Kritik zum Franken-„Tatort“
Dieses Duo macht Lust auf mehr – aber bleibt die neue Kommissarin an Bord?
„Tatort“-Kritik: „Gottesgarten“ mit Rosalie Thomass als Kommissarin Emmy Rathgeber und Fabian Hinrichs als Kommissar Felix Voss.
© Clemens Baumeister/ARD/dpa
Die Ermittler tauschen sich über mögliche Tatverdächtige aus.
Von Tilmann P. Gangloff
Auf einem Foto, das drei mittlerweile erwachsene Jugendliche zeigt, stand: „Es ist nicht vorbei“; das wäre ebenfalls ein passender Titel für den neuesten Franken-„Tatort“ gewesen. Zu den Rückblenden in der zweiten Filmhälfte erklang immer wieder der „Münchener Freiheit“-Hit „Ohne dich“. Wer bislang nicht wusste, was ein „Trigger“-Effekt ist: Hier wurde er deutlich vor Ohren geführt. Die Wut, der Schmerz und die Scham, hieß es gegen Ende, bleiben für immer.
Constantin Lieb erzählte in seinem „Tatort“-Debüt die Geschichte von drei Männern, die in jungen Jahren missbraucht wurden und nun Rache nehmen wollten. Der Täter ist damals aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Damit griff Lieb einen Rechtsgrundsatz auf, der seit einiger Zeit viele Krimis prägt: Niemand darf nach einem Freispruch erneut in derselben Sache angeklagt werden („Ne bis in idem“); es sei denn, die Person legt ein Geständnis ab. Auch das zweite Subthema des Drehbuchs ist ein bewährtes Krimimotiv: Wo bleibt die Gerechtigkeit?
Tatort „Gottesgarten“ fehlt die Spannung
Ein Manko des Films war jedoch die Inszenierung. Regisseur Dustin Loose hat zuletzt „Die Nichte des Polizisten“ (2025, ARD) gedreht. Das fesselnde Drama über den Tod einer jungen Beamtin erinnerte nicht zufällig an das Leben und Sterben der 2007 vom „NSU“ in Heilbronn ermordeten Michèle Kiesewetter. Looses „Tatort“-Debüt war vor einigen Jahren „Déjà-vu“ (2018); in dem ziemlich intensiven Krimi suchte das Dresdener Trio einen Kindermörder. Von der Spannung dieser beiden Filme war „Gottesgarten“ – der Titel bezieht sich auf die fränkische Gegend, in der die Jungs wie auch der Drehbuchautor aufgewachsen sind – allerdings weit entfernt. Die Story war interessant, die Bildgestaltung (Clemens Baumeister) war sorgfältig, aber die Umsetzung war mit Ausnahme des Finales, als Voss und Rathgeber verhindern wollen, dass die Freunde Selbstjustiz üben, allzu ausgeruht.
Tatort: Bekommt die neue Kommissarin einen weiteren Auftritt?
Abgesehen vom etwas eigenwilligen fränkischen Humor lebte der Film vom Zusammenspiel des neuen Duos Fabian Hinrichs und Rosalie Thomass. Sie hat maßgeblich an der Gestaltung ihrer Rolle mitgewirkt und dafür gesorgt, dass die Oberbayerin Emmy im Unterschied zum etwas steifen Voss herzlich und offen ist. Sehr witzig war auch die Idee, dass Voss der neuen Kollegin sein Wort geben will und sie das wörtlich nimmt; er entscheidet sich für „Zwetschgenquarkknödel“. Der Schluss legte allerdings die Frage nahe, ob ihr erster Auftritt womöglich auch der letzte ist.
© Hendrik Heiden/BR Bayerischer Rundfunk/obs/dpa
Das neue Team im „Tatort“ Franken nimmt die Ermittlungen auf: Rosalie Thomass und Fabian Hinrichs in „Gottesgarten“.
