Spiegelberger Gärtnerei informiert über Solidarische Landwirtschaft

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Den Landkreis schmecken“ des Landwirtschaftsamts Backnang besichtigen rund 20 Interessierte die Demeter-Gärtnerei und informieren sich über die Solidarische Landwirtschaft in Spiegelberg-Großhöchberg.

Betriebsinhaber Florian Keimer und Amtsmitarbeiterin Christa Schumacher betonen vor dem Marktstand die Bedeutung des frischen Gemüses. Die Marktverkäufer der Gärtnerei „Johannes und Hannes“ im Hintergrund werben ebenfalls für hohe Qualität. Foto: Elisabeth Klaper

Betriebsinhaber Florian Keimer und Amtsmitarbeiterin Christa Schumacher betonen vor dem Marktstand die Bedeutung des frischen Gemüses. Die Marktverkäufer der Gärtnerei „Johannes und Hannes“ im Hintergrund werben ebenfalls für hohe Qualität. Foto: Elisabeth Klaper

Von Elisabeth Klaper

Spiegelberg. Große, schön gewachsene und farbkräftige Möhren, Kohlköpfe und Prachtexemplare anderer Gemüsesorten prangen am Marktstand der Demeter-Gärtnerei, die Teil der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) in Großhöchberg ist. Da kaufen 20 Interessierte aus der Region gern ein, die auf einer Informationstour durch den Betrieb mit Inhaber Florian Keimer auch Einblicke in diese Landwirtschaftsform bekommen. 70 verschiedene Gemüse-, Salat- und Kräutersorten werden auf sieben Hektar vom rund 15-köpfigen Team, darunter fünf Azubis, teils im Freiland, teils in Gewächshäusern angebaut. Neben heimischen Arten gedeihen auch exotische wie Chilis trotz der Lage auf 530 Höhenmetern sehr gut. „Wir arbeiten intensiv zusammen mit einem nahe gelegenen Demeter-Bauernhof“, wo ein Landwirtehepaar mit Familienmitgliedern und Praktikanten arbeitet, erklärt Keimer. Sie halten 16 Muttertiere, also Kühe, einen Bullen und einige Kälber, von denen manche erst wenige Wochen alt sind, bewirtschaften 25 Hektar Grünland und 32 Hektar Wald.

Dank dieser Kooperation kann die Gärtnerei den in Demeter-Betrieben geltenden Grundsatz der biodynamischen Kreislaufwirtschaft einhalten, um möglichst wenig Betriebsmittel zukaufen zu müssen. Da nur organischer Dünger verwendet werden darf, wird der Mist aus dem Stall in Mieten kompostiert. Damit dies gleichmäßig geschieht, kommt ein Wender zum Einsatz, der langsam hindurchfährt und das Material umsetzt. „Unser Traum ist die Weiterentwicklung zu einem Vollversorgungsbetrieb“, in dem auch Milch und Milchprodukte erzeugt werden können, so Keimer.

Ein eigener Teich soll in Zukunft die Wasserversorgung sicherstellen

Eine Herausforderung ist die Wasserversorgung: „Wir haben hier kein eigenes Wasser“, erklärt er. Pro Tag darf die Gärtnerei maximal 50 Kubikmeter aus der Wasserleitung der Gemeinde entnehmen, was jedoch nur einem Drittel des Bedarfs entspricht. Um künftig nicht auf dem Trockenen zu sitzen, plant Keimer schon seit Längerem, einen Teich mit einem Volumen von 20000 Kubikmetern anzulegen. Dies ist jedoch mit hohem Aufwand und Kosten verbunden: Ein Artenschutz- und ein Baugrundgutachten sind zu erstellen, bevor der Genehmigungsantrag gestellt werden kann. Für eine Förderung wäre ein Gesamtkonzept erforderlich, dessen Ausarbeitung wegen der vielen Arbeit in der Gärtnerei nicht selbst leistbar wäre.

Aber Florian Keimer lässt sich davon nicht entmutigen: „Der Teich ist ein Generationenprojekt.“ Auch für die Solawi gelte es, „in Jahrzehnten“ zu denken, betont er. Diese basiert darauf, dass Verbraucher als Mitglieder finanziell dazu beizutragen, die Betriebskosten zu decken, und dafür qualitativ hochwertige Gärtnereiprodukte erhalten. Damit können 400 Haushalte versorgt werden, indes decken die Mitgliedschaften derzeit nur rund 50 Prozent der Betriebskosten. Darum ruft der Betriebsinhaber alle, die sich gesund ernähren wollen, dazu auf, dem Trend entgegenzuwirken, nur günstige Lebensmittel einzukaufen. Denn die Preise diktieren wenige globale Händler, wodurch immer mehr kleinbäuerliche Betriebe aufgeben.

Die Mitglieder können zwischen drei Verteilformen wählen

Damit die Gärtnerei und Solawi weiterbestehen können, gelte es nun, möglichst viele neue Mitglieder zu gewinnen. Zur Wahl stehen drei Verteilformen: ein großer, ein kleiner und ein zweiwöchentlicher Anteil an Saisongemüse. „Unser Ziel ist, dass eine Person sich eine Woche lang voll versorgen kann“, verdeutlicht Keimer anhand seines Wochenablaufs. Montags informiert er die Mitglieder über das aktuelle Angebot mit einer Produkt- und Mengentabelle, bis Dienstag benötigt er Rückmeldung. Mittwochs und donnerstags wird geerntet, freitags beliefert er die 15 Verteilräume und Weiterverkaufsstellen wie Hof- oder Naturkostläden im Umkreis, wobei er bei jeder Auslieferungstour rund 250 Kilometer fährt. Auch auf Wochenmärkten in Schwäbisch Hall, Heilbronn und Murrhardt ist das Gemüse bei Partnerbetrieben erhältlich.

Die meisten Interessierten machen mit beim Geschmacksquiz, wobei es Gemüsesorten zu unterscheiden gilt. Sie verkosten Sellerie, Kohlrabi, Rote Bete, Pastinake und Wurzelpetersilie. Als Gewinn winkt eine einmonatige Probemitgliedschaft in der Solawi. Ein intensives Geschmackserlebnis sind Probierhäppchen mit der „Höchberger Würze“: Die Gemüsebrühealternative wird ohne Hefe aus einer fein zerkleinerten Gemüsemischung hergestellt und nur mit Salz abgeschmeckt.

Die Besichtigung unterm Motto „Gemüsevielfalt im Herbst“ erfolgte im Rahmen der landesweiten Erntedanktage und der Inforeihe „Den Landkreis schmecken“ des Landwirtschaftsamts Backnang und der Biomusterregion Rems-Murr/Ostalb des Landwirtschaftsministeriums. Die Veranstalter vertrat Christa Schumacher, die im Landwirtschaftsamt für Ernährung und Hauswirtschaft zuständig ist. Weitere Infos unter www.grosshoechberg.de.

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Erstellt:
23. Oktober 2023, 06:00 Uhr

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