13 Kandidaten stehen zur Wahl

Landtagswahl 2021: Für den Wahlkreis 17 Backnang sind 13 Wahlvorschläge zugelassen worden. Wir stellen die Bewerber abseits der bereits im Landtag vertretenen Parteien und ihre Positionen vor.

Wenn am 14. März zur Urne geschritten wird, stehen auf dem Wahlzettel für den Landtag im Wahlkreis Backnang 13 Optionen. Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Becher

Wenn am 14. März zur Urne geschritten wird, stehen auf dem Wahlzettel für den Landtag im Wahlkreis Backnang 13 Optionen. Archivfoto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Fünf Parteien – Grüne, CDU, SPD, AfD und FDP – sind derzeit im baden-württembergischen Landtag vertreten. Ihre Kandidaten haben wir in den vergangenen Wochen vorgestellt. Doch auch abseits der „großen“ Parteien machen sich Kandidaten anderer Listen Hoffnungen auf den Sprung in das Landesparlament. Vom Kreiswahlausschuss sind für den Wahlkreis 17 Backnang insgesamt 13 Wahlvorschläge zugelassen worden, das sind zwei mehr, als noch 2016 auf dem Wahlzettel standen. Darunter finden sich bekannte Namen ebenso wie neue Gesichter.

Wieder dabei

Mit einer neuen Kandidatin an der Spitze wirbt auch Die Linke im Wahlkreis Backnang um Stimmen. Kandidatin Annette Keles sieht deren Politik als „unverzichtbaren Beitrag zu einem Politikwechsel“. Die Linke wolle die Wähler mit Alternativen im Bereich Klima-, Wirtschafts- und Bildungspolitik konfrontieren. „Wir stehen für soziale Gleichheit im umfassenden Sinne“, sagt die Backnanger Unternehmerin und promovierte Soziologin. „Durch anstehende Umbrüche erwarten uns unglaubliche Aufgaben“, weiß sie und spielt etwa auf den Klimawandel, eine gerechte Vermögensverteilung und die Auswirkungen der Coronapandemie an. Diese bundespolitisch wichtigen Weichenstellungen müssten auf Landesebene vorbereitet werden. Auch das dreigliedrige Bildungssystem gelte es umzubauen, so Keles. Zwar sei ihr klar, dass im konservativen Wahlkreis Backnang ein hoher Stimmenanteil schwer zu erreichen sei, die Backnangerin hofft aber darauf, dass die Linke den Sprung in den Landtag schafft.

Annette Keles

Annette Keles

Eine feste Größe auf den Stimmzetteln in Baden-Württemberg ist seit vielen Jahren die ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei), für die im Wahlkreis Backnang Norbert Barthold antritt. Im Landesprogramm bezeichnet sich die ÖDP als Partei der Wachstumskritik. Sie vereint ökologische Themen mit einer wertkonservativen Politik. Bei der vergangenen Landtagswahl kandidierte auf dieser Liste übrigens Ralf Nentwich, der nun für die Grünen ins Rennen geht.

Norbert Barthold

Norbert Barthold

Wie bereits vor fünf Jahren tritt auch bei dieser Wahl der Welzheimer Philip Köngeter für die Piratenpartei an. Seine politischen Schwerpunkte setzt der 29-Jährige in Sachen Digitalisierung. „Digitale Medien setzen eine moderne Bildung voraus“, sagt er, weshalb Kinder und Jugendliche in der Schule mit modernen Medien konfrontiert werden müssten. Als weitere wichtige Themen nennt Köngeter die Schaffung bezahlbaren Wohnraums sowie Mitbestimmung und Transparenz. „Die Bevölkerung muss besser in Entscheidungen einbezogen werden, dann versteht sie die Entscheidungen auch besser“, sagt der Stadt- und Kreisrat.

Philip Köngeter

Philip Köngeter

Neu dabei

Der Backnanger Alexander Lisson kandidiert bei der Landtagswahl im Wahlkreis 17 für Die Partei. Die Forderungen der Satirepartei für Backnang und den Wahlkreis sind im Wahlprogramm klar definiert: „Heiningen zum internationalen Flughafen ausbauen mit einer Bauzeit, die dem BER in nichts nachsteht“, heißt es da. Oder: „Seilbahnen für Backnang – weil halt.“ Nachdem Die Partei im Europaparlament und durch einen Übertritt nun auch im Bundestag vertreten ist, sei es höchste Zeit, auch in den baden-württembergischen Landtag zu kommen, findet Lisson. „Wir wollen die Fünfprozenthürde überschreiten.“

Alexander Lisson

Alexander Lisson

Die Freien Wähler verstehen sich als wertorientierte, liberale und bürgerliche Bewegung in der Mitte der Gesellschaft Die Partei ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Verein, dessen Mitglieder bewusst parteiunabhängig auf kommunaler Ebene antreten. Für den Landkreis Backnang kandidiert Konstantin Kefalas. Der Sozialpädagoge will sich dafür einsetzen, die Flüchtlingspolitik grundlegend zu überarbeiten. Zudem fordert er ein Entschädigungsgesetz zugunsten des Einzelhandels: „Unsere Innenstädte sterben gerade aus, indem man die Einzelhändler und Einzelhändlerinnen darin regelrecht ausbluten lässt.“ Kefalas will zudem durch den Einsatz von Geschwindigkeitsbeschränkungen, stationären Kontrollen und Blitzern den zunehmenden Lärm eindämmen.

Konstantin Kefalas

© Konrad Goes

Konstantin Kefalas

Für die Partei Basisdemokratische Partei Deutschland (Kurz: die Basis) kandidiert im Wahlkreis Backnang der selbstständig als Ökonomiecoach arbeitende Joachim Reymann aus Waiblingen. Ursprünglich als Protestpartei „Widerstand 2020“ gegründet, richtet sich die Politik von die Basis vor allem gegen die Coronamaßnahmen. Die Partei sieht sich als Wertegemeinschaft mit den vier Säulen Freiheit, Achtsamkeit, Machtbegrenzung und Schwarmintelligenz. Der Name leite sich aus dem basisdemokratischen Ansatz ab, den die Partei verfolgen will. Der 57-jährige Joachim Reymann gibt an, in der Arbeitsgruppe „Finanzen“ an der Erstellung des Wahlprogramms mitgearbeitet zu haben.

Joachim Reymann

© Carsten Buell

Joachim Reymann

„Kompromissloser Klimaschutz auf wissenschaftlicher Basis“ lautet die Forderung der im September 2020 gegründeten Klimaliste BW, für die Berthold Daubner im Wahlkreis Backnang antritt. Der gebürtige Backnanger war am Umweltschutz- und Wirtschaftsprogramm der jungen Partei beteiligt. Unter anderem fordert die Klimaliste BW ein Ende der fossilen Stromerzeugung bis spätestens 2025, eine Fotovoltaikpflicht für alle geeigneten Dachflächen und den schnellen Ausbau des Schienennetzes verbunden mit einem 365-Euro-Ticket für den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr. Neben Klima- und Umweltschutz gehe es der Partei auch um soziale Gerechtigkeit. „Alle unsere Inhalte stehen im Kontext des 1,5-Grad-Ziels“, erklärt Daubner. Dem studierten Wirtschaftsingenieur und selbstständigen Unternehmer ist es wichtig, dass Baden-Württemberg in Sachen Nachhaltigkeit eine proaktive Rolle einnimmt. „Einfach nur abzuwarten und auf bessere Technologien zu hoffen, wäre leichtsinnig.“

Berthold Daubner

© privat

Berthold Daubner

Für die junge Partei Wir 2020 tritt Nico Mast aus Flein an. Der Architekt ist kein Unbekannter, hat er doch 14 Jahre in Allmersbach im Tal gewohnt und war dort auch im Gemeinderat aktiv. „Ich wünsche mir, dass Politik wieder eine Vision verfolgt und sich nicht auf Karriere und Mandatserhalt der nächsten vier Jahre konzentriert“, sagt Mast über seine Motivation zur Kandidatur. Die Partei Wir 2020 wurde von „Querdenken“-Aktivist Bodo Schiffmann gegründet. Unter anderem steht sie für eine Rücknahme aller Gesetzesänderungen im Zusammenhang mit der Coronapandemie. Mast nennt als wichtigste politische Aufgaben die Stärkung der Demokratie etwa durch Bürgerentscheide auf Kreis- und Landesebene, die Stärkung des Mittelstands sowie die Förderung und den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft.

Nico Mast

© Frank Luenstoth,Bruchsal,BRD

Nico Mast

Nicht mehr dabei

Nicht nur durch neue Parteien bekommt der Wahlzettel im Wahlkreis Backnang ein neues Aussehen, auch einige Listeneinträge der vergangenen Wahl stehen nun nicht mehr zur Verfügung. Von 1992 bis 2001 waren die Republikaner im Landtag Baden-Württembergs vertreten, bei den darauffolgenden Wahlen schafften sie es nicht über die Fünfprozenthürde. Im Wahlkreis Backnang wie auch landesweit erreichten sie zuletzt 0,3 Prozent, in diesem Jahr werden sie nicht mehr auf dem Wahlzettel geführt.

Ebenso vom Stimmzettel verschwunden ist die rechtsextreme NPD. 2016 hatte diese im Wahlkreis Backnang ein Ergebnis von 0,6 Prozent der Stimmen eingefahren. Die Ergebnisse in den Gemeinden reichten von 0,0 Prozent in Oppenweiler bis 2,4 Prozent in Großerlach.

Immerhin 1,5 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Backnang hatte 2016 die Partei Alfa (inzwischen LKR) auf sich vereinen können. Die Partei wurde 2015 vom ehemaligen AfD-Bundessprecher Bernd Lucke ins Leben gerufen, konnte sich aber nicht großflächig etablieren und steht in der Region nicht mehr zur Wahl.

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Erstellt:
17. Februar 2021, 06:00 Uhr

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