„Hurrikan Katrina: Leben nach der Sintflut“

20 Jahre nach Hurrikan Katrina: Netflix zeigt neue Doku

Am 29. August 2005 traf Hurrikan Katrina auf New Orleans – und hinterließ eine zerstörte Stadt. 20 Jahre später bringt Netflix eine Dokuserie heraus, die Überlebende zu Wort kommen lässt und zeigt, wie die Katastrophe bis heute nachwirkt.

In der neuen Netflix-Doku kommen Betroffene wie Leann Williams zu Wort.

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In der neuen Netflix-Doku kommen Betroffene wie Leann Williams zu Wort.

Von Katrin Jokic

20 Jahre nach der Katastrophe

Vor zwei Jahrzehnten stand New Orleans unter Wasser. Als Hurrikan Katrina am 29. August 2005 die Küste von Louisiana erreichte, brachen die Deiche, 80 Prozent des Stadtgebiets wurden überflutet, und mindestens 1.400 Menschen starben. Die Bilder aus der Südstaaten-Metropole gingen um die Welt: verzweifelte Menschen auf Hausdächern, die tagelang auf Rettung warteten, überfüllte Notunterkünfte wie der Superdome und eine Stadt, die nie wieder dieselbe sein sollte.

Zum Jahrestag blickt Netflix mit der dreiteiligen Serie „Hurrikan Katrina: Leben nach der Sintflut“ (Original: „Katrina: Come Hell and High Water“) zurück. Die Doku startete am 27. August 2025 und zeigt eindringlich, was damals geschah – und wie New Orleans noch immer mit den Folgen kämpft.

Hurrikan Katrina: Was geschah 2005?

Katrina entwickelte sich Ende August 2005 zunächst über den Bahamas und erreichte schnell die Kategorie 5. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 km/h traf er am Morgen des 29. August auf die Golfküste. Während andere Regionen teilweise evakuiert werden konnten, blieben in New Orleans Hunderttausende zurück.

Als die Flutwellen die maroden Deiche und Kanäle durchbrachen, wurden ganze Viertel – allen voran das Lower Ninth Ward – weggespült. Besonders betroffen waren arme und mehrheitlich afroamerikanische Bevölkerungsteile. Der Superdome, eigentlich als „Shelter of Last Resort“ gedacht, verwandelte sich in ein überfülltes Notlager ohne ausreichende Versorgung.

Die Kritik an den Behörden ließ nicht lange auf sich warten: Bürgermeister Ray Nagin hatte die Evakuierung zu spät angeordnet, die Gouverneurin von Louisiana zögerte, und Präsident George W. Bush wurde wegen verspäteter Hilfsmaßnahmen massiv kritisiert. Das Versagen des Katastrophenschutzes wurde zum Symbol für politische Fehlentscheidungen und soziale Ungleichheit.

Die Netflix-Doku: Stimmen aus New Orleans

„Hurrikan Katrina: Leben nach der Sintflut“ wurde von Geeta Gandbhir, Samantha Knowles und Spike Lee inszeniert. Lee hatte sich bereits 2006 mit „When the Levees Broke“ einen Namen als Chronist der Katastrophe gemacht. Diesmal stehen die Geschichten der Betroffenen im Mittelpunkt.

Hier können Sie die Mini-Serie streamen:

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Die Serie versammelt Interviews mit Überlebenden, Journalisten, Experten und ehemaligen Verantwortlichen. Unter den Porträtierten sind etwa Kimberly Rivers Roberts, die ihre Erlebnisse damals mit der Kamera dokumentierte, sowie der Dichter Shelton „Shakespear“ Alexander, der seine Zeit im Superdome festhielt. Auch Politiker wie die früheren Bürgermeister Marc H. Morial und Mitch Landrieu, Journalisten wie Soledad O’Brien und der ehemalige Militärkommandeur Russel L. Honoré, der die Hilfseinsätze koordinierte, kommen zu Wort.

Showrunnerin Alisa Payne betont, dass die Serie sowohl Zuschauer, die wenig über Katrina wissen, als auch Kennern neue Einsichten geben werde: „Zwanzig Jahre später fühlt sich diese Geschichte noch dringlicher und relevanter an.“

Mehr als eine Rückschau

Die Doku zeigt nicht nur die dramatischen Tage im August 2005, sondern auch, wie Katrina die soziale und kulturelle Struktur von New Orleans nachhaltig verändert hat. Viele Menschen kehrten nie zurück, weil ihre Häuser zerstört oder Sozialwohnungen abgerissen wurden. Heute ist die Stadt kleiner, wohlhabender und weißer als vor dem Sturm.

Mit ungezeigten Archivaufnahmen, persönlichen Berichten und neuen Interviews zeichnet Netflix ein Bild, das deutlich macht: Katrina war nicht nur eine Naturkatastrophe, sondern auch ein menschengemachtes Desaster.

„Hurrikan Katrina: Leben nach der Sintflut“ ist ein schonungsloser Rückblick auf eine Tragödie, die – zumindest in diesem Ausmaß – vermeidbar gewesen wäre – und ein Mahnmal dafür, dass Katastrophenschutz, soziale Gerechtigkeit und Klimavorsorge untrennbar zusammenhängen.

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Erstellt:
29. August 2025, 15:06 Uhr

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