Königin Boudicca gegen Römer
2000 Jahre alte Kriegstrompete der Kelten in England gefunden
In England haben Archäologen eine keltische Kriegstrompete entdeckt, die aus der Armee der berühmten Keltenkönigin Boudicca stammen könnte. Das knapp 2000 Jahre alte Instrument mit Tierkopf ist ein extrem seltener Fund.
© © Norfolk Museums Service
Diese knapp 2000 Jahre alte keltische Kriegstrompete wurde in Norfolk entdeckt – der Region, in der die Kelten unter Königin Boudicca um diese Zeit gegen die Römer kämpften.
Von Markus Brauer
Von rund 800 bis 50 v. Chr. beherrschten die Kelten, die erstmals im 6. Jahrhundert in der abendländischen Überlieferung auftauchten, weite Teile Mitteleuropas. Anders als andere Kulturen jener Zeit gingen in den keltischen Dynastien Reichtum und Macht über die mütterliche Erblinie auf die nächste Generation über.
Frauen gaben bei den Kelten den Ton an
Die Kelten waren von Kriegerinnen, Druidinnen und anderen mächtigen Frauen geprägt, darunter berühmte Königinnen wie Boudicca und Cartimundia, deren politisches und kriegerisches Geschick auch bei den Römern gefürchtet waren.
Da die Kelten keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben, sind Archäologen und Historiker auf Überlieferungen aus griechischer und römischer Zeit sowie auf Ausgrabungen angewiesen. Die Kelten waren kein einheitliches Volk oder eine Art europäische Ur-Nation, sondern lebten während der Eisenzeit in zahlreichen unabhängigen Stammesgruppen.
Hallstatt- und der La-Tène-Kultur
Die keltische Kulturgemeinschaft wurde durch eine eigene indogermanische Sprache, ähnliche materielle Kultur, Gebräuche, Glaubensvorstellungen und Lebensweise geprägt. Aus den bronzezeitlichen Kulturen Mitteleuropas bildeten sich die beiden klassischen keltischen Epochen der Hallstatt- (650-70 v. Chr.) und der La-Tène-Kultur (470-50 v. Chr.) heraus.
Die keltische Gesellschaft war weder zentral organisiert, noch gab es gemeinsame Könige. Neben Häuptlingen und Fürsten beherrschten Druiden als geistige und spirituelle Führer die einzelnen Stämme. Sie waren zugleich Priester und Mediziner, Lehrer und Richter.
Aufstand gegen die Römer
Im Jahr 60 n. Chr. geriet die römische Herrschaft über Britannien bedrohlich ins Wanken. Rebellen eroberten die römische Provinzhauptstadt Camulodunum (Colchester) und brannten die heutigen Städte London und St. Albans nieder. Der Aufstand traf die Römer völlig unvorbereitet.
Am meisten überraschte sie, dass die Rebellion von einer Frau angeführt wird: Boudicca, der Witwe von Prasutagus, dem König der Icener. Prasutagus wollte den Frieden sichern, indem er sein Reich dem römischen Kaiser Nero sowie seinen beiden Töchtern vermacht hatte. Doch nach seinem Tod verwarfen die Römer das Testament. Für Boudicca war der Moment gekommen, sich gegen die Besatzer zur Wehr zu setzen.
Im Jahr 60/61 n. Chr. führte die Keltenkönigin den Aufstand mehrerer keltischer Stämme gegen die Römer an. Vom Osten Englands aus eroberten sie London, Camulodunum und Verulamium, die drittgrößte Stadt des römischen Britannien. Überlieferungen zufolge soll das Keltenheer dabei mehr als 70.000 Stadtbewohner getötet haben.
Schlacht bei der Watling Street
Eine zahlenmäßig unterlegene römische Armee unter Gaius Suetonius Paulinus stellte sich schließlich in den Midlands entlang der Watling Street, einer damaligen Römerstraße, in der Nähe des heutigen Atherstone oder Mancetter (damals Manduessedum) den Aufständischen entgegen, die sich aus den Volksstämmen der Icener und Trinovanten zusammensetzten.
Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet von Verlusten in Höhe von 80.000 Personen auf britannischer Seite, gegenüber 400 Toten bei den Römern. Historiker halten die Zahlen für maßlos übertrieben, nehmen aber an, dass das rund 10.000 Mann starke römische Heer trotz einer zahlenmäßigen Unterlegenheit Boudiccas Streitkräfte besiegte.
Tacitus führt weiter aus, dass sich Boudicca nach der Niederlage selbst vergiftete.
Keltische Kriegstrompete und Armee-Standarte
Jetzt sind Archäologen im englischen Norfolk – dem ehemaligen Stammesgebiet von Boudicca – auf einen äußerst seltenen Fund gestoßen. Bei Ausgrabungen im Vorfeld eines Bauprojekts stießen sie auf einen keltischen Waffenhort aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert.
Darunter war ein verzierter, bronzener Eberkopf, der einst die Spitze einer keltischen Armee-Standarte krönte, außerdem fünf metallene Schildbuckel und einioge weitere Artefakte.
Caryx sollte Krieger im Kampf anfeuern
Das eigentliche Schmuckstück ist eine sogenannte Carnyx, eine keltische Kriegstrompete. „Diese aus Bronze gefertigten Blasinstrumente mit Tierkopf wurden von keltischen Stämmen in ganz Europa eingesetzt, um ihre Krieger im Kampf anzufeuern“, erklären die Archäologen von „Historic England“. en Gallien und Britannien.
Die neuentdeckte Carnyx sei eine von nur drei aus Großbritannien bekannten Kriegstrompeten der Kelten. Und es sei eines der vollständigsten Exemplare in ganz Europa, berichtet Historic England. Möglicherweise stammt diese Carnyx aus dem Heer Boudiccas. Angesichts des Fundorts in ihrem Herrschaftsgebiet und dem passenden Alter der Carnyx ist dies durchaus denkbar.
Nach ihrer Entdeckung wurden die Utensilien zunächst in einem Block aus dem Boden herausgelöst und ins Norfolk Museum gebracht. Dort scannten Experten das Innere der Blöcke, um die Lage der Fundstücke zu ermitteln und präparierten sie dann vorsichtig frei. Die Analysen sowie Konservierungsmaßnahmen für die fragilen Bronzeobjekte gehen derweil weiter, wie Historic England mitteilt.
