Porsche Tennis Grand Prix
20 Jahre große Emotionen in Stuttgart
Seit 2006 messen sich die besten Tennis-Spielerinnen der Welt in Stuttgart – wo das WTA-Turnier seitdem für spezielle Momente gesorgt hat.
© Pressefoto Baumann
Julia Görges (links) bejubelt ihren Sieg 2011, Maria Sharapova (rechts unten) den Erfolg drei Jahre später. Weniger gut läuft es für Serena Williams 2008.
Von David Scheu
In wenigen Wochen jährt sich die Eröffnung der Stuttgarter Porsche-Arena zum 20. Mal, die seitdem etlichen Veranstaltungen den Rahmen gegeben hat. In sportlicher Hinsicht vor allem dem Tennis: Von der ersten Stunde an ist das WTA-Turnier jährlicher Dauergast in der Halle, in der seit dem Umzug aus dem beschaulichen Filderstadt im Jahr 2006 die Weltelite aufschlägt – und besondere Geschichten geschrieben hat. Fünf Schlaglichter aus zwei Jahrzehnten Tennis Grand Prix in Stuttgart.
2008: Auftritt der Williams-Schwestern Glamour in Cannstatt: Die US-Stars Serena und Venus Williams treten erstmals gemeinsam beim Porsche Tennis Grand Prix an, wo sie die Blicke auf sich ziehen und frenetisch bejubelt werden. Für Serena bleibt es aber bei einem überaus kurzen Auftritt: Die Nummer eins der Setzliste scheidet völlig unerwartet in ihrem ersten Spiel gegen die Chinesin Li Na in drei Sätzen aus, ihre ältere Schwester Venus kommt immerhin ins Halbfinale. Das alles findet letztmals auf Hartplatz und Anfang Oktober statt: 2009 folgt der Wechsel auf Sand und in den April.
2011: Überraschungssieg von Görges 15 Jahre nach Anke Huber gewinnt wieder eine Deutsche das Turnier – wobei das in dieser Form kaum jemand erwartet hätte: Julia Görges besiegt im Finale mit ihrem druckvollem Spiel die favorisierte Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki aus Dänemark (7:6, 6:3), die zuvor keinen einzigen Satz abgegeben hatte. Görges springt auf Platz 27 der Weltrangliste und ist nach dem größten Erfolg ihrer Karriere von sich selbst überrascht: „Ich weiß nur, dass ich gewonnen habe. Wie ich das gemacht habe, weiß ich nicht.“
2014: Sharapovas Rekordmatch So lange dauern selbst Fünf-Satz-Matches der Herren bei Grand Slams nicht immer: Drei Stunden und 23 Minuten duelliert sich Maria Sharapova mit Lucie Safarova, ehe ihr Erstrunden-Sieg feststeht. Der hat nicht nur Rekordlänge, sondern hält auch etliche Wendungen bereit: Erst führt Sharapova im dritten Satz 5:1, dann steht Safarova kurz vor dem Sieg (6:5 und 30:0), letztlich gewinnt die Russin nach drei Tiebreaks mit 7:6, 6:7, 7:6. „In der Schlussphase eines solchen Matches gibt es keinen Plan mehr, da zählt nur noch der Instinkt“, sagt Sharapova, die wenige Tage später ein emotionales Finale gegen Ana Ivanovic gewinnt: Die unterlegene Serbin wird im Anschluss minutenlang vom Publikum gefeiert und ringt sichtbar um Fassung.
Für Sharapova ist es indessen der dritte Stuttgart-Sieg in Serie, sie prägt das Turnier in dieser Zeit auch als Werbegesicht von Veranstalter Porsche wie keine andere Spielerin. 2016 gerät sie durch eine Doping-Sperre in die Schlagzeilen und muss 15 Monate aussetzen, nachdem die verbotene Substanz Meldonium nachgewiesen worden war. Ihr Comeback? Gibt sie 2017 unter großem öffentlichen Rummel just in Stuttgart mit einer Wildcard, wo sie bis ins Halbfinale kommt.
2016: Rein deutsches Finale Zum ersten und bisher letzten Mal stehen sich im Endspiel des Turniers zwei deutsche Spielerinnen gegenüber. Titelverteidigerin Angelique Kerber legt gegen die Lokalmatadorin und gebürtige Filderstädterin Laura Siegemund einen 0:3-Fehlstart hin, gewinnt dann aber doch noch deutlich (6:4, 6:0). „Es ist genau das passiert, was ich befürchtet hatte“, sagt Qualifikantin Siegemund im Anschluss mit Blick auf die kräftezehrende Woche: „Dass der liebe Gott den Stecker zieht.“
Ein Jahr später kann Siegemund dann doch noch jubeln, die nach dem Finalsieg gegen Kristina Mladenovic vom schönsten Sieg ihrer Laufbahn spricht – und das beim 40-Jahr-Jubiläum des Turniers, zu dem in Person von Tracy Austin auch die Siegerin der ersten vier Auflagen aus den 1970er Jahren vorbeischaut. Durch ihren Erfolg 2017 ist Siegemund die vierte und bislang letzte deutsche Turniersiegerin nach Huber, Görges und Kerber.
2021: Geister-Atmosphäre auf den Rängen Keine Zuschauer, keine Emotionen: Inmitten der Corona-Pandemie findet das Turnier nach dem Ausfall 2020 nun ein Jahr später vor leeren Rängen statt. Organisatorisch läuft alles reibungslos, die Atmosphäre aber leidet wie bei allen Veranstaltungen in dieser Zeit – zum Bedauern von Anke Huber. „Es tut einem schon weh, wenn man das jetzt so sieht“, sagt die Sportliche Leiterin des Turniers. „Wir hätten es gerne anders, aber wir müssen das nehmen, was wir bekommen. Vor allem für die Spielerinnen tut es mir leid. Es ist sicher ein komplett anderes Gefühl.“ Am Ende gewinnt die Weltranglisten-Erste Ashleigh Barty aus Australien sowohl die Einzel- als auch die Doppel-Konkurrenz. Ohne anschließendes Jubelbad in der Menge.
Das bleibt die Ausnahme, inzwischen strömen die Fans wieder in die Porsche-Arena. Auch in diesen Tagen: Abgesehen von vereinzelten Resttickets ist die Halle an allen noch ausstehenden Turnier-Tagen bereits ausverkauft.
