-up vor dem Treffen mit den Bewohnern im Haus Elim in Erbstetten. Mitarbeiterin Monika Ulmer misst die Temperatur von Besucherin Christa Rosenberger, bevor sie in den Besuchsraum darf. Foto: J. Fiedler
Top

Corona

Zwischen Erleichterung und Vorsicht

Die strikten Besuchsverbote in Senioren- und Pflegeheimen wurden gelockert. Freunde und Verwandte können den Bewohnern nun wieder Besuche abstatten – dabei gelten ganz besondere Vorsichtsmaßnahmen.